25.11.2014

Gute Nachrichten

In vier verschiedenen Versionen erzählt das Neue Testament von Jesus. Wer hat die Evangelien überhaupt geschrieben?
Jesus von Nazaret hat nicht eine Zeile Schriftliches hinterlassen. Dass er dennoch ein so bekannter Mann wurde, verdankt er auch der Hilfe anderer.
Da wäre zum Beispiel der jüdisch-römische Historiker Josephus Flavius, geboren wohl 37 oder 38 n. Chr. Er widmet dem "weisen Mann" Jesus in seinem Geschichtswerk "Jüdische Altertümer" einen Absatz. Jesus sei der "Vollbringer ganz unglaublicher Taten" gewesen. "Und obgleich ihn Pilatus auf Betreiben der Vornehmsten unseres Volkes zum Kreuzestod verurteilte, wurden doch seine früheren Anhänger ihm nicht untreu", heißt es bei Josephus. "Und noch bis zum heutigen Tag besteht das Volk der Christen fort."
Auch andere römische Historiker berichten von Jesus. Für Sueton ist er ein Unruhestifter, der die Juden aufhetzt. Tacitus schreibt in seinen "Annalen" voller Abscheu über die Christen: Ihr Anführer sei zwar unter Tiberius hingerichtet und seine Lehre "für den Augenblick" unterdrückt worden. Doch sei der "unheilvolle Aberglaube" schon bald wieder hervorgetreten: "Nicht nur in Judäa, dem Ursprungsland dieses Übels, sondern auch in Rom, wo aus der ganzen Welt alle Gräuel und Scheußlichkeiten zusammenströmen und gefeiert werden."
Tacitus' Bericht über den Anführer der Christen gilt - gerade weil er so ablehnend ist - als wichtiger Beleg dafür, dass es Jesus wirklich gegeben haben muss. Wäre er lediglich eine Sagengestalt gewesen, dann hätte sich der Historiker nicht so aufgeregt, argumentieren Bibelwissenschaftler.
Fest steht, dass das Christentum schon zu Zeiten des Tacitus nicht bloß ein lokaler Sektenglaube war - weil die frühen Anhänger Jesu unermüdlich missionierten. Am eifrigsten wirkte Paulus (siehe Seite 80): Seine Briefe an die Gemeinden in Rom, Korinth und anderswo sind die wohl frühesten Aussagen über Jesus im Neuen Testament.
Doch Paulus konzentrierte sich auf den Tod und die Auferstehung Jesu, andere sammelten und verbreiteten Geschichten über seine Geburt im Stall zu Betlehem, seine Wunderheilungen in Galiläa, seine Totenerweckungen, den Gang über das Wasser, die Speisung der 5000, seine Predigten und Gleichnisse und schließlich den qualvollen Kreuzestod und die Auferstehung.
Das wurde zunächst nur mündlich kolportiert, aber mit wachsendem zeitlichem Abstand auch auf Papyrus festgehalten.
Diese Überlieferungen zu Jesu Leben und Leiden gingen später in die Evangelien ein. Das Wort stammte ursprünglich aus dem Griechischen und ließ sich schlicht als "gute Nachricht" übersetzen. Doch im christlichen Gebrauch wurde daraus die Verkündigung des Heils.
Es gibt über 50 Evangelien insgesamt. Aber nur vier haben es in das Neue Testament geschafft: Die Evangelien nach Matthäus, Markus, Lukas und Johannes. Sie erzählen von Jesus als dem Sohn Gottes, von seinem Leben und Wirken. Aber nicht nur das: Sie wollen Friedens- und Heilsbotschaft sein, der spirituellen Erbauung und der moralischen Belehrung dienen. Ausdrücklich sollen sie im Leser oder Zuhörer den Glauben an Jesus als von Gott gesandten Messias wecken. Für das christliche Selbstverständnis ist diese Botschaft von zentraler Bedeutung.
Dass sich die vier Berichte inhaltlich überschneiden, ist kein Wunder. Besonders die ersten drei ähneln einander so stark, dass man sie "synoptische Evangelien" genannt hat, weil sie in der Zusammenschau, einander ergänzend, gelesen werden können. Das Johannes-Werk sticht hingegen in Stil und intellektuellem Anspruch davon erheblich ab.
Trotz der Übereinstimmungen findet sich in den Berichten auch Widersprüchliches. Starb Jesus nun an einem Donnerstag oder Freitag am Kreuz? Diese Frage ist noch eine der trivialeren. Wie kam es zu solchen Unstimmigkeiten? Und warum überhaupt mehrere Berichte, wenn ein ausführlicher doch genügt hätte?
Als die Evangelien entstanden, war das Christentum eine Religion im Werden, die einzelnen Gemeinden noch ohne zusammenhängende kirchliche Organisation. Politisch herrschte Krisenstimmung in Palästina. Im Jahr 66 n. Chr. hatten sich die Juden gegen die römischen Besatzer erhoben. Das Imperium schlug mit aller Gewalt zurück. Der Tempel lag in Trümmern. Heute ist in Jerusalem allein die Klagemauer, der Rest eines Stützwerks, erhalten.
Seit dem Ende des erbitterten Jüdischen Krieges stand die Metropole unter strenger Beobachtung der Römer. Den jungen christlichen Gemeinden begegneten die Landesherren ebenso argwöhnisch wie den Juden: Beide Religionen waren nicht bereit, den Kaiser als Gott zu verehren. Aber auch innerhalb der Gemeinden herrschte Unruhe. Der junge Glaube, ohnehin Sache einer Minderheit, drohte zu zersplittern und in Sekten zu zerfallen.

