21.12.1992

„Jeder bewaffnete Terrorist muß getötet werden“

SPIEGEL: In den vergangenen zwei Wochen sind sechs israelische Soldaten getötet worden. Es gab Dutzende von Bombenanschlägen und Feuerüberfällen. Verliert Israel den Kampf gegen die radikalen Palästinenser?
SCHARON: Nein, sicher nicht. Wir stehen palästinensischem Terror schon seit hundert Jahren gegenüber, und doch ist der jüdische Staat stetig gewachsen, von damals 80 000 Menschen auf heute 4,5 Millionen. Das ist Beweis genug, daß Israel diesen Krieg gewonnen hat.
SPIEGEL: Trifft Ihrer Meinung nach die Regierung Rabin die Schuld an der Welle von Gewalt?
SCHARON: Ich werde keiner jüdischen Regierung die Verantwortung für den Tod von Israelis zuweisen - schuld sind allein die Araber. Allerdings macht Rabin bedenkliche Fehler beim Versuch, den Terror der Intifada zu stoppen.
SPIEGEL: Der früheren Likud-Regierung, der Sie als Minister für Wohnungsbau angehörten, war es doch auch nicht gelungen, die Palästinenser zu unterwerfen.
SCHARON: Obwohl ich dem Kabinett 15 Jahre lang angehörte, habe ich stets gesagt, daß ich mit der Art des Kampfes gegen den palästinensischen Terror nicht einverstanden war. Dennoch: Im Vergleich zu früher hat sich die Situation dramatisch verschlimmert. Wir müssen uns klarmachen, daß dieser Konflikt keine Demonstration ist und kein Aufruhr. Das ist Krieg.
SPIEGEL: Wieso sind Israels Streitkräfte nicht in der Lage, mit dieser Form des Guerillakrieges fertig zu werden?
SCHARON: Militär und Sicherheitskräfte müssen klare Befehle erhalten, alle terroristischen Organisationen zu eliminieren. Solche Instruktionen hat es bisher nie gegeben; man sprach immer nur davon, die terroristischen Aktivitäten zu verringern, zu minimieren. Der Auftrag an das Militär muß heißen: Der Terror muß ausgemerzt werden.
SPIEGEL: Feuer frei auf alle Palästinenser?
SCHARON: Ich sage nicht, daß die Soldaten mit juckendem Finger am Abzug sitzen sollen. Aber jeder bewaffnete Terrorist muß getötet werden, es sei denn, er ergibt sich. Deswegen müssen die umständlichen Vorschriften, nach denen das Militär das Feuer eröffnen darf, geändert werden.
SPIEGEL: Glauben Sie, mit militärischen Mitteln den politischen Konflikt lösen zu können?
SCHARON: Wir müssen präventiv handeln. In den letzten Tagen sind 1200 Mitglieder der fundamentalistischen Terror-Organisation Hamas festgenommen worden. Warum erst jetzt? Unserem Geheimdienst waren sie seit langem bekannt.
SPIEGEL: Soll die Regierung Rabin die palästinensischen Führer verhaften, mit denen sie in Washington Friedensgespräche führt?
SCHARON: Diese Regierung ist auch schwach, gerade weil es in ihr Mitglieder gibt, die für einen Dialog mit der terroristischen PLO eintreten. Die Beschwichtiger fordern Konzessionen gegenüber der PLO und unterscheiden zwischen Jassir Arafats Fatah-Organisation und den islamischen Fundamentalisten. Das ist falsch.
SPIEGEL: Wieso? Die PLO ist für Gespräche mit Israel, Hamas lehnt jeden Dialog ab.
SCHARON: Diese Terror-Organisationen unterscheiden sich so wenig voneinander wie Hitlers SS von Hitlers SA. Ihr Ziel ist dasselbe - sie wollen die Juden töten. Schließlich ist die PLO für die meisten terroristischen Anschläge in diesem Jahr verantwortlich: Auf ihr Konto gehen 254 von insgesamt 339 Attentaten.
SPIEGEL: Dann müssen Sie aber auch die Friedensgespräche in Washington stoppen.
SCHARON: Ich bin nicht gegen Verhandlungen. Wir sollten sie nicht abbrechen, sondern einfrieren. Rabins Zugständnisse an die Palästinenser haben den Druck nur verstärkt. Die Bekämpfung des Terrors braucht eine starke Regierung. Deshalb habe ich den Vorschlag gemacht, auf begrenzte Zeit eine Koalition des nationalen Notstands zu bilden. Es ist die letzte Stunde, vielleicht sogar die letzte Minute, um dem Terror Einhalt zu gebieten.

DER SPIEGEL 52/1992
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