01.03.1996

TALK CHIPPIE!

Ihre Sprache ist neu, einfach und entstammt der kalten Gedankenwelt des Computers. Trotzdem geben heute auf der ganzen Erde die Chippies den Ton an. Aufbau und Codierung ihres Slangs erinnern an die herrische Sprache des Dritten Reiches, von der der Philologe Victor Klemperer sagte: Sie verdammt ihre Anwender zu bloßen Objekten. Es fängt schon mit zentralen Begriffen wie "Befehl" oder "user" an. Alles nur noch "gebrauchen" können, heißt, selbst nicht mehr gebraucht zu werden. Der Ruf nach totaler "Führung" ist seit Anfang der Neunziger Jahre mit dem Einzug vorgeblich befreiender Computer zum Gemeinplatz geworden. Als "Lösung" wird am Ende gefeiert, wenn die "Oberfläche" immer bunter wird und alles "nur noch angeklickt" werden muß. "In welcher Generation arbeitest Du denn?" wird man neuerdings freundlich gefragt. Und mit welchem "Kommando" komme ich an ein "Exekutionsprogramm"? Mitleidig drängen Zeitgenossen darauf, ihre Gesprächspartner zu "upgraden" oder zu "updaten". "Das installier' ich Dir", spricht dann der Kavalier.

SPIEGEL SPECIAL 3/1996
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