MARKUS

In dieser Situation erzählt etwa um das Jahr 70 ein Mann die Jesus-Geschichte. Erst deutlich später berichtet Bischof Papias von Hierapolis, der Mann sei Johannes Markus gewesen, der Dolmetscher des Apostels Petrus - eine schöne, aber wenig glaubhafte Legende. Wer der Evangelist wirklich war, ist - wie auch bei seinen Kollegen - nicht zu klären. Er schrieb Griechisch; manche Forscher glauben, dass er kein konvertierter Jude, sondern ein zum Christentum übergetretener Heide war.
Markus will seine Umwelt davon überzeugen, dass mit Jesus der Messias in die Welt getreten ist: Er beginnt sein Evangelium mit Johannes dem Täufer, den er als Wegbereiter sieht. Dann folgt die Schilderung der Wanderung durch Galiläa. Die Wunder, die Jesus in dieser Zeit vollbringt, sind für Markus Zeichen seiner Gottesnähe.
Die Macht Jesu, Dämonen auszutreiben, Krankheiten zu heilen und andere übernatürliche Großtaten zu vollbringen, macht ihn als Sohn des Höchsten glaubhaft - weckt aber auch den Argwohn der jüdischen Geistlichen. Durch seine bloße Existenz fühlen sie sich in ihrer Stellung herausgefordert, verständlicherweise. Obendrein brüskiert er sie. "Nehmt euch in Acht vor den Schriftgelehrten!", lässt Markus seinen Jesus sagen. "Sie gehen gern in langen Gewändern umher, lieben es, wenn man sie grüßt, und sie wollen in der Synagoge die vordersten Sitze."
Kein Wunder also, dass man dem Unruhestifter nach dem Leben trachtet. Durch seine Auferstehung nach dem Tod am Kreuz offenbart sich Jesus dann als Sohn Gottes, der leidet, um die Menschheit zu erlösen. In einem später hinzugefügten Zusatz schwört der Auferstandene seine Jünger darauf ein, den neuen Glauben zu verbreiten: "Geht hinaus in die ganze Welt und verkündet das Evangelium allen Geschöpfen! Wer glaubt und sich taufen lässt, wird gerettet; wer aber nicht glaubt, wird verdammt werden."

