07.09.2006

Die unmögliche Mission

Nach dem Ende des Warschauer Paktes sollte niemand die USA je wieder gefährden. Unter dem Schock des 11. September wollte Präsident Bush ein abschreckendes Exempel statuieren. Doch der Sturz Saddam Husseins riss den Irak ins Chaos und zeigte die USA als verwundbare Weltmacht.
Die Soldaten aus dem texanischen Fort Hood haben einen schwierigen Auftrag. Wie alle anderen Einheiten der 4. Infanteriedivision soll das 1. Bataillon des 67. Panzerregiments im Großraum Bagdad für Ruhe und Frieden sorgen. Die GIs stünden dort, hat ihnen ihr Oberbefehlshaber George W. Bush mit auf den Weg gegeben, an der "zentralen Front" im weltweiten Krieg gegen den Terrorismus. Der Präsident hat recht. Vor allem in den Provinzen rund um die irakische Hauptstadt Bagdad beherrscht der Terror den Alltag. Die zerbombten Moscheen, welche die GIs auf ihren Patrouillen passieren, beweisen es ebenso wie die Leichen enthaupteter Iraker, die sie inzwischen immer wieder bergen müssen.
Aber George W. Bush hat ihnen auch etwas Entscheidendes verschwiegen: Die Gewalt, die niederzuzwingen sie ausgezogen sind, wird durch ihre Anwesenheit erst richtig angeheizt. Die Front, an der sie kämpfen, ist erst durch ihren Einmarsch entstanden.
Nichts als einen "vollständigen Sieg" wollte der amerikanische Präsident akzeptieren. Doch inzwischen geht es für die USA vor allem darum, so schnell wie möglich den Rückzug anzutreten, ohne ganz das Gesicht zu verlieren. Der Irak-Krieg droht für die einzig verbliebene Weltmacht zum Debakel zu werden. Schon fühlen sich manche an Vietnam erinnert, an jenes amerikanische Trauma, das über Jahrzehnte nicht vergehen wollte.
Für die texanischen GIs aus Fort Hood ist es momentan so etwas wie der dritte Krieg im Irak, den sie ausfechten. Am ersten waren die Soldaten nur ganz am Ende beteiligt. Es war jener Sturmlauf im März und April 2003, der für die US-Einheiten im Bereitstellungsraum Kuweit begann und sie in Eilmärschen, nur von einem Sandsturm unterbrochen, den Euphrat hinauf nach Norden führte, weit über Bagdad hinaus.
Dort verbrachten sie den Rest des Jahres und die ersten Monate des nächsten mit Patrouillen, auf denen wenig geschah. Die Suche nach Aufständischen war damals noch nicht sehr dringlich. Als "deadenders", als Leute, die noch nicht begriffen haben, dass ihre Zeit längst abgelaufen ist, hatte Verteidigungsminister Donald
* In Bagdad traktiert ein irakischer Dolmetscher der US-Truppen Plünderer mit Fußtritten.
Rumsfeld diese wenigen Vorboten des nächsten Kriegs damals geschmäht. Im April 2004 kehrten die GIs aus Fort Hood in ihre Heimatkasernen zurück.
Der zweite Krieg der Panzereinheit begann Ende 2005. Als sie diesen zweiten Marschbefehl für den Irak erhielten, war die Jagd auf Guerilleros bereits die wichtigste Aufgabe. 1000 Soldaten wurden etwa 50 Kilometer südlich von Bagdad stationiert, in dem bei US-Militärs berüchtigten Todesdreieck.
Hochburg des Widerstands war ein kleiner Ort namens Dschurf al-Sachr. Hier in der Nähe hatte sich früher das Hauptquartier der Medina-Division der Republikanischen Garden, Saddams einstiger Elitetruppe, befunden. Deren ehemalige Offiziere, durch einen Erlass der amerikanischen Besatzungsmacht arbeitslos geworden, boten den Aufständischen bereitwillig Unterschlupf und unterstützten deren Kampf.
Das Hauptquartier der Rebellen im fruchtbaren Euphrat-Tal lag auf einer Insel zwischen dem Fluss und einem Bewässerungskanal. Dort hatten die Aufständischen Tausende Granaten versteckt, Grundbausteine für die gefürchteten "improvised explosive devices" - jene selbstgebastelten Sprengsätze, welche die Besatzungsmacht das Fürchten lehrten. Auf ihrer Insel hatten sie aber auch ein eigenes Gericht installiert, das Kollaborateure zum Tode verurteilen und auch gleich hinrichten ließ. Immer häufiger entdeckten die GIs verstümmelte Körper in den umliegenden Sümpfen.
Den Krieg gegen die Rebellen packten die Texaner zunächst genauso an, wie es ihr Chef im Pentagon wünschte. Es ging darum, auf jeden Fall die Oberhand zu behalten.
