29.07.2008

DER TRIUMPH DES WESTENS„TAPFERES, ZÄHES VOLK“

Aus Angst vor einem Übergreifen des radikalen Islam auf ihre muslimischen Gebiete marschierte die Sowjetunion im Dezember 1979 in Afghanistan ein. In einem barbarischen Feldzug gegen die von den USA unterstützten Mudschahidin scheiterten die Sowjets.
Die Bundeswehrsoldaten, die aus ihrem Lager in Kunduz im Norden Afghanistans nach Süden fahren, Richtung Hauptstadt Kabul, sehen am Straßenrand ein Menetekel: ausgebrannte, verrostete sowjetische Panzer und Reste von Lastkraftwagen, oft mit Zitaten aus dem Koran verziert.
Es sind stumme Zeugen des Kalten Kriegs.
Im ideologischen Ringen zwischen Ost und West versuchte Afghanistan zunächst neutral zu bleiben. Das Herzland Asiens avancierte in den Sechzigern zum beliebten Reiseziel westdeutscher Billigtouristen und Kiffer. Viele zog es zum billigen und vermeintlich weltbesten Haschisch, dem "Schwarzen Afghanen".
Ein unerwarteter Gewaltstreich zerstörte im April 1978 die Touristenidylle. In der Sowjetunion ausgebildete Offiziere brachten die kommunistische "Demokratische Volkspartei Afghanistans" (DVPA) an die Macht. Im Paradies der Hascher übernahmen herbe Häscher das Regiment. Die neue Führung verkündet die "Aprilrevolution" und proklamiert eine Bodenreform gegen die Landlords. Die Regierung stößt schon bald auf bewaffneten Widerstand traditioneller Muslime und mächtiger Landbesitzer.
Rasch wird das karge Bergland, fast doppelt so groß wie Deutschland, zum Schlachtfeld eines Stellvertreterkriegs zwischen der Sowjetunion und den USA. Der Kampf um die Vorherrschaft am Hindukusch gerät zur dramatischen Neuauflage des "Great Game", des großen Spiels der Weltmächte, das der britische Schriftsteller Rudyard Kipling am Anfang des 20. Jahrhunderts beschrieb.
US-Präsident Jimmy Carter, beeinflusst von seinem Sicherheitsberater Zbigniew Brzezinski, unterzeichnet am 3. Juli 1979 die erste Direktive für die Unterstützung der Muslim-Rebellen in Afghanistan. Brzezinski wird später behaupten, er habe Moskau in die afghanische Falle gelockt.
Die sowjetische Führung, aufgeschreckt durch den Sieg der Islamischen Revolution in Iran im Februar 1979, sieht sich im geopolitischen Schach mit den Vereinigten Staaten in Zugzwang. Die Sowjets fürchten, die Islamische Revolution könnte auf ih- re zentralasiatischen Republiken übergreifen. Von dort berichten Späher der Staatsicherheit KGB über vermehrte Untergrundaktivität militanter Muslime.
Afghanistan wird zu einer Art Statussymbol der östlichen Supermacht. "Wir dürfen Afghanistan unter keinen Umständen verlieren", mahnt Sowjetaußenminister Andrej Gromyko im März 1979 auf einer Politbürositzung in Moskau.
Schon im Frühjahr 1979 befinden sich rund 5000 militärische und zivile sowjetische Berater in Afghanistan. Sie leben gefährlich, wie ein Aufstand in der Provinzstadt Herat im März zeigt. Dort metzeln Mudschahidin Dutzende sowjetische Militärberater samt deren Frauen und Kinder nieder.
Die Moskowiter werden nervös. In Kabul hat der Vizepräsident Hafisullah Amin immer mehr Macht an sich gerissen. Scharenweise schicken Amin und seine Gefolgsleute selbst altgediente Kommunisten in Folterkeller und Gefängnisse.
In großer Zahl lässt Amin politische Gegner erschießen. Moskaus Politbüro, solche Praktiken seit Stalins Tod nicht mehr gewohnt, ist irritiert. Amin gilt in Moskau bald als Totengräber der afghanischen Revolution. Im September wird Präsident Nur Mohammed Taraki vom Kreml aufgefordert, Amin zu beseitigen. Der Plan scheitert - Taraki selbst wird getötet.
