24.06.2013

BILDUNG„Schutz vor Parallelgesellschaften“

Der baden-württembergische Kultusminister Andreas Stoch, 43 (SPD), will Türkisch als dritte Fremdsprache an Gymnasien einführen.
SPIEGEL: Gibt es überhaupt Interesse an Türkischunterricht - oder ist der Modellversuch nur Multikulti-PR?
Stoch: Er ist für uns auch ein integrationspolitisches Signal: ein Zeichen der Wertschätzung gegenüber einer Sprache, die für viele Menschen in Baden-Württemberg die Muttersprache ist. Aber natürlich reagieren wir damit auch auf eine gestiegene Nachfrage, gerade von Gymnasiasten mit Migrationshintergrund in Ballungszentren wie Mannheim oder Stuttgart.
SPIEGEL: Nach wie vor schaffen es zu wenige Kinder aus türkischen Familien aufs Gymnasium. Viele sprechen schlecht Deutsch. Wäre es nicht wichtiger, die Deutschkenntnisse zu fördern?
Stoch: Das eine schließt das andere ja nicht aus. Das Angebot soll auch ein Anreiz sein, die Gymnasien attraktiver zu machen für Kinder aus Migrantenfamilien. Und grundsätzlich steht dieses Wahlfach allen Kindern offen, unabhängig vom Elternhaus. Jetzt müssen wir aber erst einmal einen Bildungsplan ausarbeiten, die Lehrer ausbilden und Erfahrungen sammeln.
SPIEGEL: Kritiker warnen vor einer Förderung von Parallelgesellschaften.
Stoch: Wer so argumentiert, ist nur darauf aus, Ängste zu schüren. Mehrsprachigkeit ist doch der beste Schutz vor Parallelgesellschaften. Je besser wir einander verstehen, im ganz wörtlichen Sinne, desto weniger Intoleranz gibt es.

DER SPIEGEL 26/2013
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