Stefan Kuzmany

Meinung auf SPIEGEL ONLINE

 

In vielen Zuschriften fordern Leserinnen und Leser uns auf, klarer zu trennen als bisher: Zu oft, so die Kritik, sei nicht zu erkennen, ob es sich bei einem Text auf SPIEGEL ONLINE um einen auf Fakten basierenden Bericht handelt - oder um die persönliche Meinung eines Redakteurs oder einer Redakteurin.

In gedruckten Zeitungen hat der Kommentar seinen festen Platz. Online fehlt ein solcher Ort, unserem Medium sind feste Plätze fremd - das macht die Orientierung schwieriger. Wir kennzeichnen unsere Meinungstexte mit den Worten "Kommentar", "Kolumne" oder "Debattenbeitrag" in der Autorenzeile. Doch das allein scheint nicht auszureichen.

Daher haben wir uns dazu entschlossen, unsere Meinungsstücke jetzt noch deutlicher mit einem grafischen Element direkt am Anfang des Textes auszuweisen. Auch gibt es nun eine Rubrik, in der verlässlich alle Meinungsstücke gebündelt werden: Den bisherigen "Kolumnen-Kasten" ersetzen wir auf der Homepage durch einen "Meinungs-Kasten", in dem nicht nur die Kolumnen, sondern auch die aktuellsten Kommentare aus der Redaktion zu finden sind.

Kommentare auf SPIEGEL ONLINE geben stets ausschließlich die Meinung des jeweiligen Autors, der jeweiligen Autorin wieder, nicht die der gesamten Redaktion. Bei SPIEGEL ONLINE arbeiten mehr als 160 Redakteure, und in etwa genauso viele Meinungen gibt es zu jedem Thema. Wir finden das gut: zu debattieren, konstruktiv zu streiten, Haltungen zu entwickeln. Wir bemühen uns um Pluralität. Es gilt: Ein Kommentar verträgt Einseitigkeit, die Auswahl der Kommentatoren braucht Pluralität.

Bei ausgewiesenen Meinungstexten scheint eine klare Trennung also machbar - aber wie steht es um die ganz normalen Berichte auf SPIEGEL ONLINE? In der Redaktion unterscheiden wir zwischen Meldungen und Autorenstücken. Meldungen sind mit einem Namenskürzel am Ende des Textes gezeichnet und vermerken jeweils die Quellen, meist basieren sie auf Informationen von Nachrichtenagenturen. Hier zählen ausschließlich die Fakten. Autorenartikel sind mit vollem Namen gekennzeichnete Texte. Hier fließen die Expertise und die Einschätzungen der Kollegen ein, beispielsweise in Form einer Analyse oder einer Reportage.

Dass dabei Fehler geschehen, ist unvermeidbar. Dass wir in der Redaktion beim Redigat und der Faktenprüfung der Texte alles tun, sie zu vermeiden, ist unser Auftrag. Dass wir Fehler transparent korrigieren, halten wir für selbstverständlich.

Meinung darf anecken, verärgern, provozieren. Nur beliebig sein darf sie nicht.

Wir freuen uns auf gemeinsame Debatten.

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