MATTHÄUS

Die nachösterliche Erzählung bei Markus fasst nur zusammen, was andere Evangelisten wie Matthäus berichten. Dessen Evangelium steht in der Bibel, obwohl es jünger ist, vor dem Markus-Text.
Die meisten Neutestamentler sind sich seit Langem sicher, dass Matthäus über weite Strecken fast wörtlich bei Markus abgeschrieben hat. Zusätzlich wertete der Evangelist die sogenannte Logienquelle aus, ein anonymes Sammelsurium von Jesus-Sprüchen, Weisheiten und Geschichten. Sie ist nicht erhalten.
Auch die Suche nach dem Autor dieses Evangeliums führt in historisches Dickicht. Nach altkirchlicher Überlieferung war der Verfasser der Apostel Matthäus, ehemals Zöllner von Kafarnaum. In jenem Fischerdorf am See Genezareth hielt sich Jesus häufiger auf. Dort traf er den Zöllner Matthäus. Er und sein Berufsstand hatten unter Zeitgenossen einen schlechten Leumund, sie waren Handlanger der Römer. Jesus bekehrt nun den Matthäus und nimmt ihn auf in die Schar seiner Jünger.
Wäre dieser Matthäus also wirklich der Autor des Evangeliums, würde das der Schrift eine ganz besondere Jesus-Nähe verleihen - doch wieder bleibt es bei der Legende. Der Verfasser dieses Evangeliums kann, wie schon bei Markus, nicht identifiziert werden.
Gut erkennbar hingegen ist, worauf es dem Autor des Matthäusevangeliums ankam. Große Mühe etwa verwendete er darauf, Jesu Stammbaum bis auf Abraham zurückzuführen. Damit sollte dem christlichen Gottessohn wohl unter Juden eine hohe Legitimität verliehen werden. Er ist bei Matthäus der Messias, den die jüdische heilige Schrift dem Volk Israel versprochen hatte.
Anscheinend wollte der Matthäus-Verfasser seinen Lesern eine Art Kompendium zu Jesus und dessen Lehren an die Hand geben. Als einziger Evangelist fasst er die Sprüche Jesu zur "Bergpredigt" zusammen. Darin legt Jesus wie ein guter jüdischer Schriftgelehrter den schon in der Tora festgehaltenen Willen Gottes neu aus und gießt ihn in verbindliche Regeln. "Als Jesus die vielen Menschen sah, stieg er auf einen Berg", heißt es bei Matthäus. "Dann begann er zu reden und lehrte sie: Selig, die arm sind vor Gott", oder: "Selig, die keine Gewalt anwenden, denn sie werden das Land erben."
Etliche Gebote fasst Jesus dabei strenger als das im Alten Testament enthaltene jüdische Gesetz. Zum Beispiel: Du sollst nicht töten. "Ich aber sage euch: jeder, der seinem Bruder auch nur zürnt, soll dem Gericht verfallen sein." Nicht nur Ehebruch ist nach der Bergpredigt verboten, sondern sogar "eine Frau auch nur lüstern anzusehen". Gipfel der neuen Moralität: Jesus predigt vom Berge nicht nur die Nächstenliebe, sondern sogar die Feindesliebe.
Ganz nebenbei diktiert er der Christenheit noch ihr wichtigstes Gebet, das Vaterunser. Matthäus beschließt seine Erzählung mit der Auferstehung: "Plötzlich kam ihnen Jesus entgegen und sagte: Seid gegrüßt." Der Auferstandene befiehlt den Aposteln, die Welt zu missionieren und gibt ihnen Sicherheit: "Seid gewiss: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt."

