01.01.1996

Hellseher als Agenten

Der US-Militärgeheimdienst Defence Intelligence Agency (DIA) ist bei der Aufklärung gegnerischer Rüstungsanstrengungen ungewöhnliche Wege gegangen: Drei festangestellte Hellseher sollten Ende der siebziger Jahre technische Einzelheiten über neue sowjetische U-Boote heranschaffen - auf paranormalem Weg.
Ein Hellseher war erfolgreich: Er spürte, die UdSSR werde in 100 Tagen ein neues U-Boot in Dienst nehmen; das Gefährt sei mit 18 bis 20 Raketensilos bestückt.
Tatsächlich lief 120 Tage nach der Prophezeiung ein U-Boot mit 20 Abschußrampen im Rumpf vom Stapel.
Rund 20 Millionen Dollar gab das US-Verteidigungsministerium in den vergangenen 20 Jahren für die Erforschung sogenannter paranormaler Phänomene aus.
Erst im Sommer 1994 erhielt die CIA den Auftrag, das Wahrsage-Projekt (Tarnname: "Stargate") zu überprüfen. Die Beamten empfahlen, künftig keine Steuergelder mehr für diese Sorte Spionage auszugeben.
Die medial begabten Mitarbeiter ahnen Böses. Joe McMoneagle, der sechs Jahre lang im Dienst der DIA hellsah, empörte sich über das Urteil der CIA, Stargate sei Geldverschwendung. Für 20 Millionen Dollar, so McMoneagle, könne das Pentagon nicht einmal zwei Boden-Luft-Raketen kaufen.

SPIEGEL SPECIAL 1/1996
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