Rumsfeld hatte erklärt: "Die Kernfrage lautet: Nehmen wir jeden Tag mehr Terroristen fest, töten mehr oder halten mehr von ihrem Vorhaben ab, als die Koran-Schulen und radikale Imame rekrutieren, ausbilden und losschicken können?" Und die Antwort auf diese Frage schlug sich in einer Doktrin nieder, an der die Amerikaner lange festhielten, viel zu lange: "kill and capture". Die Jagd auf die Terroristen provozierte Kollateralschäden.
Die Texaner preschten mit ihren Panzern auf die Rebelleninsel vor, traten die Türen ein, entdeckten riesige Waffenlager und sprengten Häuser in die Luft. Aufständische aber fanden sie nicht, die hatten sich längst verzogen. Und natürlich passierte auf solchen Jagden auch, was unweigerlich geschehen muss: Bei der Verfolgung Verdächtiger trafen Soldaten des 1. Bataillons nicht fliehende Gewalttäter, sondern - im schrecklichsten Fall - ein kleines Mädchen. Schreiend lief die Mutter auf die Soldaten zu, schwenkte in wüstem Schmerz das abgetrennte Bein ihrer Tochter hoch über ihrem Kopf, während das Mädchen vor den Augen der Soldaten verblutete. Mit Zwischenfällen wie diesem machte sich die Besatzungsmacht immer neue Feinde.
Unter dem unablässigen Ansturm der Amerikaner ließ der Terror der meist sunnitischen Aufständischen zwar etwas nach. Aber gleichzeitig begann, was man den dritten Krieg nennen könnte - der Rachefeldzug der einst von Saddam Hussein drangsalierten schiitischen Bevölkerungsmehrheit. Ein blutiger Kampf, der an schlechten Tagen von einem Bürgerkrieg nicht mehr zu unterscheiden war. Und gute Tage gab es kaum noch im Zweistromland.
Die Unterstützung seiner Landsleute für den Krieg im Irak hatte Präsident Bush da längst verloren. In Washington wurde schon fieberhaft nach einer Strategie für einen Rückzug gesucht. "Irakisierung" hieß von nun an die Devise. Die Verantwortung für die Befriedung des Landes sollte der Bagdader Regierung übergeben werden.
Auch die Panzertruppe aus Fort Hood arbeitet seither so eng wie möglich mit den neuen Sicherheitstruppen der Iraker zusammen. Doch die neue Strategie verhärtet die Fronten noch. Ein Grund ist, dass die nur notdürftig ausgebildeten irakischen Ordnungskräfte überwiegend Schiiten sind, ebenso wie die meisten der frisch angeworbenen Polizisten und Soldaten. Und sie alle hatten viele alte Rechnungen zu begleichen. Oft realisierten die Texaner viel zu spät, dass sie bei den gemeinsamen Patrouillefahrten mit ihren irakischen Zöglingen von den Schiiten nur dazu benutzt wurden, Jagd auf Sunniten zu machen.
Anders als zu Beginn der sunnitisch geprägten Rebellion hielt die religiöse Mehrheit im Lande nicht mehr still, sondern begann sich auf fürchterliche Weise zu rächen. Von den etwa 3000 irakischen Zivilisten, die Monat für Monat sterben, ist nur ein Teil Opfer von Bombenanschlägen der meist sunnitischen Aufständischen. Viele sind von schiitischen Milizen entführt und umgebracht worden. Jeden Tag werden Leichen sunnitischer Iraker gefunden. Manche wurden mit Bohrmaschinen zu Tode gequält, viele wurden grausam gefoltert.
In der Schiitenstadt Musajjib, etwa 15 Kilometer südlich von Dschurf al-Sachr, tauchten zu Anfang des Jahres plötzlich die schwarzgekleideten Kämpfer der "Armee des Mahdi" auf, der Miliz des radikalen Schiitenpredigers Muktatda al-Sadr. Fortan herrschte in Musajjib die Scharia in ihrer brutalsten Auslegung. Frauen wurden mit Batteriesäure übergossen, wenn auch nur ihre Fußknöchel unter der Kleidung hervorschauten.
Fassungslos beobachteten die GIs das Treiben von Sadrs moralischer Sturmtruppe. Mit großen Razzien konnten sie nichts mehr ausrichten. In ihrem dritten Krieg ist etwas gefragt, was bisher ihre Sache nicht war - diplomatisches Fingerspitzengefühl. Auf einmal müssen die Texaner Sitzungen von Scheichs und Imamen einberufen, um Schiiten und Sunniten zu bewegen, wieder miteinander zu reden.
Fast 500 000 Dollar kann das Bataillon für örtliche Wiederaufbauprojekte ausgeben, und die Soldaten würden gern Kleinkredite verteilen, damit wenigstens der Handel zwischen den verfeindeten islamischen Brüdern wieder in Schwung kommt. Doch die Händler in Dschurf al-Sachr und Musajjib sind zu ängstlich geworden, um sich auch nur ins Nachbardorf, ergo auf feindliches Gebiet zu wagen.
