21.12.1992

GESTORBENGünther Anders

90. Er war der Denker eines Zeitalters, dessen zerstörerische Fortschrittslogik sich in rationell organisierten Vernichtungslagern und exakt gezielten Atombombenwürfen bis zur Kenntlichkeit offenbarte. Doch über die dem Elend zugrundeliegende "Antiquiertheit des Menschen" - so der Titel seines Hauptwerkes (1956) - schrieb der militante Moralist in der verzweifelten Hoffnung, widerlegt zu werden. Der 1902 als Günther Stern geborene Sohn eines Breslauer Psychologen, der unter seinem Pseudonym Anders berühmt wurde, studierte bei Martin Heidegger und war in erster Ehe mit dessen Schülerin Hannah Arendt verheiratet. Als Jude von den Nazis ausgebürgert, emigrierte er 1933 zunächst nach Frankreich, 1936 in die USA. Seit seiner Rückkehr nach Europa im Jahr 1950 engagierte sich Anders als Philosoph und Publizist bis ins hohe Alter für die Verteidigung der Menschenrechte, gegen Atomkraft und Krieg und blieb dabei einer der großen Pessimisten unseres Jahrhunderts. Günther Anders starb am vergangenen Donnerstag in Wien.

DER SPIEGEL 52/1992
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


DER SPIEGEL 52/1992
Titelbild
Abo-Angebote

Den SPIEGEL lesen oder verschenken und Vorteile sichern!

Jetzt Abo sichern
Ältere SPIEGEL-Ausgaben

Kostenloses Archiv:
Stöbern Sie im kompletten SPIEGEL-Archiv seit
1947 – bis auf die vergangenen zwölf Monate kostenlos für Sie.

Wollen Sie ältere SPIEGEL-Ausgaben bestellen?
Hier erhalten Sie Ausgaben, die älter als drei Jahre sind.

Artikel als PDF
Artikel als PDF ansehen

GESTORBEN:
Günther Anders

  • "Schmerzgriff"-Vorwürfe: Hamburger Polizei verteidigt Einsatz bei Klimaprotesten
  • Klima-Demo in Berlin: "Ab jetzt gilt es!"
  • Parteitag in Brighton: Labour streitet über Corbyns Brexit-Kurs
  • Tropensturm in Houston: Passanten retten Lkw-Fahrer das Leben