Nach monatelangem Zögern entschließt sich KPdSU-Generalsekretär Leonid Breschnew im Dezember 1979, unterstützt vom KGB-Chef, dem Verteidigungs- und dem Außenminister, zum militärischen Eingreifen. Die Sowjetführer glauben, der Sozialismus werde am Hindukusch verteidigt. Kaum jemand kann sich vorstellen, dass sich auf den Monat genau zwölf Jahre später das in Afghanistan geschlagene sowjetische Imperium selbst auflösen wird.
Die Moskauer Gralshüter des Marxismus-Leninismus scheinen nicht zu wissen, was Friedrich Engels, enger Mitstreiter von Karl Marx, bereits 1857 über das geheimnisvolle Bergland schrieb: Für die Afghanen, ein "tapferes, zähes und freiheitsliebendes Volk", sei der Krieg "ein erregendes Erlebnis und eine Abwechslung von der monotonen Erwerbsarbeit". Die Afghanen, so Engels, hätten einen "unbezwinglichen Hass auf jede Herrschaft".
Ehe sie den Hass auf die Fremdherrschaft zu spüren bekommen, schlüpfen die sowjetischen Interventen zunächst in fremde Uniformen. In der Kluft afghanischer Gardisten stürmen Angehörige der KGB-Eliteeinheit "Alfa" am 27. Dezember 1979 den Präsidentenpalast Darulaman am Rande Kabuls. Amin und 200 seiner Wachmänner sterben im Kugelhagel.
Die Sowjets setzen Babrak Karmal als Satrapen ein, einen Absolventen des deutschen Gymnasiums in Kabul. Den Personenschutz für Karmal stellen die Besatzer. Der Mann ist kaum mehr als ein Bürgermeister von Kabul.
Die Sowjets marschieren anfangs mit 85 000 Mann ein. Moskau nennt keine Zahlen. Seine Propagandisten, ihrer Sache offenkundig nicht sicher, sprechen nur von einem "begrenzten Kontingent".
Schon nach wenigen Wochen stehen die Sowjets überall im Land im Kampf mit der muslimischen Guerilla. Werden die Okkupanten aus Dörfern heraus beschossen, vernichten sie mit Panzern, Raketenwerfern und Jagdbombern die Siedlungen samt aller dort lebenden Menschen.
Im März 1980 zeigt ein Divisionskommandeur bei Kunduz dem Kriegskorrespondenten der Moskauer "Literaturnaja gaseta", Alexander Prochanow, die Ruinen eines Dorfs. Der Offizier sagt ihm: "Das ist unser My Lai." In dem Dorf My Lai in Vietnam töteten Soldaten der US-Armee im März 1968 mehr als 500 unbewaffnete Zivilisten. Die Enthüllung über das Massaker trug maßgeblich zum Wandel der öffentlichen Meinung über den Krieg bei.
"Schon in den ersten Wochen haben wir die gesamte Bevölkerung gegen uns aufgebracht", erinnert sich Walerij Wostrotin. Als 27-jähriger Oberleutnant einer Fallschirmjägereinheit nahm er am Sturm auf den Präsidentenpalast teil, wurde später zweimal verwundet und als "Held der Sowjetunion" ausgezeichnet. In Russland stieg er 1994 zum Vizeminister für Katastrophenschutz auf.
Wostrotin erinnert sich an ein Paradox des Einmarschs. Die Intervention, die eine ungeahnte Gewaltwelle auslöst, bringt zunächst Tausenden politischen Gefangenen die Freiheit. Zu den vom Diktator Amin Inhaftierten gehörte auch die Frauenrechtlerin Soraja, Vorsitzende der größten Frauenorganisation des Landes. Die selbstbewusste Ökonomin streitet für Bildungschancen von Frauen und sagt dem Analphabetismus und dem Patriarchat auch in der kommunistischen DVPA den Kampf an.
Ein anderes Paradox erleben die sowjetischen Soldaten auf den Basaren in Kabul. Zwar wirkt das Land mit Lehmhütten ohne Strom und Wasser und mit Ochsenkarren auf unbefestigten Wegen wie ein Relikt aus der Steinzeit. Doch auf den Märkten werden Waren angeboten, um die Kunden in sowjetischen Warenhäusern vergebens anstehen: Jeans, Kassettenrecorder, modische Brillen, tragbare Fernseher.