Mit Geld allein sind Angst und Misstrauen nicht zu vertreiben. Um Brücken zwischen den zutiefst verfeindeten Religionsgruppen zu bauen, braucht es vor allem Zeit, viel Zeit. Die GIs allerdings werden die kaum haben. Im November wird in den USA ein neuer Kongress gewählt, und die Republikaner, die in Senat und Repräsentantenhaus in der Mehrheit sind, müssen ihre Wähler davon überzeugen, dass ein Ende des unpopulären Krieges in Sicht ist.
Zwar versichert Präsident Bush immer wieder, dass amerikanische Innenpolitik kein Vorwand sein dürfe für einen allzu eiligen Abzug, und auch Verteidigungsminister Rumsfeld wehrt jedes Rückzugsgerücht mit dem empörten Satz ab: "Das wäre so, als ob wir das Nachkriegsdeutschland den Nazis zurückgegeben hätten."
Aber das sind nur Worte. In Wahrheit will das Pentagon diesen Krieg so schnell
wie möglich wieder loswerden. Bis zum Jahresende, so war geplant, sollte deshalb die Hälfte des Landes an örtliche Sicherheitskräfte übergeben werden. Von den US-Soldaten würden dann wohl nur noch weniger als 100 000 vor Ort bleiben. Doch inzwischen müssen die Amerikaner ihre Kräfte auf Bagdad konzentrieren und vielleicht weitere Soldaten dorthin schicken, um den Ausbruch eines Bürgerkriegs zu verhindern.
Drastisch zurückgefahren wird auch die Wiederaufbauhilfe für das geschundene Land. Im November 2003 bewilligte der US-Kongress 18,4 Milliarden Dollar, jetzt sind im nächsten Haushalt nur 1,5 Milliarden Dollar zusätzliche Aufbauhilfe angesetzt. Das war's. Dabei ist die Elektrizitätsversorgung weiterhin katastrophal. Bagdad, ohnehin eine Stadt der Angst, ist auch eine Stadt ohne Strom und zuverlässige Wasserbelieferung geworden. Und das bei Temperaturen von tagsüber mehr als 40 Grad. Eine Hölle, aus der sich die Besatzungsmacht offenbar lieber heute als morgen klammheimlich verabschieden will - frei nach der Devise, die der republikanische Senator George Aiken in den Sechzigern für das Ende des Vietnam-Kriegs empfohlen hatte: einfach den Sieg erklären und abhauen.
Mit den alten Tricks könnte auch das alte Trauma zurückkommen. Den siegreichen Feldzug von George Bush senior gegen Saddam Hussein Anfang der neunziger Jahre hatten die Amerikaner auch als Befreiung vom vietnamesischen Alptraum gefeiert. Nun könnte die Nation durch die Hybris des Sohnes erneut für Jahrzehnte von Selbstzweifeln gepeinigt werden - auch wenn beide Kriege nicht unbedingt zu vergleichen sind.
Im asiatischen Dschungelkrieg starben zwischen 1957 und 1975 rund drei Millionen Menschen, 58 000 US-Soldaten fielen. Im Irak liegt die Zahl der durch Soldaten Getöteten vermutlich weit unter 100 000. Bis Ende Juli waren 2600 GIs ums Leben gekommen.
Der Vietnam-Krieg war ein Volkskrieg gegen die amerikanischen Eindringliche, der Irak dagegen befindet sich auf dem Weg in den Bürgerkrieg, bei dem sich Sunniten und Schiiten gegenseitig zerfleischen und die Kurden als lachende Dritte Vorbereitungen treffen, sich aus dem multiethnischen Staat zu verabschieden. Das Zweistromland scheint sich wieder in jene drei osmanischen Provinzen aufzuspalten, aus denen die Kolonialmächte Großbritannien und Frankreich den Irak nach dem Ersten Weltkrieg zusammengefügt hatten.
Was den Waffengang im Irak dennoch zum neuen amerikanischen Trauma werden lässt, ist, dass er der Supermacht vielleicht noch deutlicher als Vietnam ihre Grenzen aufzeigt. Im Frühjahr hatte der Feldzug im Zweistromland bereits so lange gedauert wie der Korea-Krieg, seit Juli hält er länger an als Amerikas Engagement im Zweiten Weltkrieg.
Eine Datensammlung des angesehenen Washingtoner Brookings-Instituts beschreibt den Niedergang zwischen November 2003 und Mai 2006. Die Zahl der Aufständischen ist in dieser Zeit von 5000 auf 20 000 emporgeschnellt. Als Präsident Bush an Bord des Flugzeugträgers USS "Abraham Lincoln" 2003 voreilig das Ende der Hauptkampfhandlungen verkündet hatte, gab es jeden Tag fünf Anschläge, heute liegt die Zahl um hundert. Jeden Monat werden derzeit 250 Zusammenstöße zwischen Sunniten und Schiiten gezählt.
