06.05.2013

BriefeMia san mia, Steuerhinterzia!

Nr. 18/2013, Der doppelte Hoeneß - Moralist und Steuersünder
Viele loben nun das soziale Engagement des Herrn Hoeneß. Doch: War diese Handlungsweise nicht einzig und allein darauf ausgerichtet, seine dubiosen finanziellen Transaktionen in einem ganz anderen Licht erscheinen zu lassen? Für mich jedenfalls war diese machtorientierte, höchst suspekte Sportlerpersönlichkeit nie ein Vorbild.
Thomas Henschke, Berlin
Das Hoeneß-Porträt spielt den Ball am Ende in eine falsche Richtung. Denn gerade vom psychologischen Standpunkt aus spricht viel dafür, auf der einen Seite sehr sozial zu sein und auf der anderen den Staat zu betrügen. So kann man sich nämlich trotz der Missetat ein gutes Gewissen verschaffen.
Rasmus Helt, Hamburg
Ein Meisterwerk in der Recherche und in dem Psychogramm des Herrn Hoeneß.
Dr. Olaf Jansen, München
Mir wird kodderig, wenn ich sehe, wie dem Steuerbetrüger Hoeneß vor, während und nach Bayern-Spielen gehuldigt wird. Die Schulterklopfer und Umarmer des Delinquenten bedanken sich auch noch dafür, dass er sie - und letztendlich uns alle - übers Ohr gehauen hat!
Dr. Helmut Klingenfeld, Ahrensburg
Lasst doch die Kirche im Dorf! Wenn es stimmt, dass Hoeneß in den vergangenen zehn Jahren 50 Millionen Euro Steuern gezahlt hat und 3 Millionen Euro Steuern nicht abführte, so hat er doch 94 Prozent seiner Steuerschuld beglichen und allenfalls 6 Prozent hinterzogen.
Robert Glöggler, München
Schopenhauer unkte einst: "Der Reichtum gleicht dem Salzwasser. Je mehr man davon trinkt, desto durstiger wird man!" So viel zum Thema Größenwahn und Gier. Es ist immer der einzelne Mensch, der sich bewusst entscheiden muss, wem er dienen will: der Macht oder der Moral, dem Geld oder dem Gewissen. System hin, System her, das ist nur Beiwerk.
Dr. Paul Fritz, Nürtingen
Die Reichen verstehen sich zumeist als die exklusiven Leistungsträger schlechthin. Aber Leistungsträger ist nicht nur der Manager, Leistungsträger sind alle, der Betrieb, das Team! Unsere Wahrnehmung der gesellschaftlichen Zusammenhänge ist unzureichend, und das verbaut uns den Blick auf die Realität.
Gisbert Zalich, Bremen
Wer soziale Gerechtigkeit will, muss auch Steuergerechtigkeit wollen. Steuerhinterziehung ist ein Straftatbestand. Es darf nicht sein, dass der Spruch: "Die Kleinen hängt man, die Großen lässt man laufen!" den Tatsachen entspricht.
Merle Pushover, Bonn
Ihr Titelbild bedient eine gänzlich unzutreffende Metapher. Denn der Hai konsumiert - wie jedes andere Raubtier auch - nur so viel Beute, wie er zur Befriedigung des Hungers unbedingt braucht. Mit der Causa Hoeneß bleibt wieder einmal die ernüchternde Feststellung, dass dies bei der Spezies Mensch nicht der Fall ist.
Matthias Kaiser, Hausach
Muss für die Stilisierung des Bösen und Gierigen ausgerechnet ein Weißer Hai herhalten? Wissen Sie denn nicht, dass die Ausrottung der Haie eine der gefährlichsten biologischen Zeitbomben ist?
Christoph Renner, Tübingen
Ein Haifisch, der sich in den Schwanz beißt, symbolisiert treffend den nimmersatten Staatsapparat.
Alex Grendelmeier, Aarburg (Schweiz)
Ich bin zutiefst empört, dass Sie das Verhalten von "Margot Käßmann, ehemals Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, die bei einer Alkoholfahrt erwischt wurde", gleichsetzen mit dem von Hoeneß und Guttenberg.
Erdmute Hoppe, Battenberg (Hessen)
Möge Herr Hoeneß wenigstens die gleiche Konsequenz wie Frau Käßmann zeigen. Aber wahrscheinlich geht es ihm bei der Selbstanzeige nur darum, mit möglichst wenigen Blessuren aus dieser Misere herauszukommen.
Thomas Podewski, Schwaikheim
Das soll in unserem Rechtsstaat Gleichbehandlung sein? Anderen wird bei einem auf Kaution ausgesetzten Haftbefehl der Reisepass abgenommen - Hoeneß fliegt nach Barcelona.
Rüdiger Kammerhoff, Königslutter am Elm
Ärgerlich an der öffentlichen Diskussion ist, dass immer wieder von einem "Fehler" Hoeneß' die Rede ist, wo es sich doch augenscheinlich um ein Delikt handelt, das mit mehreren Jahren Gefängnis bestraft werden kann. Hoeneß' "Fehler" bestand wohl nur darin, dass er glaubte, seine politischen Amigos würden ihm durch das Steuerabkommen mit der Schweiz Straffreiheit garantieren. Der Herr - oder besser noch die Steuerfahndung - möge uns in Zukunft vor solchen Vorbildern bewahren.
Prof. Herbert Krämer,
Trondheim (Norwegen)
Ob in der Antike der Zehnte oder in der Neuzeit die Steuer: Es war schon immer ein Volkssport, diese Abgabe so weit es ging zu drücken. Warum also diese Aufregung um Uli Hoeneß? Es erscheint doch geradezu grotesk, wenn ein EU-Bürger durch Steuerflucht in ein anderes EU-Land Steuern sparen kann, aber auf einen Uli Hoeneß eingedroschen wird, wenn er einige Millionen an Steuern hinterzieht und dafür im Lande bleibt.
Hartmut Tiemann, Mulfingen
Ich höre schon die Fangesänge, mit denen FCB-Anhänger künftig bei Auswärtsspielen empfangen werden: "Mia san mia, Steuerhinterzia".
Harald Jacob, Hehlen

DER SPIEGEL 19/2013
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