LUKAS

Matthäus - oder wie immer er hieß - schrieb etwa im Jahr 80 nach der Geburt seines Helden. Kaum später wurde auch Lukas tätig. Wieder ist nicht zu klären, wer sich hinter dem Namen verbirgt. Sicher ist nur: Er war ein hochgebildeter Mann, vertraut mit Formen und Stilmitteln der antiken Geschichtsschreibung, denn er wendet sich an ein anspruchsvolles Publikum und müht sich um historische Sorgfalt. Das verleiht seinem Evangelium den Ton eines Tatsachenberichts.
Den Anfang macht allerdings die gedrechselte Vorrede an einen gewissen Theophilus ("Gottesfreund" - bekannt ist über ihn nichts), dem er das Werk widmet. Darin zeigt Lukas sich konkurrenzbewusst: "Schon viele haben es unternommen, einen Bericht über all das abzufassen, was sich unter uns ereignet und erfüllt hat." Auch er schicke sich nun an, "allem von Grund auf sorgfältig nachzugehen", damit der liebe Theophilus sich von der "Zuverlässigkeit der Lehre" überzeugen könne.
Auch Lukas hat Markus und die Logienquelle verwendet. Sein Stil jedoch wirkt gemessen an den Vorgängern modern. Seine Botschaft ist auch: Jesus war ein milder Lehrmeister, nachsichtig gegenüber Sündern, gütig zu Armen und Ausgestoßenen.
Lukas überliefert aber als Einziger das Gleichnis vom barmherzigen Samariter: Ein Mann wird von Räubern überfallen. Sie verprügeln ihn und lassen ihn halbtot am Wegesrand liegen. Mehrere Passanten gehen vorbei und helfen nicht. Erst ein Samariter erbarmt sich, gießt "Öl und Wein" auf die Wunden, schafft den Überfallenen in ein Gasthaus und bezahlt dem Wirt gar noch zwei Denare, damit er dem Kranken wieder auf die Beine hilft. "Dann geh und handle genauso!", gebietet Jesus seinen Jüngern.
Für Lukas ist Jesus der Heiland der Verlorenen. Im Leben und im Sterben zeigt er, wie die Menschen sich gut und richtig zu verhalten haben. Deshalb finden sich im Lukasevangelium auch eine Menge leicht fasslicher moralischer Maximen.
Kompromisslos beharrt Jesus auf der Pflicht zur Vergebung: "Und wenn er sich siebenmal am Tag gegen dich versündigt und siebenmal wieder zu dir kommt und sagt: Ich will mich ändern, so sollst du ihm vergeben." So bittet der Lukas-Jesus selbst am Kreuz noch für seine Henker: "Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun."

JOHANNES

In Sprache und Struktur ganz anders kommt das Johannesevangelium da-her. Der Name weist auf den Apostel Johannes hin, den "Jünger, den Jesus liebte". Doch ist auch dies eine spätere Zuschreibung, die keiner historischen Prüfung standhält.
Das Johannesevangelium entstand nach Ansicht der meisten Experten um das Jahr 100, wahrscheinlich in einem langen Schaffensprozess. Seine Autoren kannten mit ziemlicher Sicherheit die Werke der anderen Evangelisten.
Von vornherein wählt Johannes eine andere Tonart: sprachlich pompös, ins Kryptische tendierend. Im Vorspann heißt es: "Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott." Nun komme durch das Evangelium "das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet", in die Welt.
Der Text des Johannes will nicht, wie anscheinend Lukas, Jesus als historische Person porträtieren. Er will nicht wie Markus durch Wundertaten zum Glauben locken. Ihm geht es auch weniger als Matthäus um konkrete Morallehren. Im Mittelpunkt steht die spirituelle Erbauung, die Meditation. Für Johannes ist die Geschichte von Jesus Christus ein mythischer Vorgang: Jesus war schon vor seiner Geburt als Mensch Teil der himmlischen Welt und kehrt, nachdem sein Werk vollbracht ist, zu Gott zurück.
Zum ersten Mal offenbart sich der Gesandte Gottes ausgerechnet, indem er eine Hochzeitsfeier vor einem verfrühten Ende bewahrt. Den Feiernden war der Wein ausgegangen. "Jesus sagte zu den Dienern: Füllt die Krüge mit Wasser! Und sie füllten sie bis zum Rand. Er sagte zu ihnen: Schöpft jetzt und bringt es dem, der für das Festmahl verantwortlich ist. Sie brachten es ihm. Er kostete das Wasser, das zu Wein geworden war."
Auffällig im Johannesevangelium ist auch, dass Jesus während des Abschiedsmahles vor seinem Tod den Jüngern die Füße wäscht. Jesus legt sein Gewand ab und umgürtet sich mit einem Leinentuch. "Du, Herr, willst mir die Füße waschen?", fragt irritiert der Jünger Simon Petrus. Jesus antwortet: "Wenn ich dich nicht wasche, hast du keinen Anteil an mir." Noch vor der Kreuzigung nimmt Jesus hier sein Opfer vorweg. Durch seine scheinbar unterwürfige Geste spendet er seinen Jüngern Reinheit, lässt sie an sei-ner Göttlichkeit teilhaben. Die Fußwaschung symbolisiert eine Art Erlösung, glauben Theologen.
Als Jesus dann vor Roms Statthalter Pilatus steht, fragt ihn dieser: "Bist du der König der Juden?" Bei Matthäus antwortet Jesus: "Du sagst es." Bei Johannes dagegen sagt er zunächst: "Mein Königtum ist nicht von dieser Welt." Er sei in die Welt gekommen, um von der Wahrheit zu künden. "Jeder, der aus der Wahrheit ist, hört auf meine Stimme." Johannes' Pilatus hat daraufhin Skrupel, ja er weigert sich zunächst, diesen offensichtlichen Ausnahmemenschen ohne Grund töten zu lassen. Doch schließlich beugt er sich dem Druck jüdischer Priester und übergibt Jesus den Henkern - man kann das als Indiz einer gewissen Judenfeindschaft des Johannes lesen.
Später lässt Jesus seinen Jüngern durch Maria aus Magdala von seiner Auferstehung erzählen: "Ich gehe hinauf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott." Diese Verbindung von Gottvater und Menschensohn ist für Johannes entscheidend.