Auch die Kosten explodieren: 51 Milliarden Dollar hatte der Krieg im Jahre 2003 gekostet, dieses Jahr werden es über 100 Milliarden sein. Damit ist er, umgerechnet auf den heutigen Dollarkurs, teurer als der Vietnam-Krieg. Und unter Pentagon-Generälen ist die Besorgnis, der Irak-Krieg könne die Einsatzfähigkeit der Streitkräfte überfordern, so weit verbreitet, dass im vergangenen April gleich sechs Generäle den Rücktritt von Verteidigungsminister Rumsfeld forderten, kaum, dass sie in den Ruhestand gegangen waren.
Der Feldzug, der dem Nahen Osten Demokratie bringen sollte, wurde von einer kleinen Gruppe von Politikern - allesamt Zivilisten - in der Überzeugung durchgesetzt, dass den USA nach dem Ende des Kalten Krieges niemand mehr ernsthaft gefährlich werden könnte. Nach dem Schock des 11. September 2001 wollte die Gruppe ein für alle Mal klarmachen, dass jede Provokation ihres Landes hart bestraft werde.
Der Afghanistan-Krieg und der Sturz der Taliban konnten diesen Anspruch nicht erfüllen. Von Anfang an hatte Rumsfeld sich darüber beklagt, dass sich die Überlegenheit der Vereinigten Staaten am Hindukusch mangels bombardierbarer Ziele gar nicht beweisen lasse. Schon zwei Tage nach den Anschlägen von New York und Washington bat der Verteidigungsminister seine Offiziere erstmals um eine Aktualisierung der Kriegspläne zur Besetzung der Ölfelder im Süden des Irak.
Der sozialistische Block war zerfallen, China erst auf dem Wege zur Großmacht und Westeuropa peinlich-kleinlich zerstritten, da schien den Falken in der Bush-Regierung die Gelegenheit günstig, sich als unumschränkte Herren der Welt zu präsentieren. Als Großmacht, die den anderen ihre Interpretationen aufzwingen kann.
Gruselig fast das Erlebnis des amerikanischen Starreporters Ron Suskind, der ins Weiße Haus gerufen wurde, um sich eine Beschwerde über seine Berichterstattung anzuhören und stattdessen eine Lektion über den neuen Lauf der Welt erteilt bekam. Ein hochrangiger Mitarbeiter von George W. Bush klärte ihn auf, das Zeitalter, in dem Erkenntnisse durch die Beobachtung wahrnehmbarer Fakten gewonnen wurden, sei vorbei. So, beschied man Suskind im Weißen Haus, funktioniere die Welt nicht mehr.
"Wir sind jetzt ein Imperium", meinte der Bush-Vertraute, "und wenn wir handeln, schaffen wir unsere eigene Realität. Während ihr die noch studiert, handeln wir schon wieder und schaffen neue Realitäten." Das ist nicht nur höheres Absurdistan, das ist genau die Haltung, in der dieser Krieg entstand.
Es ist ein Krieg, der viele Väter hat. Vizepräsident Dick Cheney gehört mit Sicherheit dazu, Verteidigungsminister Rumsfeld auch. Der vielleicht eifrigste Fürsprecher des Marsches auf Bagdad war der ehemalige Vizeverteidigungsminister Paul Wolfowitz. Außerhalb der Regierung war es vor allem der Exil-Iraker Ahmed Tschalabi, dem es mit Charisma und Organisationstalent gelang, die wichtigsten Mitglieder der republikanischen Administration von der Notwendigkeit eines Waffengangs gegen Saddam zu überzeugen.
Jeder der Kriegsbefürworter hatte seine eigenen Gründe. Dick Cheney beispielsweise, der unter Bush senior Verteidigungsminister gewesen war, hatte sich im Irak-Krieg von 1991 noch gegen den Marsch auf Bagdad ausgesprochen. Saddam Hussein, so glaubte er damals, werde sich nach der Vertreibung der irakischen Besatzer aus Kuweit nicht mehr lange an der Macht halten können. Privat hatte er sogar darauf gewettet. Doch der Despot blieb, Cheney hatte sich verkalkuliert.
Deshalb schloss er sich schon während der Präsidentschaft von Bill Clinton einem Kreis einflussreicher Konservativer an, der öffentlich den Sturz des Bagdader Diktators forderte.
Als Vizepräsident hielt Cheney sich in den Planungsrunden für den Krieg weitgehend zurück, seinen Einfluss machte er in persönlichen Gesprächen mit dem Präsidenten geltend. Und auch Bush wusste seinen Stellvertreter bald geschickt einzusetzen. Immer wenn jemand gebraucht wurde, der für den Waffengang werben sollte, schickte er Cheney los. Für den stand, Realität hin oder her, stets fest, dass Saddam über Massenvernichtungswaffen verfügte und zu verschwinden hatte. Etwas anderes auch nur zu denken, grenzte für Bushs Vize an Vaterlandsverrat. General Brent Scowcroft, als Sicherheitsberater gemeinsam mit Cheney in der Regierung von Bush senior, gab jüngst zu Protokoll, er habe in dem ultrakonservativen Eiferer Cheney seinen alten Freund nicht mehr wiedererkannt.