Als Bezahlung akzeptieren lächelnde Händler auch Gewehrpatronen, die Moskaus Kriegern bald darauf die Knochen zertrümmern. Zwischen Sowjetbesatzern und afghanischer Bevölkerung wachsen trotz einträglicher Geschäfte Hass und Verachtung.
Solange sie die Bewohner von Lehmhütten mit Granaten beschießen, hilft es den Sowjets nicht, dass sie Schulen und Krankenhäuser bauen lassen. Es nützt ihnen nichts, dass ihre afghanischen Satrapen Stammesälteste umgarnen und die "heilige Religion Afghanistans" in der Verfassung verankern. Es rettet sie nicht, dass sie ihre hehren Absichten immer wieder mit anrührenden Fotos von Mädchen untermauern, die endlich eine Schule besuchen können.
Das Bild der Afghanen von den "Schurawi", wie sie die Sowjets nennen, wird von anderem geprägt. Kriegskorrespondent Prochanow ist dabei, als sowjetische Schützenpanzer eine Ortschaft bei Herat im Westen Afghanistans stürmen. Frauen und Kinder schreien, als die Soldaten vom Panzer auf alles schießen, was sich bewegt.
Militärs brechen Haustüren auf, dringen in die Wohnräume von Frauen ein, in Afghanistan eine Todsünde. Soldaten zerstören Moscheen, im südafghanischen Kandahar benutzen sie Seiten aus dem Koran als Klopapier, "eine endlose Zerstörung aller Tabus", bilanziert Prochanow.
Wiktor Jerschow, 18-jähriger Sanitätsunteroffizier, ab Oktober 1984 in Jalalabad im Osten Afghanistans, erfährt von seinem Brigadekommandeur, dass er helfen soll, widerständige Dörfer zu vernichten. "Gibt es den Menschen nicht mehr", so der Kommandeur, "verschwindet das Problem." Es ist ein Zitat, das Stalin zugeschrieben wird.
Jerschow schraubt abends einen Schalldämpfer auf seine Pistole und sein Kalaschnikow-Sturmgewehr. So macht er sich nachts mit Kameraden auf in Dörfer nahe der pakistanischen Grenze, die verdächtigt werden, die Mudschahidin zu unterstützen.
Fast lautlos tötet er in den kargen Häusern Männer, Frauen und selbst Kinder. "Es kommt vor, dass Jungen auf uns schießen. Wenn du sie nicht umbringst, bringen sie dich um", so seine fatale Logik. Während die Afghanen die fremden Soldaten als gnadenlose Kindermörder erleben, ist Jerschow von dem listigen Bergvolk angewidert: "Tagsüber lächeln sie, nachts schießen sie auf uns."
Armeeoffiziere nennen das Ausrotten von Dörfern zynisch "Realisierung". Der 19-jährige Infanterist Wladimir Sjatraikin "realisiert" ab August 1984 im Raum Kandahar ganze Ortschaften. Beim ersten Einsatz wird ihm schlecht beim Anblick der Leichen von Frauen und Kindern. Später stumpft er ab. Ab wann ein Dorf als "feindlich" eingestuft wird, dafür gibt es eine einfache Grundregel: sobald von dort auch nur ein Schuss fällt.
Das geschieht immer öfter, je mehr Dörfer die Okkupanten vernichten. Nachbarn und Verwandte werden zu Rächern. Unter dem Schlachtruf "Allahu akbar", Gott ist groß, ziehen sie in den Krieg.
"Schießen ist für die Afghanen ein Volkssport, wie Fußballspielen für die Brasilianer", sagt der aus der Sowjetunion emigrierte Journalist Sawik Schuster, der die Mudschahidin begleitet, in dem Dokumentarfilm "Die afghanische Falle" des Moskauer Journalisten Jewgenij Kisseljow. Der Krieg verroht Besatzer wie Besetzte. Mudschahidin massakrieren sowjetische Gefangene und töten in den Dörfern junge Lehrer, meist überzeugte Sozialisten.