WIDERSPRÜCHE

Weshalb hat die frühchristliche Kirche die vier Versionen vom Leben und Wirken Jesu in ihren Textkanon aufgenommen? Warum nahm sie große Überschneidungen, ja sogar erhebliche Widersprüche und Unklarheiten in Kauf?
"Wenn der Heilige Geist seine Interpreten nicht zu einer vollkommenen Gleichförmigkeit im Detail gelangen ließ, dann heißt das, dass er einer solchen materiellen Exaktheit keine Bedeutung für den Glauben zuweist, ja noch mehr, dass er diese Verschiedenheit im Zeugnis will", schreiben die Kommentatoren der "Neuen Jerusalemer Bibel" zur modernen deutschen Einheitsübersetzung.
Das ist fromm formuliert - aber auch nüchternere Bibelwissenschaftler glauben heute, dass die Vielzahl der Evangelien der Botschaft eher nützt: Jedes bringt die Botschaft von Jesus einem eigenen Publikum nahe.
Markus spricht vor allem Heiden an, er erfüllt das Bedürfnis nach sagenhaften Geschichten. Matthäus richtet sich eher an gerade oder noch nicht konvertierte Juden: Er liefert Lehrsätze für alle, die moralische Anleitung im Leben suchen. Lukas tut das alles auch. Zusätzlich aber schildert er Jesus wie ein zeitgenössischer Geschichtsschreiber und verleiht seinem Evangelium auf diese Weise den Anschein einer besonderen Zuverlässigkeit. Sein Jesus ist gütig, ein Heiland der Ausgestoßenen. Und für vergeistigte Intellektuelle hält das Johannesevangelium anspruchsvollen Lesestoff bereit.
Gerade in der Wahlmöglichkeit liegt also die Stärke der kanonischen Evangelien-Überlieferung. Ist die Vielfalt gar Programm? Der letzte Evangelist jedenfalls hält die Überlieferung für Ergänzungen ausdrücklich offen. Johannes sagt im Nachwort seines Werkes: "Es gibt aber noch vieles andere, was Jesus getan hat. Wenn man alles aufschreiben wollte, so könnte, wie ich glaube, die ganze Welt die Bücher nicht fassen, die man schreiben müsste." ■
Von Jan Puhl

SPIEGEL GESCHICHTE 6/2014
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