Wolfowitz dagegen, das intellektuelle Haus-Genie des Pentagon, war der Mann des strategischen Überblicks, aber auch der einfachen Wahrheiten. Er war der Erste, der zugab, dass Saddams angebliche Massenvernichtungswaffen nur ein Vorwand waren, um den Amerikanern und, wenn möglich, dem Rest der Welt diesen Krieg zu verkaufen. Er war davon überzeugt, dass der Weltfrieden bedroht war. Der Nahe Osten habe sich zu einer Brutstätte des internationalen Terrorismus entwickelt. Durch die autokratischen Regime der Region, die wieder und wieder ihre Reformunfähigkeit unter Beweis gestellt hätten, durch den offenbar unlösbaren Konflikt zwischen Palästinensern und Israelis habe sich ein Klima der Gewalt gebildet, das sich in immer neuen Terroranschlägen und Dutzenden Selbstmordattentaten gegen Israelis verschärft und am 11. September 2001 seine grausigs-
te Frucht getragen hatte, lautete Wolfowitz' Analyse.
Saddam Hussein war danach das schwächste Glied in dieser Reihe von Entwicklungshemmnissen. Seine Beseitigung sollte neue Impulse in der ganzen Region freisetzen. Obwohl Wolfowitz vor allem in der zivilen Führungsetage des Pentagon viele Mitstreiter hatte, vertrat doch niemand die neokonservative Ideologie dieses Krieges so beredt wie er. Dabei sahen sich Wolfowitz und seine neokonservativen Mitstreiter vor allem als Missionare: Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion, die ihr Ahnherr Ronald Reagan totgerüstet hatte, stand jetzt eine neue heroische Tat an - Demokratie für eine Weltregion, die jahrhundertelang nur Unfreiheit gekannt hatte.
Der Exil-Iraker Tschalabi, ein wegen Betrugs verurteilter Banker, agierte mindestens so überzeugend wie die amerikanischen Neokonservativen. Er war es, der seine republikanischen Freunde mit Hilfe anderer Exil-Iraker von der Existenz der Massenvernichtungswaffen überzeugte. Er war es, der, verhängnisvoller noch, seinen Schutzherren im Pentagon einredete, dass die Iraker ihre Befreier mit Süßigkeiten und Blumen begrüßen würden; und er war es schließlich, der behauptete, dass für den Job, Saddam von der Macht zu vertreiben, eine Armee von nur wenigen zehntausend Kämpfern, Exil-Iraker zusammen mit US-Soldaten, benötigt würde. Es hätte die Washingtoner "Illusionisten", so das Team des späteren US-Botschafters im Irak, John Negroponte, auf den Boden der Wirklichkeit zurückholen müssen, dass ihre Allzweckwaffe Tschalabi nur 700 Exil-Iraker als Freiwillige rekrutieren konnte.
Anders als viele seiner Untergebenen war Pentagon-Chef Rumsfeld kein Neokon. Auch zu den Intellektuellen zählte er nicht. Rumsfeld kam aus der sehr national und eher isolationistisch geprägten Ecke der Konservativen. Die Vereinten Nationen, aber auch die Nato sind für ihn abschreckende Schwatzbuden. Wenn es für ihn ein Beispiel dafür gibt, wie ineffektiv militärische Operationen der internationalen Gemeinschaft sein können, dann ist es der Kosovo-Einsatz unter Bush-Vorgänger Clinton. Damals zankten sich die amerikanischen und die europäischen Partner erbittert, welches Belgrader Gebäude ein legitimes Angriffsziel darstellt und welches nicht.
Auch am Afghanistan-Krieg hatten nach Rumsfelds Geschmack zu viele Köche mitgewirkt, wenn auch immerhin nur amerikanische: die US-Geheimdienste, die er für ahnungslos hielt. Und nach dem Sturz der Taliban das State Department, der alte Widersacher des Pentagon.
Diesmal sollte alles anders werden, Rummy brauchte einen Krieg, weil er etwas zu beweisen hatte: Er wollte die Art revolutionieren, in der Amerikaner Krieg führen - nicht mehr und nicht weniger. Er wollte es seinen Generälen endlich mal zeigen.
Der Verteidigungsminister war davon überzeugt, dass die jüngsten Kriege vor allem eines bewiesen hatten: dass die USA schnell und in vergleichsweise kleinen Einheiten zuschlagen könnten und dass ihre Präzisionswaffen in der Lage seien, jeden Gegner entscheidend und aus sicherer Entfernung zu schwächen. Vor allem aber, dass die Aufmärsche Hunderttausender Soldaten, wie im ersten Feldzug gegen Saddam Hussein, ein Relikt aus Zeiten des Kalten Kriegs waren.