Die jungen sowjetischen Soldaten treibt bei ihren Überfällen auf Dörfer auch die Wut über die eigene elende Lage. Nahezu täglich müssen die Kämpfer "widerwärtigen Brei und Dosenfisch in Tomatensoße" essen und ewig Buchweizen kauen, erinnert sich Sanitätsunteroffizier Jerschow.
Die Armeeangehörigen hausen in Zelten, geplagt von Läusen, Gelbsucht, nicht selten auch von Typhus. Erkältungen machen ihnen häufig zu schaffen. Bis in den November ist es tagsüber warm, nach Sonnenuntergang aber wird es plötzlich kalt.
Das Klima sind die Soldaten der afghanischen Regierungsarmee gewöhnt, die an der Seite der Sowjets stehen. Nur für die Okkupanten wollen sie den Kopf nicht hinhalten. "Wenn Kugeln fliegen, dann sind die weg", spottet Sjatraikin im Kameradenkreis. "Das ist eine Armee von Feiglingen und Verrätern", sagt Jerschow voller Verachtung. Spitzel der Mudschahidin haben die Truppe auf allen Ebenen durchsetzt. Selbst der Chef der Militäraufklärung arbeitet heimlich für die Gegenseite.
So riskieren vor allem sowjetische Soldaten Leben und Gesundheit, um das Land mit Gewalt in die Moderne zu treiben. Der Tod lauert überall unter dem blauen Himmel. Landstraßen werden zu Minenfeldern und Bergschluchten zu Mausefallen für die Besatzer.
Es häufen sich Gefechte, wie sie Wiktor Werstakow, Korrespondent der sowjetischen KP-Zeitung "Prawda", im Gebirge zwischen Kunduz und Faizabad im Januar 1983 erlebt. Mudschahidin mit vorzüglicher Ortskenntnis attackieren überraschend eine Gruppe Sowjets. Von 24 Soldaten werden 5 getötet und 5 schwer verwundet.
Es erwischt selbst umsichtige und erfahrene Offiziere wie Ruslan Auschew. Den Regimentsstabschef, seit Anfang 1980 im Afghanistan-Einsatz, trifft im Oktober 1986 am Salang-Pass nordwestlich von Kabul eine Kugel in die Leber. Auschew überlebt nach einer Operation und kehrt freiwillig zu seiner Truppe zurück. Der "Held der Sowjetunion" wird später Präsident der russischen Teilrepublik Inguschien. Im Amt warnt er den Kreml vergebens, den Tschetschenien-Konflikt militärisch lösen zu wollen.
"Wir haben gegen die ganze Welt gekämpft", bilanziert Auschew das Afghanistan-Abenteuer. Tatsächlich ist es keine reine Propaganda, wenn die Sowjets tönen, sie kämpften in Afghanistan gegen arabische Extremisten und Handlanger der USA.
US-Präsidentenberater Zbigniew Brzezinski inspiziert schon fünf Wochen nach Beginn des sowjetischen Einmarschs Einheiten der afghanischen Mudschahidin im pakistanischen Peschawar, nahe der Grenze am Khyber-Pass. Mindestens drei Milliarden Dollar investiert Washingtons Geheimdienst CIA in den afghanischen Widerstand. So subventionieren die Amerikaner ab Mitte der achtziger Jahre auch den saudi-arabischen Millionärssohn Osama Bin Laden, der seine multinationalen Freiwilligentrupps vorerst nur gegen Kommunisten und noch nicht gegen die Vereinigten Staaten mobilisiert.
Etwa 35 000 militante Muslime aus 40 Ländern, mit US-Hilfe in Pakistan trainiert, setzen dem welken sowjetischen "Internationalismus" eine hochmotivierte Internationale der Gotteskrieger entgegen.
Die Sowjetunion gerät in die Defensive. Prochanow zieht 1988 in der "Literaturnaja Gaseta" eine bittere Zwischenbilanz: Die afghanischen Kommunisten seien "im Volk nicht anerkannt" und "paralysiert". In einem "mittelalterlichen Sumpf", so Prochanows Fazit, könne man "kein sozialistisches Gebäude errichten".
Die Besatzer erkennen, dass sie die 2400 Kilometer lange unwegsame, bergige Grenze nach Pakistan nicht kontrollieren können. Gespeist von amerikanischen Steuerzahlern und arabischen Spendern, ergießt sich von Pakistan aus ein nicht enden wollender Strom von Kamel-Karawanen nach Afghanistan.
