Der Hetzer

Joseph Goebbels Der Mann, der Hitler machte

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Nr. 47 / 21.11.2010 Alle Ausgaben
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DOKUMENTATION Der kommende Aufstand

Eine linke Theorieschrift erfährt derzeit eine ungewöhnlich große Aufmerksamkeit: Das Buch »Der kommende Aufstand« wurde von anonymen Autoren aus Frankreich verfasst, die sich »Unsichtbares Komitee« nennen. Dort ist das Buch mehr als 25 000-mal verkauft worden, es zirkuliert in mehreren Sprachen im Internet, die deutsche Print-Ausgabe erschien im August in der Edition Nautilus und war nach wenigen Wochen vergriffen. Ein US-Fernsehkommentator nannte es »möglicherweise das Böseste«, was er je gelesen habe. Bekannt wurde die Schrift im November 2008, als französische Behörden mehrere Bewohner einer Kommune in dem Dorf Tarnac festnahmen, die beschuldigt wurden, einen Anschlag auf eine Eisenbahnstrecke begangen zu haben, um einen Castor-Transport zu verhindern. Einer von ihnen, der 36-jährigen Julien Coupat, war in Verdacht geraten, Mitautor dieses »Handbuchs des Terrorismus« zu sein. Tatsächlich ruft »Der kommende Aufstand« zu Sabotage, Subversion und auch zu Gewalt auf. In einem glühenden Untergangsszenario wird der postmoderne Kapitalismus beschrieben, in dem der Mensch nurmehr als ein ortloses, beziehungsarmes und maximal entfremdetes Wesen vorkommt. Anders als die Schriften des ultralinken Establishments verzichtet der Text auf theorieschwere Technokratenprosa. Manches klingt, als hätte es der Entfremdungsdichter Michel Houellebecq geschrieben. In ihren Anleitungen zum Aufstand empfehlen die Autoren die Gründung von Kommunen, die aus der Unsichtbarkeit heraus agieren und den Staat durch eine umfassende Unterwanderung zu Fall bringen sollen, ohne allerdings die frontale Konfrontation zu suchen. Die brennenden Vorstädte in Frankreich, die Straßengewalt in Griechenland seien Symptome des Zusammenbruchs der Demokratien. Dieser Text fällt in eine Zeit, in der auch hierzulande fast jede Nacht Autos brennen, in der Bürger gegen Regierungsentscheidungen demonstrieren. »Der kommende Aufstand« gilt als eine Art Manifest des militanten Aussteigertums und als Abkehr von bisherigen Proteststrategien. Es ist auch der radikalste und problematischste Ausdruck eines neuen gesellschaftlichen Unbehagens. DER SPIEGEL druckt Auszüge.

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