Im neuen SPIEGEL Die Deutschen sparen sich arm; Erica Jong - Angst vorm Sterben; Pussy Riot in Los Angeles; Bullerbü, nein danke; Robert Mugabe und ich

Liebe Leserin,
lieber Leser!

Wie soll man mit Geld umgehen? Wer einen Blick auf seine Kontoauszüge und in die Titelgeschichte des neuen SPIEGEL wirft, bekommt eine Ahnung davon, dass wir es dabei mit einem ungelösten Menschheitsproblem zu tun haben. Das gilt vor allem für die Deutschen, wie meine Kollegen Alexander Neubacher und Michael Sauga zusammen mit Anne Seith in einer gründlich recherchierten Titelgeschichte nachweisen. Die Deutschen werden als sparsam angesehen, besitzen aber nur halb so viel Wohnungseigentum wie die Spanier. Deutsche bunkern Bargeld oder versenken es in hoch spekulativen Schiffsfonds. Auch mit Ludwig Erhards gut gemeinter Idee von "Vermögensbildung in Arbeitnehmerhand" sind sie in knapp sieben Jahrzehnten Bundesrepublik nicht wirklich weitergekommen. Die Autoren warnen vor Geldanlagen, die Kunden abzocken, und empfehlen Sachwerte wie Immobilien - eine Lektüre mit praktischem Nutzwert.

Wem das Thema zu wenig Sex hat, dem sei das Gespräch meiner Kollegin Claudia Voigt mit der amerikanischen Autorin Erica Jong empfohlen. Warum die 73-jährige Verfasserin des Erfolgsbuchs "Angst vorm Fliegen" innerlich jung geblieben ist, verrät sie mit der Bemerkung, sie betrachte das Leben "eher als Komödie denn als Tragödie". Ihr neues Buch heißt "Angst vorm Sterben" und verbreitet wohl eher Lebensmut als Todesangst. Vom Geld spricht auch sie. In ihrer Familie, sagt Jong, hätten sich "alle ständig Sorgen" darüber gemacht.

Eine andere attraktive Frau, für die materieller Reichtum bislang nicht im Mittelpunkt steht, porträtieren meine Kollegen Tobias Rapp und Matthias Schepp: die russische Aktionskünstlerin Nadja Tolokonnikowa, Wortführerin der Punkgruppe Pussy Riot. Mir als damaligem Korrespondenten in Moskau fiel sie erstmals 2008 auf, als sie mit anderen Mitgliedern der Performancegruppe Woina (Krieg) an einer Aktion im Biologischen Museum von Moskau teilnahm. Die Woina-Mitglieder verulkten die Bevölkerungspolitik der russischen Regierung. Sie kopulierten vor einem Transparent, das die Parole zeigte: "Bums für den Bärennachwuchs!" Auf eine spätere Aktion von Pussy Riot in einer orthodoxen Kirche reagierte die russische Justiz mit gnadenloser Härte. Tolokonnikowa kam in ein Straflager. Jetzt hat sie die USA bereist, sich dort mit Hillary Clinton, mit Rappern und Punkrockern getroffen. Damit hat sie, wie die Autoren vermuten, womöglich die Grundlage für eine internationale Karriere gelegt. In Moskau, berichtet mein Kollege Schepp, versammle sich um Tolokonnikowa nur noch eine "immer kleiner werdende Schar" von Oppositionellen, die in Russland kaum noch Resonanz finden.

Foto: Bernhard Riedmann/ DER SPIEGEL

An dieser Stelle stellt Ihnen die SPIEGEL-Redaktion ihre Lieblingsgeschichten aus der neuen Ausgabe vor.
In dieser Woche: Uwe Klußmann, 54, seit 1990 beim SPIEGEL. Er arbeitet im Ressort Sonderthemen.

Um Karriereaussichten junger Leute in Deutschland geht es in einem Gespräch mit dem Kinder- und Jugendpsychiater Michael Schulte-Markwort, das meine Kollegin Katja Thimm geführt hat. Schulte-Markwort spricht über die Verunsicherung vieler Eltern. Er beobachtet, dass Erschöpfungsdepressionen und Schmerzen bei Kindern zunehmen. Als Vater zweier Schulkinder finde ich seine Hinweise erhellend: Der Fachmann rät, sich mit Kindern nicht in Machtkämpfe zu begeben, sondern sich zu bemühen, sie zu verstehen. So könne man ihnen am ehesten helfen.

Über jemanden, dem nicht mehr zu helfen ist, schreibt mein Kollege Bartholomäus Grill, Afrika-Korrespondent des SPIEGEL. Er hat über mehr als drei Jahrzehnte Robert Mugabe beobachtet, den Staatschef von Simbabwe. Den hielt er einst für den Hoffnungsträger einer jungen Demokratie. Doch der Mann, das zeigt Grill, ist schon lange zu einem Despoten geworden. Das Thema Geld spielt auch dabei eine Rolle. Mugabe und seine Kleptokraten haben es im Überfluss, doch ihr Volk ist verarmt. Dass sich Mugabes Diktatur so lange halten konnte, lag auch an der Politik der Volksrepublik China, die ihm vieles nachsah, während er sich ihr anbiederte.

Vor welchen dramatischen Problemen das bevölkerungsreichste Land der Erde heute steht, beschreibt Bernhard Zand, mein Kollege in Peking. Auch hier geht es wieder ums Geld: China möchte staatliche Stahlwerke und Kohlebergbau nicht mehr subventionieren. Harte Einschnitte stehen an, und China will seine Wirtschaft durch einen Dienstleistungssektor stärken. Ob das gelingt, dürfte eine der spannendsten Fragen der kommenden Jahre sein. Im neuen SPIEGEL erhalten Sie dazu kompakte Informationen von einem Landeskenner.

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Eine interessante SPIEGEL-Lektüre wünscht Ihnen

Uwe Klußmann

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