Rumsfelds Armee sollte "lean and mean" sein, kompakt und tödlich effizient. Sie würde zügig ihren Job erledigen und sich schnellstens zurückziehen. Das Geld, das durch die Verringerung der Streitkräfte eingespart werden würde, könnte das Pentagon woanders besser einsetzen, für einen weltraumgestützten Raketenabwehrschirm etwa oder andere Superwaffen.
Dieses Konzept im eigenen Haus durchzudrücken war allein schon eine kleine Revolution. Denn das Pentagon, das Rumsfeld übernommen hatte, war noch vom Geiste seines Vorgängers und politischen Gegenspielers Colin Powell beherrscht. Der hatte den Irak-Krieg für Bush senior mit dem Einsatz einer erdrückenden Übermacht von Soldaten gewonnen. Nichts konnte damals schiefgehen, für alle Eventualitäten gab es Planungen. Diesmal durfte nichts schiefgehen, weil sich niemand vorstellen konnte, dass etwas schiefgehen könnte.
Die Verkörperung dieses unerschütterlichen Optimismus war Rumsfeld. Wieder und wieder schickte er den Chefplaner des Feldzugs, General Tom Franks, zurück und verlangte, die Truppenstärke weiter zu reduzieren. In seinen ersten Aufmarschskizzen war Franks noch davon ausgegangen, er brauche 385 000 Soldaten, um den Irak zu erobern und zu besetzen. Offenbar aus dem blauen Dunst heraus hatte Rumsfeld ihm die Zahl von 125 000 entgegengehalten. Am Ende wurde eine Invasionsarmee von 150 000 Mann in Marsch gesetzt. Rumsfeld hatte sich gegen die Profis durchgesetzt.
Seine eigentlichen Militärberater, die Vereinigten Stabschefs, schaltete der Minister ziemlich weitgehend aus den Planungen aus. Die Militärs erschienen ihm zu unbeweglich. Jedes Problem im Pentagon, spottete Rumsfelds loyaler Mitarbeiter Steve Cambone, lasse sich leichter lösen, wenn man als ersten Schritt 50 Generäle erschösse.
Kriegsplaner Franks lieferte sich gelegentliche Schreiduelle mit seinem Chef und gab dann in der Regel doch klein bei. Rumsfeld war auch das nicht genug, er schickte ihm selbst loyal ergebene Zivilisten in Franks' Hauptquartier, als Aufpasser und Informanten ihres Herrn.
Sie stammten aus einer Pentagon-Abteilung, die wie keine zweite dafür verantwortlich ist, dass sich Amerikas Kriegsstrategen ihre eigene Realität schufen. Das Büro für Sonderplanungen unter der Leitung von Staatssekretär Douglas Feith war die heilige Inquisition des Pentagon: Dort erhielten die Aussagen der Exil-Iraker ihre eigentliche Bedeutung und wurden nicht durch die Relativierungen der Geheimdienste kleingeredet.
Dort wurde alles gesammelt, was ins Bild des neuen, schlagkräftigen Militärs passte. Wie Wachhunde sorgten die Pentagon-Aufseher dafür, dass kein Mitglied aus Powells State Department an den Kriegsvorbereitungen teilnehmen, geschweige denn mitentscheiden konnte. Im Bürokratiekrieg um den Aufmarsch am Golf blieb der Verteidigungsminister auf ganzer Linie Sieger.
Er bekam seinen minimalistischen Feldzug. Der brachte ihn zwar innerhalb von 21 Tagen nach Bagdad, aber auch nicht weiter. Schon im Juli 2002, fast ein Dreivierteljahr vor dem Einmarsch, hatte der britische Geheimdienstchef Sir Richard Dearlove in einem Memorandum gewarnt, dass es in Washington nur "sehr wenig Erörterungen über die Zeit nach der Militäraktion" gebe.
Bush und sein Verteidigungsminister glaubten fest daran, dass die irakische Diktatur nicht anders sei als die Diktaturen des Warschauer Paktes - ein kleiner Stoß würde genügen, und der ganze Spuk wäre vorbei. Bush senior hatte noch davon abgesehen, Saddam Hussein zu stürzen, weil er fürchtete, ein Zerfall des Vielvölkerstaates könnte den ganzen Nahen Osten in Flammen setzen. Bush junior ließ den Diktator verjagen - ohne sich über die Folgen überhaupt Gedanken gemacht zu haben. Es gab kaum Pläne für die Befriedung Bagdads, und was es gab, war Makulatur. Die US-Armee, die mit einem über 400 Seiten starken Buch voller Anweisungen und Verhaltensmaßregeln in das Nachkriegsdeutschland eingerückt war, kam völlig unvorbereitet in den Irak und sah fast tatenlos zu, wie sich nach dem Sturz Saddam Husseins das Chaos entfaltete. Schon damals hatten die US-Militärs darauf vertraut, irakische Streitkräfte und Polizisten einsetzen zu können, um Sicherheit und Ordnung zu gewährleisten. Die aber gab es nicht mehr. Unter dem Ansturm des US-Militärs waren sie nach Hause gegangen und hatten ihre Zivilkleidung aus den Schränken geholt.
