Im neuen SPIEGEL Pussy-Riot-Prozess, Vorwürfe gegen Wallraff, Streit um Gema, deutscher Star-Architekt baut in China

Mascolo

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Foto: Marcus Brandt/ dpa

Liebe Leserin, lieber Leser,

es sind nur drei junge Frauen, aber sie sind mutig, und deshalb gehören sie im Moment zu den stärksten Gegnern des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Die Musikerinnen der Punkband "Pussy Riot" haben in einer Kirche gegen seine Machtfülle protestiert, sie wurden eingesperrt. Jetzt macht ihnen die Justiz den Prozess - und so zeigen sie, was im Westen viele nicht wahrhaben wollen: dass Putin, der Russland seit zwölf Jahren im Griff hat, autokratischer regiert als je zuvor. Für einen "lupenreinen Demokraten" hat ihn Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder gehalten. Es wäre an der Zeit für Schröder, diesen Irrtum zu korrigieren. Deutsche Künstler und Musiker protestieren im SPIEGEL gegen den Pussy-Riot-Prozess, das ist gut. Unsere Korrespondenten und Reporter beschreiben Russlands Weg in die Autokratie.

Günter Wallraff wurde mit seinen Enthüllungsreportagen zum Gewissen der Republik. Er war mehr Aktivist als Journalist, Kritik an seinen Methoden gab es immer. So umfassend und gut dokumentiert wie jetzt aber waren sie bislang nie. Die Vorwürfe gegen Wallraff erhebt sein ehemaliger Sekretär, der Methoden seines Arbeitgebers anwandte und nun behauptet, dass im Enthüllungs-Unternehmen einiges nicht mit rechten Dingen zuging. Wallraff soll Helfer zu Niedriglöhnen beschäftigt und das Geld ohne Beleg bar gezahlt haben. Sogar von manipulierten eidesstattlichen Versicherungen und einem Ghostwriter, der für Wallraff schrieb, ist die Rede. Der streitet die meisten Vorwürfe ab und verweist auf die notorische Unzuverlässigkeit seines ehemaligen Mitarbeiters.

Es ist ziemlich leicht, sich über die Gema lustig zu machen, diese sehr deutsche Musikverwertungsgesellschaft mit Sitz in Berlin. Rund 1100 Mitarbeiter, eine riesige Datenbank und 137 verschiedene Tarife, darunter einen für "Weiterleitung von Musik in Seniorenheimen" und einen anderen für "Erotikfilmvorführungen in Videoeinzelkabinen" - das klingt wie eine Expedition zu einem fernen, sehr fremden Planeten. Dabei geht es in der Geschichte über die geplante Tarifreform der Gema auch um Urheberrechte, um geistiges Eigentum - eine Frage der Gerechtigkeit.

Der chinesische Staatssender CCTV zieht demnächst um, mit etwa 14.000 Mitarbeitern, und ein deutscher Architekt, der Karlsruher Ole Scheeren, hat das neue Sendezentrum maßgeblich mitentworfen. Ulrike Knöfel hat den 41-Jährigen in Peking getroffen, sie beschreibt einen Deutschen, der spektakulären Erfolg hat und der jetzt zurückkommt, um Europa zu erobern. Als er nach China ging, vor acht Jahren, sah Scheeren in Asien Zukunftsglauben und im Westen nur Erstarrung. Ich bin gespannt auf seine Rückkehr.

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Viel Spaß bei der SPIEGEL-Lektüre wünscht Ihnen

Georg Mascolo

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