27.05.2014

ChronikDie deutsche Revolution und ihr Ende

12. September 1847

Offenburger Programm der Demokraten: Sie verlangen politische Freiheiten und Garantien der Menschenrechte.

12. Februar 1848

In Badens Landtag fordert der Abgeordnete Bassermann ein nationales Parlament.

21. Februar 1848

Pariser Revolution und zweite französische Republik.

27. Februar 1848

In einer Mannheimer Versammlung werden erstmals vier Dinge verlangt, die umgehend in Deutschland als "Märzforderungen" kursieren: Volksbewaffnung, Pressefreiheit, Schwurgerichte, nationales Parlament.

5. März 1848

Heidelberger Versammlung: Aufruf zur Vorbereitung einer Nationalversammlung ("Vorparlament").

6. März 1848

Demonstrationen und Straßenkämpfe in München. König Ludwig I., wegen der Affäre mit der Tänzerin Lola Montez schwer unter Druck, verspricht Reformen, muss aber am 20. März abdanken.

13. März 1848

Aufstand in Wien. Kanzler Metternich, Architekt des Ancien Régime und Verkörperung der Autokratie, flieht.

18. März 1848

Opferreicher Barrikadenaufstand in Berlin gegen preußisches Militär; widerwillig gibt Friedrich Wilhelm IV. Befehl zum Rückzug der Armee.

21. März 1848

Im Aufruf "An mein Volk und die deutsche Nation" tritt Preußens König als schwarz-rot-goldener Patriot auf und verheißt die Erfüllung der liberalen "Märzforderungen".

30. März 1848

Beginn der Feindseligkeiten in Schleswig - das Herzogtum wird von Dänen wie Deutschen beansprucht.

31. März-3. April 1848

Das "Frankfurter Vorparlament" - eine aus regionalen Landtagen rekrutierte Honoratiorenversammlung von 574 Personen - verwirft den Antrag der Linken, sich nach dem Vorbild der französischen Nationalversammlung von 1789 als permanenter Exekutivausschuss der Volksbewegung zu konstituieren. Die Mehrheit beschließt, im Konsens mit den Fürsten im Gebiet des ganzen Deutschen Bundes Wahlen zu einer Nationalversammlung durchzuführen.

20.-27. April 1848

Vor allem am Mangel von Zulauf scheitert ein badischer Aufstand der republikanischen Linken. Geführt vom charismatischen Anwalt Friedrich Hecker, misstrauen diese allen Kompromissen mit den alten Herrschern.

1. Mai 1848

Wahlen zur deutschen Nationalversammlung in Frankfurt und zugleich zur preußischen Nationalversammlung in Berlin - nach dem allgemeinen (Männer-)Wahlrecht.

18. Mai 1848

Unter Glockengeläut und Freudenbekundungen ziehen 397 Abgeordnete in die Frankfurter Paulskirche ein. Ziel: Eine Verfassung für Freiheit und Einheit.

19. Mai 1848

Der liberale Adlige Heinrich von Gagern wird zum Präsidenten der Frankfurter Nationalversammlung gewählt.

26.-28. Mai 1848

Barrikadenkämpfe in Wien.

7. Juni 1848

Der beim Volk verhasste, im März nach England geflüchtete "Kartätschenprinz" Wilhelm - Bruder des Königs und später Kaiser Wilhelm I. - kehrt nach Berlin zurück: Die Reaktion erholt sich schnell.

17. Juni 1848

Nach dem "Slawenkongress" in Prag schlägt habsburgisches Militär den Aufstand tschechischer Demokraten und Nationalisten nieder.

29. Juni 1848

Die Frankfurter Nationalversammlung wählt den österreichischen Erzherzog Johann als "Reichsverweser" zum Haupt der Exekutive.

26. August 1848

Großbritannien und Russland zwingen Preußen im Krieg um Schleswig zum Waffenstillstand von Malmö. Die Frankfurter Nationalversammlung beklagt erst eine Preisgabe nationaler Interessen, stimmt dann aber unter Druck zu.

