05.07.1993

GESTORBENAladena Fratianno

79. Im Auftrag des in Chicago wirkenden Gangsterbosses Al Capone knüpfte er unter dem Decknamen "Jimmy, das Wiesel" in Los Angeles und Las Vegas das Netzwerk des Syndikats, wobei er fünf Querulanten aus dem Weg räumte, drei mit der Seidenschnur, zwei per Genickschuß. "Es ist immer gut, das Richtige zu tun", befand der Berufskiller, der sich stets als Befehlsempfänger verstand und insgesamt 20 Jahre hinter Gittern verbrachte. Als er das Pensionsalter erreichte, schwor er seinem Job ab und diente sich den Justizbehörden an. Der Kronzeuge Fratianno benannte jeden einzelnen US-Mafia-Boß und half, ein Dutzend rätselhafter Mordfälle zu klären. Zur Belohnung erhielt er einen neuen Namen, ein neues Zuhause, mehrere Leibwächter und für die Dauer von neun Jahren eine steuerfreie Staatsrente, insgesamt knapp eine Million Dollar. Die Zahlungen wurden 1987 eingestellt und kamen nach Fratiannos Befürchtung seinem Todesurteil gleich. Doch die Bosse hatten an dem Verräter von einst das Interesse verloren. Fratianno starb vergangenen Dienstag friedlich im Bett, an den Folgen der Alzheimerschen Erkrankung.

DER SPIEGEL 27/1993
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