19.07.1993

Awigdor Kahalani,

49, Kandidat für das Amt des Bürgermeisters von Tel Aviv, ging vergangene Woche auf den Strich. Der Abgeordnete von Israels Arbeitspartei besuchte nächtens den übel beleumundeten Ortsteil Tel Kabir, um Prostituierten ins Gewissen zu reden: Die Huren sollten nicht in aller Öffentlichkeit ihre Dienstleistungen vollziehen, rügte der Held des Jom-Kippur-Krieges von 1973, und Kondome ordentlich beseitigen. "Es tut mir sehr leid, daß ich in Gegenwart von Kindern Verkehr hatte", entschuldigte sich eine der angesprochenen Damen und nutzte die Gelegenheit, um die Legalisierung des bislang unerlaubten, aber geduldeten Gewerbes zu fordern: "Dann wird durch unsere Arbeit niemand gestört." Der Politiker war beeindruckt: "Ich denke", meinte Kahalani, "daß Prostitution in Israel gesetzlich gestattet werden sollte."

DER SPIEGEL 29/1993
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