17.-18. September 1848

Die Wut über den Waffenstillstand von Malmö führt zum "Frankfurter Aufstand", bei dem zwei konservative, als Preußenfreunde verhasste Paulskirchen-Abgeordnete umgebracht werden. Preußische Truppen schlagen die Septemberunruhen nieder, die Nationalversammlung verliert viel Ansehen und Vertrauen im Volk.

21. September 1848

Gustav Struve ruft in Lörrach die "Deutsche Republik" aus. Doch der Freischärleraufstand, vom Volksmund als sogenannter Struwwelputsch verulkt, wird binnen Tagen von badischen Truppen niedergeschlagen, Struve gefangen genommen.

26.-31. Oktober 1848

Niederschlagung der Revolution in Wien unter Befehl des Generals Windisch-Graetz.

9. November 1848

Die Gegenrevolution triumphiert in beiden Führungsstaaten des Deutschen Bundes: In Wien wird der Paulskirchen-Abgeordnete Robert Blum ungeachtet seiner Immunität standrechtlich erschossen. Die Nationalversammlung in Berlin wird - Vorstadium ihrer Auflösung - in die Provinz verjagt.

12. November 1848

Verhängung des Belagerungszustandes über Berlin.

5. Dezember 1848

Auflösung der Preußischen Nationalversammlung; Oktroi einer Verfassung.

27. Dezember 1848

Die Frankfurter Nationalversammlung verabschiedet die "Grundrechte des deutschen Volkes".

2. März 1849

Die Nationalversammlung beschließt für die Reichsverfassung das allgemeine, gleiche und geheime Wahlrecht (für Männer ab 25).

4. März 1849

Auflösung des österreichischen Reichstags; Oktroi einer Verfassung.

28. März 1849

Die Paulskirchen-Versammlung verkündet die beschlossene Verfassung für das Deutsche Reich und wählt den preußischen König Friedrich Wilhelm IV. mit 290 Stimmen bei 248 Enthaltungen zum deutschen Kaiser.

3. April 1849

Preußens König empfängt eine Paulskirchen-Delegation, die ihm das Amt des Wahlkaisers förmlich anträgt. Er erbittet Bedenkzeit.

14. April 1849

Anerkennung der deutschen Reichsverfassung durch 28 der 39 Mitgliedstaaten des Deutschen Bundes.

28. April 1849

Friedrich Wilhelm IV. lehnt die Kaiserwürde ab. Für den überzeugten Vertreter des Gottesgnadentums handelt es sich um eine "Schweinkrone", wie er einmal sagt.

4. Mai 1849

Aufruf der Paulskirchenversammlung, die Reichsverfassung durchzusetzen.

Mai 1849

Aufstände für die Reichsverfassung in Sachsen, der Pfalz und Baden.

7. Mai 1849

Endgültige Ablehnung der Frankfurter Beschlüsse durch Preußens Regierung.

17. Mai 1849

Bildung einer provisorischen Revolutionsregierung in der Pfalz.

19. Mai 1849

Die badische Reichsverfassungskampagne beginnt.

30. Mai 1849

Abschaffung des allgemeinen Wahlrechts und Einführung des Dreiklassenwahlrechts in Preußen.

31. Mai 1849

Die geschrumpfte Frankfurter Nationalversammlung beschließt, in die Hauptstadt Württembergs umzuziehen, das die Reichsverfassung am 24. April anerkannt hat.

6. Juni 1849

Das "Stuttgarter Rumpfparlament" tritt zusammen.

13. Juni 1849

Preußische Truppen rollen die Pfalz auf, die noch für die Verfassung kämpft.

18. Juni 1849

Auflösung des Stuttgarter Rumpfparlamentes durch württembergisches Militär.

23. Juli 1849

Mit der Kapitulation der Festung Rastatt und der Hinrichtung zahlreicher revolutionärer Demokraten endet die Revolution. Das deutsche Bürgertum sucht sein Heil fortan nicht mehr im Kampf gegen die Obrigkeit, sondern in deren Schoß.

SPIEGEL GESCHICHTE 3/2014
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