28.07.2009

CHRONIK 1800-1900DIE ENTFESSELUNG DES GELDES

1800
Frankreich bekommt eine Nationalbank - mehr als hundert Jahre nach England und Schweden.
1815
Nach dem Wiener Kongress zerfällt Deutschland in 35 Fürstenstaaten und 4 freie Reichsstädte mit weitgehender Souveränität - und einer wirren Vielfalt von Münzen.
1820
Die Frankfurter Bundesversammlung erhält viele Vorschläge zur Vereinheitlichung des Münzwesens in Deutschland. Flugschriften fordern dasselbe.
1825/26
Binnen eines Jahres brechen in England während einer großen Finanzkrise 60 Banken zusammen.
1832
In Großbritannien wird die Todesstrafe für Geldfälscher in lebenslange Haft umgewandelt. Im Verlauf von 30 Jahren sind bis dahin über 600 Fälscher gehängt worden. Auch in deutschen Staaten wird das Strafmaß für Fälscher allmählich gemildert.
1834
Der Vertrag zum Deutschen Zollverein verpflichtet die Unterzeichnerstaaten, eine Vereinheitlichung ihrer Maß- und Münzsysteme anzustreben.
1838
Eine Münzkonferenz der Zollvereinsstaaten beschließt im Deutschen Bund ein norddeutsches Taler- und ein süddeutsches Guldengebiet.
1841
Thomas Cook eröffnet das Zeitalter der Pauschalreisen mit einem Vergnügungszug von Leicester nach Loughborough. Tee und Schinkenbrote sind im Reisepreis inbegriffen. Schon sind Cook-Reisende mit Hotelcoupons und "Circular Notes" - frühen Reiseschecks - unterwegs.
1848
Wirtschaftskrise und Kapitalknappheit führen im Revolutionsjahr dazu, dass einige deutsche Staaten Papiergeld ausgeben.
1849
Hermann Schulze-Delitzsch und Friedrich Wilhelm Raiffeisen gründen die ersten deutschen Kreditgenossenschaften. Binnen 30 Jahren werden daraus wegen stark wachsender Nachfrage 1000 Institute.
1852
Die Brüder Péreire gründen in Paris den Crédit Mobilier, eine Bürgerbank unter staatlicher Aufsicht. Sie ist eine Vorläuferin europäischer Aktienbanken.
1866
Im Deutschen Bund gibt es jetzt 59 Notenbanken. Deren Noten kursieren statt eines einheitlichen Staats-Papiergelds.
1867
Durch die Währungsvielfalt begünstigt, erreicht die Geldfälschung einen Gipfel. Eine neue Zeitschrift, die Fälschungsmethoden beschreibt und Falsifikate zeigt, ist sehr gefragt.
1871
Nach der Gründung des Deutschen Reichs wird das Geld- und Kreditwesen vereinheitlicht. Gesetzliches Zahlungsmittel, auf Goldbasis, ist die Markwährung.
1873
Eine riesige Spekulationswelle treibt viele Aktiengesellschaften und Banken in den Ruin. Das Kapital ist international so stark verflochten, dass kaum ein entwickeltes Land der Krise entgeht.
1875
Gründung der Reichsbank als Vorläufer der Bundesbank. Sie regelt den Geldumlauf im Reichsgebiet.
1878
Auf der internationalen Münzkonferenz von Paris wird gefordert, Silber und Gold als Doppelwährung einzuführen ("Bimetallismus"), da weltweit zu wenig Gold gefördert werde.
1886
Nachdem die Städtische Sparkasse Mülheim an der Ruhr die Einführung des Scheckverkehrs beantragt hat, lehnt Preußen das Zahlungsmittel Scheck, das in England und Amerika schon weit verbreitet ist, per Erlass generell ab. Erst 1908 wird ein Scheckgesetz den bargeldlosen Zahlungsverkehr in Deutschland erlauben.
1891
Am 5. August akzeptiert das Leipziger Hotel "Hauffe" erstmals den Reisescheck eines Amerikaners.
1900
Die USA erklären den Goldstandard offiziell zur Währungseinheit ("Gold-Standard-Act").

SPIEGEL GESCHICHTE 4/2009
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