21.12.1992

GESTORBENSven Delblanc

61. Mit leidenschaftlicher Fabulierlust und Phantasie variierte der schwedische Schriftsteller und Literaturhistoriker immer wieder ein delikates Thema: das Verhältnis zwischen Geist und Macht, zwischen Utopien und illusionsloser Praxis. Der Skandinavier mit dem französischen Namen verehrte Dostojewski ebenso wie Ingeborg Bachmann, er lernte von Thomas Mann und schätzte Heinrich Böll. Der barocke Erzählstil seines umfangreichen Werkes wurde mit dem des Franzosen Rabelais verglichen, auch mit dem des Engländers Anthony Burgess. Ein Lehrstück über die Gesellschaft aller in einem Boot, ein makabres Logbuch über die Kehrseite des Fortschritts ist sein 1980 erschienener Roman "Speranza". Tagebücher, die seine Familie aufgehoben hatte, inspirierten den Romancier zu "Samuels Buch" (1981), "Samuels Töchter" (1982) und "Kanaans Land" (1984), der Geschichte des Hilfspastors Samuel Erikson in einem Dorf im Schweden des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Sven Delblanc starb am vergangenen Mittwoch in Stockholm. *ÜBERSCHRIFT: BERUFLICHES

DER SPIEGEL 52/1992
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GESTORBEN:
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