28.02.1994

GESTORBENLore Lorentz

Lore Lorentz, 73. Ihrem Lebensmotto "Nie resignieren, wütend werden" treu, erhob die profilierteste Kabarettistin der deutschen Kleinkunstbühne fast ein halbes Jahrhundert lang die Stimme, um dafür zu kämpfen, daß "Demokratie nicht verplempert wird". Mit ihrem Mann Kay hatte Lore Lorentz 1947 das Düsseldorfer "Kom(m)ödchen" gegründet, das bald zum Treffpunkt der Schickeria und der politischen Prominenz wurde. Indem sie das Kabarett gesellschaftsfähig machte, erreichte sie genau jene Leute, die von ihr zu hören bekamen, was sie eigentlich nicht hören wollten. Doch nicht immer wurde ihre Satire so geschätzt. Ende der fünfziger Jahre wurden auf Betreiben des damaligen Verteidigungsministers Franz Josef Strauß TV-Übertragungen aus dem Kom(m)ödchen zeitweilig verboten. Noch vor wenigen Monaten, zwar angeschlagen durch den Tod ihres Mannes, demonstrierte sie mit ihrem letzten Chanson "Wenn wir scheitern, dann heiter" wieder einmal, wie man mit naivem Augenaufschlag, ohne plump und bösartig zu sein, Satire mit Charme über die Bühne bringen kann. Lore Lorentz starb vergangenen Dienstag in Düsseldorf.

DER SPIEGEL 9/1994
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