31.05.2011

HAUSMITTEILUNG

Wann der Siedepunkt erreicht ist, der zum Ausbruch einer Revolution führt, lässt sich nicht im Voraus errechnen. In Tunesien, in Ägypten, in Libyen und in Bahrain entlud sich im Frühjahr 2011 die lange angestaute Wut über Regierungsversagen und fehlende Demokratie in Volksaufständen, deren Druckwelle fast die gesamte arabische Welt erfasste. Junge Araber, die per Facebook längst mit Freunden in Paris, London und New York vernetzt sind, waren in den Nachrichten zu sehen; das Bild eines neuen Arabien leuchtete plötzlich am Horizont. Wie tiefgreifend ist diese Zeitenwende, und wie erklärt sie sich aus der Vergangenheit? Dieses Heft blickt zurück in die fast 3000-jährige Geschichte der arabischen Völker, beleuchtet die Ursprünge und die historische Glanzzeit, analysiert den Niedergang und die Jahre der Fremdherrschaft ebenso wie die verpassten Chancen der Neuordnung nach 1945.
Ägyptens Despot Husni Mubarak wurde verjagt wie vor ihm der tunesische Autokrat Zine el-Abidine Ben Ali. Wie die Revolution seine Landsleute verändert hat, schildert der ägyptische Erfolgsautor und Regimekritiker Alaa al-Aswani in Kairo im Gespräch mit den SPIEGEL-Redakteuren Volkhard Windfuhr und Annette Großbongardt, die dieses Heft konzipiert hat. "Demokratie ist kein plötzliches Paradies", warnt Aswani und beschreibt auch die Mühen des Wandels (Seite 106). Wie offen der Ausgang der Entwicklung ist, zeigte sich zuletzt vor allem in Syrien und Libyen, wo die Regime brutal zurückschlugen, um ihre Macht zu retten. Als dieses Heft am 19. Mai in Druck ging, geriet der arabische Aufbruch gerade ins Stocken.
Wie der Sultan des Oman sein Volk subtil, aber effektiv kontrolliert, erfuhr SPIEGEL-Korrespondentin Juliane von Mittelstaedt in dem Wüstenstaat, der als eine Insel der Seligen in Arabien gilt. Sie wurde vom Geheimdienst verhört, musste aus ihren Notizen vorlesen. Dann riet man ihr: "Sprechen Sie nicht mit Men-schen auf der Straße." Sie tat es natürlich dennoch (Seite 134). Alexander Smoltczyk schaute hinter die Glitzerwelt von Dubai und Abu Dhabi, wo er seit 2010 lebt und sich noch immer fragt: "Was ist echt, was ist künstlich?" (Seite 128). Helene Zuber recherchierte in Marokko, wie sich das Land unter dem "Reformkönig" Mohammed VI. wirklich entwickelt (Seite 116).

SPIEGEL GESCHICHTE 3/2011
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