So konnten weder Sieger noch Besiegte der Plünderungsorgie, die schon bald das Land erfasst hatte, irgendetwas entgegensetzen. Das Misstrauen, das diese Anarchie bei den Irakern auslöste, macht den US-Truppen bis heute zu schaffen. Die Befreier, so die ersten Erfahrungen der Bevölkerung, waren nicht einmal in der Lage, die minimalsten Dinge des täglichen Lebens zu garantieren. Strom gab es sogar in den Krankenhäusern nur, wenn Paul Bremer, der damals für den Wiederaufbau des Landes zuständig war, dort erschien, Kameras im Schlepptau, und Teddybären an kranke Kinder verteilte.
In dramatischer Verkennung der Lage hatte die US-Zivilverwaltung geglaubt, dass sich neue Sicherheitskräfte binnen Wochen aufbauen ließen. Nur wenige Tage nach seiner Ankunft hatte Bremer auch noch die Restbestände von Armee und Polizei nach Hause geschickt. Die Rebellion der Besiegten verfügte fortan über eine schier unerschöpfliche Reserve an Kämpfern.
Selbst als sich im eroberten Zweistromland die Anarchie ausbreitete, sah Washington darin die ermutigenden ersten Schritte zur Demokratie. Noch immer glaubten Amerikas Politiker nur an die Realität, die sie sich selbst geschaffen hatten. Anzeichen dafür, dass sie dabei waren, ihren schnellen Sieg zu verspielen, wurden geflissentlich übersehen.
Dabei trafen entsprechende Meldungen schon früh ein. Die neuen Herren im Land hatten eine Spezialeinheit mit dem Namen "Bagdad Moskito" eingerichtet, die die Stimmung einfangen und nach Washington übermitteln sollte. Auftragsgemäß meldete sie, dass die Unfähigkeit der Eroberer, die Lebensbedingungen der Menschen zu verbessern, dem amerikanischen Ansehen schade und den guten Willen zerstöre, den viele der Besiegten ihren Befreiern zunächst entgegengebracht hatten. Aber die Berichte waren den Regierenden lästig wie die Fliegen, je düsterer die Prognosen wurden, desto unglaubwürdiger erschienen sie in Washington.
Nach einer besonders pessimistischen Einschätzung seines Bagdader CIA-Stationschefs im Juli 2004 tobte Präsident Bush: "Ist der Kerl ein Defätist?" Erst jetzt, kurz bevor es endgültig zu spät ist, scheint den Verantwortlichen zu dämmern, wohin ihre Realitätsverweigerung führt. Nun versucht die Armee, die alten Fehler zu vermeiden, versucht die grässlichen Bilder von Abu Ghureib und die vielen Toten von Haditha vergessen zu machen. In einem Ethiktraining sollen die GIs während der Ausbildung lernen, wie sie Gewalt gegen Iraker vermeiden können.
Und wie früher zu Zeiten des Vietnam-Kriegs müssen US-Offiziere wieder einen Kurs in Anti-Guerilla-Kampf absolvieren. Das Pentagon lässt das Büchlein "Die Geschichte des modernen Irak" verteilen und sogar die "Sieben Säulen der
Weisheit", das große Werk des britischen Obersten und Arabisten Thomas E. Lawrence.
Seit Ende vergangenen Jahres gilt die Direktive 3000.05, in der Friedenserhaltung und Wiederaufbau im Zweifel Vorrang vor Kampfeinsätzen erhalten sollen. Wohl zur Gesichtswahrung hat nicht Rumsfeld, sondern sein Stellvertreter das Dokument unterzeichnet.
Nun endlich scheint sich auch in Washington herumgesprochen zu haben, dass die Wut über erlittene Demütigungen den Rebellen des nationalen Widerstands, von denen es im Irak weit mehr gibt als Qaida-Aktivisten, immer neue Kämpfer zutreibt. Vergeltung für stundenlanges Liegen im Staub, Rache für die Entehrungen der Frauen bei den Hausdurchsuchungen und für den Tod von Freunden, Verwandten. "Wir müssen kapieren, dass die Art, wie wir die Iraker behandeln, Einfluss darauf hat, wie viele Aufständische gegen uns kämpfen", warnt Peter Chiarelli, der Kommandeur des multinationalen Corps im Irak. Der US-General glaubt, dass ein Drittel aller Iraker denkt, die Amerikaner seien die größte Bedrohung für ihre Sicherheit.
Drei Tage nach den Anschlägen von New York und Washington hatte der amerikanische Präsident noch vollmundig erklärt, dass es Amerikas Aufgabe sei, "die Welt vom Bösen zu befreien". Und Rumsfeld hatte geprahlt, er könne "mit Bestimmtheit" behaupten, die Welt sei ein "besserer Ort geworden, seit die USA und ihre Verbündeten in den Irak einmarschiert sind".
