14.03.1994

GESTORBENCharles Bukowski

73. Er machte die Fäkaliensprache poesiefähig und brachte es zum Kultautor einer Generation, die in den Werten der bürgerlichen Gesellschaft nur noch Lüge und Heuchelei entdeckte. Ende der sechziger Jahre stieg der kalifornische Untergrunddichter Charles Bukowski, nachdem er sich jahrzehntelang als Gelegenheitsarbeiter durchgeschlagen hatte, zu Weltruhm auf. Besonders in Deutschland, wo der Sohn eines polnischstämmigen amerikanischen Sergeants und einer Deutschen geboren wurde, fanden seine literarisch-lebensgeschichtlichen Exzesse in der kongenialen Übersetzung Carl Weissners ein begeistertes Publikum. Doch Bukowskis Desperado-Legende, der seine Inspiration angeblich nur einer animalischen Sexualität und Ozeanen von Dosenbier verdankte, war auch ein Schutzwall. Hinter ihm verbarg sich eine verletzliche Person, ein zuweilen melancholischer Lyriker und ein authentischer Schriftsteller, der ein eher tristes Leben in seiner wilden Literatur nicht verdoppelt, sondern neu erfunden hat. Charles Bukowski starb am Mittwoch vergangener Woche in einem kalifornischen Krankenhaus.

DER SPIEGEL 11/1994
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Charles Bukowski