16.11.1992

MODERNES LEBENDie große Hendrix-Maschine

Jimi Hendrix ist seit 22 Jahren tot und einer der erfolgreichsten Popstars der Gegenwart. Etwa drei Millionen Alben werden jährlich von ihm verkauft, und um der Legende noch mehr Leben einzuhauchen, wurde in diesem Jahr eine Wanderausstellung mit dem Titel "The Jimi Hendrix Exhibition" auf Welt-Tournee geschickt. Die Geisterbeschwörung der musealen Art findet derzeit in Hamburg statt (Handwerkskammer, bis 12. Dezember): Auf vier Monitoren knarzen Hendrix-Videos, an den Wänden hängen 60 Poster, elektronisch manipulierte Fotografien und Collagen - Jimi am Flughafen, Jimi mit Kartoffelsalat, Jimi mit Gitarre. Die Verkaufsausstellung (Preise von 100 bis 2000 Mark) ist Teil eines endlosen Devotionalienhandels, was Alan Douglas, Direktor der Firma "Are You Experienced", manchmal durchblicken läßt. Douglas, der unter anderem auf etwa 750 Bändern mit unveröffentlichten Hendrix-Sounds sitzt, schaut gelassen in die Zukunft. Er hat neben dem toten Gitarrengenie neun Verwertungsspezialisten (Rechercheure, Studiomusiker und Ingenieure) unter Vertrag und weiß eines sicher: Solche wie Hendrix werden höchstens noch in Maschinen geboren.

DER SPIEGEL 47/1992
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Die große Hendrix-Maschine

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