19.07.1993

GESTORBENMario Bauza

82. Wenn er die Trompete spielte, dann klang es, als käme noch immer karibische Luft aus seinen Lungen, und wenn er sein Orchester dirigierte, dann trieben Tropenstürme die Gringos übers Tanzparkett. Bauza hatte, als er 1930 seine Heimatstadt Havanna verließ und das Schiff nach New York nahm, nicht viel Gepäck dabei - nur sein riesiges Talent und eine Hitze, der auch die kalten Winter von Manhattan nichts anhaben konnten. Er hatte in Kuba zum Tanz aufgespielt, er schloß sich in den USA den Big Bands der Jazzer Chick Webb und Cab Calloway an, und als er im Frühjahr 1943 beides zusammenbrachte, den Jazz und die kubanischen Rhythmen, da war es, als hätte er Schwefel mit Salpetersäure gemischt: Ungeheure Explosionen erschütterten die amerikanische Musik, auch im Publikum wurden gewaltige Energien frei, und für die nächsten zwei Jahrzehnte war der afro-kubanische Jazz so populär, daß selbst Stars wie Charlie Parker, Dizzy Gillespie und Dexter Gordon mit Mario Bauza auftreten wollten. Sie erfanden Klänge, die wild und ekstatisch waren und komplex zugleich, und daß Talent und Temperament ihn auch im Alter nicht verließen, bewies Bauza, als er vor zwei Jahren noch einmal ein Comeback schaffte. Am vorvergangenen Sonntag ist Mario Bauza in New York gestorben.

DER SPIEGEL 29/1993
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