20.01.1992

GESTORBENHeinz Riech

69. "Künstlerisch angehauchte Filme", das machte der Kino-Tycoon stets klar, interessierten ihn nicht. Riech setzte auf Umsatz. Mit zehn Millionen Mark, die der ehemalige Filmvorführer in den fünfziger und sechziger Jahren mit Kleinstadt-Kinos, Tankstellen, Supermärkten, Spirituosen- und Tabakhandel zusammenklaubte, landete er 1971 seinen ersten Coup: Er zahlte sie an und kaufte für über 40 Millionen Mark dem Bertelsmann-Konzern die Ufa-Theater AG ab. Damit besaß Riech einige der besten Großstadt-Kinos. Während die kleinen Lichtspielhäuser mit steigendem Fernsehkonsum des ehemaligen Kinopublikums dichtmachen mußten, wuchs das Riech-Imperium weiter. Große Filmtheater mit 1000 Plätzen, die nicht mehr zu füllen waren, unterteilte der rührige Unternehmer in mehr als ein Dutzend verschachtelte, schuhkartongroße Kinoräume. Kassenschlager boten die Verleiher ihm zuerst an, denn Riech sicherte eine intensive wirtschaftliche Auswertung der Filme, indem er sie, je nach Frequenz, von Kinozelle eins nach Kino zwei verschob. Seinen letzten Plan, einen Kino-Palast mit neun Sälen und 2600 Plätzen in Hamburg zu errichten, konnte der "Kino-König" nicht mehr verwirklichen. Heinz Riech starb am vorvergangenen Wochenende in der Reha-Klinik im niedersächsischen Bad Rothenfelde an den Folgen eines Herzinfarkts.

DER SPIEGEL 4/1992
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