19.07.1993

RÜCKSPIEGELZitate

Die Süddeutsche Zeitung zum SPIEGEL-Bericht über die Ermittlungspannen von Bad Kleinen INNERE SICHERHEIT - NUR FETZEN EINES BILDES (Nr. 28/1993):
Erst im Aufzug, vom 23. Stock auf dem Weg nach unten, bricht aus dem Vorsitzenden des Innenausschusses, Hans Gottfried Bernrath (SPD), der Frust heraus. Mit drei Kollegen steht er in der Kabine, während die Aufzugseile leise surren. Einer fragt Bernrath, ob er eben etwas Neues erfahren habe. "Nichts, absolut nichts", entgegnet er. Ob man am Nachmittag etwas hören werde? "Auch nichts, gar nichts", sagt Bernrath. Der Blick der Mitfahrenden fällt auf Bernraths Aktenmappe, in der sich die neueste Ausgabe des SPIEGEL befindet. "Da könnten Sie doch wenigstens was erfahren", schlägt jemand vor. "Ja", sagt Bernrath, "ich muß mir noch ein paar Minuten Zeit nehmen, um das zu lesen." *EINLEITUNG:
Die Welt am Sonntag zu den Aufsätzen von Botho Strauß ANSCHWELLENDER BOCKSGESANG (Nr. 6/1993), Hans Magnus Enzensberger AUSBLICKE AUF DEN BÜRGERKRIEG (Nr. 25/1993) und Martin Walser DEUTSCHE SORGEN (Nr. 26/1993):
So bitter, wie die Abrechnung Walsers mit der Linken und ihren Herrschaftsmethoden ist, so kühl schließlich seziert Enzensberger die Anlässe des "täglichen Bürgerkrieges" in diesem Lande, der sich im Weltweiten spiegele und umgekehrt. Auch Enzensberger entmythologisiert die Solinger Täter vom ideologisch wohlfeilen Faschismusverdacht: "Hakenkreuz und Hitler-Gruß sind beliebige Requisiten", entscheidend seien die "Leerstellen im Gehirn", die damit besetzt werden könnten. Angesichts dessen konstatiert Enzensberger unsere "völlig überforderte Moral", plädiert für einen Abschied von "Allmachtsphantasien", von dem Versuch, das "uferlos Gute" zu praktizieren, und empfiehlt statt dessen, den "jeweils realisierbaren Grad von Verantwortung zu prüfen und Prioritäten zu setzen". Damit ist eine Diskussion eröffnet, welche die Wirklichkeit ernst nimmt, auch auf die Gefahr hin, daß die ersten Reaktionen Mißverständnisse sind. Denn, so Botho Strauß, angesichts ideologischen Harmonisierungs- und medialen Nivellierungswahns: "Auch das Mißverständnis, sogar das Mißverständnis wird einem menschlich teuer - es ist nahezu aufgelöst im Verkehr der öffentlichen Meinung."

DER SPIEGEL 29/1993
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DER SPIEGEL 29/1993
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