19.07.1993

„Die tolle FK 127“

Unverständliches Kauderwelsch erklingt, wenn sich Falschgeldexperten deutscher Behörden zum Erfahrungsaustausch treffen.
Da ist zum Beispiel die Rede davon, daß in der Bundesrepublik und auf den Schwarzmärkten zwischen Weichsel und Ural "DF 1 mit DF 3 und DF 5 konkurriert". Gelegentlich wird voller Respekt "die tolle FK 127" erwähnt.
Der Übersichtlichkeit wegen haben die Experten allen Mark-Blüten Kennzeichen verpaßt. Das Kürzel "FK" steht für Farbkopie, "DF" für Druckfälschung, "A" bis "C" für Imitate von Noten aus den sechziger, siebziger und achtziger Jahren. Zur Zeit kursieren in Deutschland vor allem sechs Falschgeld-Typen:
DF 1 stammt aus Beständen der italienischen Camorra. Am Mailänder Hauptbahnhof wird die Blüte mit 20 bis 30 Prozent ihres Nennwertes von 200 Mark gehandelt. Kroatische Kuriere bringen die Fälschungen in einer Art Ameisenverkehr über die Alpen.
FK 127 aus Polen, angeblicher Wert 100 Mark, ist eine Farbkopie mit zusätzlichen Druckeffekten. Die blauen und grünen Farbtöne stimmen, das Wasserzeichen, obschon nur aufgedruckt, simuliert gekonnt den Kopf der Pianistin Clara Schumann. Während frühere Kopierfälschungen stets dieselbe Seriennummer trugen, erscheint die Zahl bei FK 127 fortlaufend. Die Blüte ist seit dem 1. Februar 1992 in Deutschland bereits mehr als 5000mal aufgetaucht.
DF 3, vorgeblicher Wert 100 Mark, stammt ebenfalls aus Polen und ist von eher durchschnittlicher Qualität. Die Falsifikate werden in großen Stückzahlen vor allem in Berlin und Hamburg in den Verkehr gebracht.
DF 4, Nennwert 100 Mark, bezeichnet eine etwas zu blaß geratene Druckfälschung aus Norditalien. Das Imitat hat sich insbesondere in Nordrhein-Westfalen zum Auflagenrenner entwickelt, taucht zunehmend aber auch in Moskau auf. Camorra-Kuriere haben versucht, mit der Fälschung in der russischen Hauptstadt Gold zu kaufen; jüngst erst wurden drei Italiener festgenommen, die in ihrem Auto bündelweise DF 4 verstaut hatten.
DF 5, ein falscher Hunderter aus dem Danziger Raum, ist nach Experten-Urteil zwar "kein Meisterstück", weil der Farbton nicht getroffen ist. In der Ukraine, in Belorußland und in Polen aber findet der Schein dennoch reichlich Abnehmer. Die Druckerei, aus der vermutlich ein Großteil der Blüten stammt, wurde letzten Monat ausgehoben.
A 8, angeblicher Wert 1000 Mark, ist eine Druckfälschung des alten Tausendmarkscheins. Die meisten Hersteller und Vertreiber sind Exilrussen. Mit deutschem Falschgeld dieses Typs trieben kriminelle Banden beispielsweise in Indien einen schwunghaften Heroinhandel. In Europa kämpfen konkurrierende Organisationen mit Mord und Totschlag um den Ertrag des Falschgeldgeschäfts.
Mittlerweile sind A-8-Tausender im Wert von vier Millionen Mark beschlagnahmt worden. Mindestens die 20fache Summe ist nach Schätzungen deutscher Fahnder noch unentdeckt.
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__75b Entdeckte Fälle von DM-Fälschungen in Deutschland
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DER SPIEGEL 29/1993
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