Auf den Rücken der Tiere hängt in Säcken Nachschub für die Mudschahidin: Waffen, Munition, Geld und Proviant. Die sowjetische Jagd auf die Karawanen wird aussichtslos, als die USA ab September 1986 den Mudschahidin Luftabwehrraketen vom Typ "Stinger" liefern. Die Raketen, tragbar wie eine Panzerfaust, suchen sich mit einem Wärmesensor ihr Ziel selbst. Mit der neuen Waffe schießen die Mudschahidin 200 bis 300 Hubschrauber und Flugzeuge ab.
Die Suche nach einem Ausweg beginnt im siebten Kriegsjahr. KPdSU-Chef Michail Gorbatschow signalisiert ab 1986 Bereitschaft für einen Truppenabzug. Sowjets und Amerikaner lassen Afghanen und Pakistaner in Genf verhandeln. Im April 1988 unterzeichnen beide Staaten und ihre Schutzmächte einen Friedensvertrag, der keiner ist: Die Sowjets ziehen ab, aber Moskau und Washington setzen ihre Militärhilfe fort.
Der sowjetische Rückzug, orchestriert mit Freundschaftstransparenten und Abschiedskundgebungen, beginnt im Mai 1988. Am 15. Februar 1989 verlässt General Boris Gromow als Letzter das geschundene Land, zu Fuß über die "Brücke der Freundschaft" am Amu-Darja-Fluss, den einst Alexander der Große auf dem Weg nach Indien überquerte. Damit endet der Feldzug des Kreml. Insgesamt 620 000 Armeeangehörige haben teilgenommen.
14 453 sowjetische Soldaten sind nach offiziellen Angaben gefallen, die Zahl der afghanischen Opfer wird auf weit über eine Million geschätzt. Das von den Sowjets unterstützte Regime verteidigt sich zunächst erfolgreich gegen die weiterhin von Pakistan unterstützten Gotteskrieger.
Der letzte von Moskau 1986 eingesetzte afghanische Staatschef Mohammed Nadschibullah, ein Ex-Geheimdienstchef, bemüht sich um eine "nationale Versöhnung" mit moderaten Muslimen. 1990 warnt er, ein Sieg der Mudschahidin werde sein Land "in eine Welthochburg des Drogenhandels und ein Zentrum des Terrorismus" verwandeln.
Dem promovierten Mediziner Nadschibullah ist es nicht vergönnt, Geburtshelfer eines neuen Afghanistan zu werden. Als Moskau alle Hilfslieferungen einstellt, bricht sein Regime im Frühjahr 1992 unter dem Ansturm der Muslim-Krieger zusammen. Nadschibullah wird vier Jahre später beim Sieg der Taliban gelyncht, seine Leiche öffentlich aufgehängt.
Zu den Siegern über die Sowjets gehören Männer wie der Warlord Gulbuddin Hekmatjar. Der hagere Kriegsherr mit dem dunklen Krausbart empfängt im Juni 1989 im pakistanischen Peschawar eine Delegation sowjetischer Mütter, deren Söhne bei den afghanischen Rebellen in Kriegsgefangenschaft geraten sind.
Mit den Worten "Ich verstehe Ihren Wunsch" begrüßt er die Mütter und bittet sie, ihm in den Garten seiner Residenz zu folgen. Dort sitzen in einem Halbkreis etwa hundert Kriegskrüppel - afghanische Mudschahidin, Männer ohne Hände, ohne Arme, ohne Beine. "Das haben Ihre Söhne gemacht", sagt Hekmatjar mit ruhiger Stimme.
Weinend, schreiend, tränenüberströmt bitten die Mütter auf Knien die Versehrten um Verzeihung. Hekmatjar genießt das sadistische Spektakel. Schließlich übergibt er den gedemütigten Frauen einen Gefangenen.
In diesen Tagen schickt der Warlord Hekmatjar, einst Kostgänger des amerikanischen Geheimdienstes CIA, eine neue Generation von Mudschahidin in den Kampf, diesmal gegen Soldaten der Nato. F
Von Uwe Klußmann

SPIEGEL SPECIAL Geschichte 3/2008
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