Im neuen SPIEGEL Ägypten in der Krise; Martin Winterkorns Pläne für VW; Gespräch mit Brandt-Sohn Lars

Doerry
Maurice Weiss/ Ostkreuz

Doerry

Von , stellv. SPIEGEL-Chefredakteur


Als sich mein Kollege Christoph Reuter am vergangenen Freitag per Handy aus Kairo meldete, 200 Meter von der Frontlinie zwischen Polizei und Demonstranten entfernt, brach das Gespräch nach wenigen Minuten ab: Im Hintergrund waren Gewehrsalven zu hören, Reuter musste sich in Sicherheit bringen.

Titelbild
Mehr dazu im SPIEGEL
Heft 34/2013
Wie der VW-Konzern die Welt überrollt

Gemeinsam mit den SPIEGEL-Redakteuren Juliane von Mittelstaedt, Erich Follath, Dieter Bednarz und Daniel Steinvorth beschreibt Reuter im aktuellen Heft das Dilemma, vor das sich die Demokratien des Westens durch die Krise in Ägypten gestellt sehen. Einerseits sind sie für freie Wahlen, andererseits befürworten sie stabile politische Verhältnisse, vor allem in den Ländern des Nahen Ostens. Angesichts der angespannten Lage ist es bemerkenswert, dass sich der ägyptische Außenminister Nabil Fahmy zur Krise seines Landes auch an diesem "Freitag der Wut" interviewen ließ. Er könne gerade nicht reden, sagte er im ersten Telefonat, versprach aber, sich zu melden - und rief wenig später zweimal vom Handy aus an.

VW-Chef Martin Winterkorn will seinen Konzern zur Nummer eins in der Autoindustrie machen; für die Titelgeschichte haben meine Kollegen Dietmar Hawranek und Dirk Kurbjuweit Winterkorn bei dem Projekt begleitet. Hawranek war für die Recherche mit einem Ein-Liter-Auto unterwegs, Kurbjuweit durfte einen Bugatti steuern; in Italien saßen beide am Steuer eines Lamborghini mit 700 PS. Sie erlebten mit, wie Winterkorn die Lackdicke per Lackmessstift kontrollierte, und in der VW-eigenen Metzgerei in Wolfsburg aßen sie Currywurst - morgens um halb neun. Hawranek und Kurbjuweit kommen zu dem Schluss, dass die Risiken ebenso groß sind wie die Chancen. Winterkorn selbst warnt immer wieder seine Führungskräfte: "Es wäre ein großer Fehler, jetzt draußen rumzulaufen und dicke Backen zu machen."

Über Willy Brandt, den ersten SPD-Kanzler der Bundesrepublik, glauben viele Menschen vieles zu wissen: dass er die Frauen liebte und den Rotwein, dass er seinen Kindern fernstand und zu Depressionen neigte. Das zumindest sei "Quatsch", sagt der Schriftsteller Lars Brandt, einer von Willy Brandts Söhnen, nun im Gespräch mit meiner Kollegin Susanne Beyer. Sein Vater habe halt das Bedürfnis gehabt, sich ab und an zurückzuziehen, verständlicherweise: "Wenn ich mir überlege, mit welchen Leuten der immer zu tun hatte!" Lars Brandt schätzt an seinem Vater, dass er ihm große Freiheiten gewährte, und er bewundert dessen "künstlerischen Zug": Brandt, sagt er, sei imstande gewesen, "mit einer Geste etwas zum Ausdruck zu bringen, das über seine Person hinausweist". Zum 100. Geburtstag von Willy Brandt werden in diesem Jahr mindestens 31 Bücher erscheinen, erzählte Beyer ihrem Gesprächspartner. Brandts Antwort: "Oh."

Hier kommen Sie zur Digitalausgabe des neuen SPIEGEL.

Viel Spaß bei der SPIEGEL-Lektüre wünscht Ihnen
Ihr

Martin Doerry



Diskutieren Sie mit!
0 Leserkommentare

© DER SPIEGEL 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.