05.07.1993

MODERNES LEBENJagd auf falsche Hasen

Normale Menschen tun so etwas nicht. Sie stülpen sich nicht braune Hasenohren über den Kopf und hoppeln nicht durchs Gelände auf der Flucht vor Mitmenschen, die "on, on" brüllen und einem an die Löffel wollen. In England ist so etwas üblich. "Hasenjagd" heißt das dann und wird bereits von 93 Vereinen betrieben. So versammeln sich denn Bankmanager, Immobilienmakler, Taxifahrer und andere gediegene Menschen am Wochenende, stapfen durch Matsch und folgen einer Spur aus Sägemehl, die ihnen der falsche Hase gelegt hat. Alles geschieht gewaltfrei, einzig die blauen Papierreste im Sägemehl, welche die Sichtbarkeit verbessern sollen, wirken wie Naturfrevel - doch die seien bloß biologisch abbaubare "Schnipsel aus Strafmandaten", versichert die südenglische Hasenjägerin Cindy Wedlake. "Hashing" schade niemandem, beteuern die Hasenjäger, allenfalls verliebten Paaren, die immer mal wieder von einer hoppelnden Meute im Wald überrascht werden. Für die Läufer jedenfalls sei die Veranstaltung therapeutisch, sagt Gordon Raggett, "Grand Master" der "Wessex Hash House Harriers": "Das spült den Kopf durch. Wunderbar."

DER SPIEGEL 27/1993
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