Das Gegenteil ist der Fall. Der nach dem Afghanistan-Krieg schwer angeschlagenen Terrororganisation al-Qaida könnten die Amerikaner mit ihrem Irak-Abenteuer sogar den dringend benötigten Rettungsring zugeworfen haben.
Osama Bin Laden jedenfalls bedankte sich artig: Der Irak-Krieg, verbreitete der Terrorpate in einer Audio-Botschaft, sei eine "goldene Gelegenheit", um "den dritten Weltkrieg gegen Kreuzzügler und Zionisten zu beginnen".
Der ägyptische Qaida-Stratege Seif al-Adl behauptet sogar, es sei ein Ziel der Organisation gewesen, "die USA zu provozieren, um sie aus ihrem Versteck hervorzulocken", damit für alle sichtbar werde, dass sie gegen die Welt des Islam angetreten seien. In den Augen vieler Islamisten ist das im Irak-Krieg spektakulär gelungen.
Die Rebellen stärken sich an den Massakern, die sie selbst anrichten und die weder die Amerikaner noch die demokratisch gewählte Regierung der nationalen Einheit unter Premier Nuri al-Maliki verhindern können.
Für Dschihadisten aus aller Welt ist der Irak heute eine "Universität für Mord und Bombenbau", so der ehemalige Anti-Terror-Chef der CIA, Cofer Black.
Mit beispielloser Grausamkeit hat der jordanischstämmige Terrorist Abu Mussab al-Sarkawi westliche Geiseln enthauptet und seine sunnitischen Glaubensbrüder zum Bürgerkrieg gegen die Schiiten gedrängt.
Nun, nach dessen Tod, ruft Osama Bin Laden selbst zu Blutbädern unter den Schiiten auf. Nur wenn der bereits entbrannte Krieg zwischen den islamischen Brüdern gestoppt werden kann, hätte der Irak noch eine Zukunft als Nationalstaat.
Gut sind die Aussichten nicht: Am helllichten Tag zogen am zweiten Sonntag im Juli schiitische Milizionäre durch einen sunnitischen Stadtteil in West-Bagdad, zerrten ihre Opfer wahllos aus Häusern und Wagen, ließen sich die Ausweise zeigen. Wer den falschen Vornamen hatte und damit als Sunnit identifiziert war, wurde umstandslos erschossen. Tage später erschien auf einem meist von Schiiten besuchten Markt in Mahmudija, südlich von Bagdad, ein schwerbewaffneter Trupp von mutmaßlich sunnitischen Killern. Mit Sturmgewehren, schweren Maschinengewehren und Panzerfäusten nahmen sie die Passanten ins Visier: Etwa 50 Menschen starben, Dutzende wurden verletzt.
Während sich viele Iraker noch hermetischer in ihre Häuser einschlossen, versuchten andere das Unerklärliche zu erklären. Mitglieder der Mahdi-Armee seien auf dem Markt gewesen, schwört etwa Hamid Muhsin aus Mahmudija, deshalb hätten die sunnitischen Angreifer zu Recht gehandelt: "Die Mahdi-Armee hat den Religionskrieg begonnen, als die Amerikaner die Verantwortung für die Sicherheit den Irakern übergaben."
So wächst die Gefahr, dass der Irak in drei Regionen - Sunnistan, Schiistan und Kurdistan - zerfallen könnte, mit unabsehbaren Folgen für die ohnehin schon hochexplosive Region. Die Türken würden sich mit einer unabhängigen Kurdenrepublik nicht abfinden. Die Iraner würden darauf drängen, dass im Süden des Irak ein schiitischer Gottesstaat nach Teheraner Muster errichtet wird. Und die arabischen Nachbarländer schließlich würden kaum akzeptieren, dass für ihre sunnitischen Glaubensbrüder nur noch ein kaum überlebensfähiger Wüstenstaat ohne Ölreserven übrigbleibt.
In der CIA machen schon finstere Prognosen die Runde, nach denen die Blutfehde zwischen irakischen Sunniten und Schiiten auf Iran und Saudi-Arabien übergreifen könnte. Das wäre dann ein muslimischer Bruderkampf, der die Ölversorgung der ganzen Welt gefährden könnte.
Jeder Krieg, hat vor zweieinhalb Jahrtausenden der chinesische General und Stratege Sun Tzu gelehrt, "basiert auf Täuschung". Die verhängnisvollste Täuschung allerdings, das haben die USA im Irak erfahren müssen, ist die Selbsttäuschung.
HANS HOYNG, GEORG MASCOLO
* Auf dem Flugzeugträger "Abraham Lincoln", wo er im Mai 2003 das Ende der Kämpfe im Irak verkündete.
* Im Mai 2003 vor seiner neuen Villa in Bagdad.
* Am 23. Juli 2003 in Mossul vor dem Versteck der Saddam-Söhne Udai und Kussei.
* Im Mai 2004, Sekunden später wurde Nick Berg enthauptet.
Von Hans Hoyng und Georg Mascolo

SPIEGEL SPECIAL 6/2006
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