05.02.1996

KanadaGeteilte Provinz?

Nach dem Schock über den Beinahe-Sieg der frankophonen Separatisten bei der Volksabstimmung im Oktober letzten Jahres geht die Bundesregierung in Ottawa jetzt selbst in die Offensive. Dem neuen Quebecer Premierminister Lucien Bouchard drohte der kanadische Regierungschef Jean Chretien: "Wenn Kanada teilbar ist, dann ist auch Quebec teilbar." Und Stephane Dion, Minister für die Beziehung zu den Provinzen, fragte schon, ob Quebec die heutigen Grenzen behalten könne, wenn es sich wirklich von Kanada abspalten wolle. Dann müßten die Separatisten zuvor mit indianischen Ureinwohnern und anderen Regionen klären, ob die dem neuen "Quebec libre" angehören wollten. Vor allem die im Norden lebenden Cree-Indianer, die seit Jahrzehnten auf ihr Selbstbestimmungsrecht pochen, freuten sich über die Aufmunterung aus Ottawa. In einer eigenen Abstimmung hatten sich über 90 Prozent der Indianer gegen das "Kidnapping" ihres Territoriums durch die Separatisten ausgesprochen. Anglo-Kanadier aus Montreal, der größten Stadt Quebecs, rüsten schon für den Ernstfall - kommt die Teilung der Provinz, wollen sie einen eigenen Stadtstaat ausrufen.

DER SPIEGEL 6/1996
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