21.10.2008

DIE GRÜNDERZEITWESTWÄRTS, HO!

Wo liegt der Wilde Westen? Sicher ist: Wenn Ureinwohner und Einwanderer aufeinandertrafen, gab es irgendwann Tote. Sogar Hollywoods populärste Western-Kulisse, Monument Valley, war einst Schauplatz blutiger Konflikte.
Die Straße ins Herz des Wilden Westens führt vorbei an einem großen Andenkenladen. Im Angebot: Teppiche, handgewebt von Navajo-Indianern, traditionelle Navajo-Keramikschüsseln und Navajo-Schmuck. Außerdem Kaffeebecher, viele Kaffeebecher, eine perfekte Symbiose aus Fortschritt und Nostalgie: Die Becher sind "Made in China" und alle bedruckt mit dem gleichen Motiv - einem Porträt von John Wayne.
Man wäre tatsächlich nicht allzu überrascht, wenn gleich John Wayne persönlich sein Pferd vor dem Souvenirshop parken würde. Auch fast 30 Jahre nach seinem Tod ist John Wayne noch immer Hollywoods bekanntester Western-Darsteller, und die Gegend um den Laden herum war einst quasi sein Beritt. Hier, im Monument Valley, im Grenzgebiet der US-Bundesstaaten Arizona und Utah, haben Wayne und der Regisseur John Ford einige ihrer populärsten Western gedreht, Klassiker wie "Stagecoach" (1939) und "The Searchers" (1956). Seitdem gilt diese Landschaft in aller Welt als das Sinnbild des Wilden Westens schlechthin.
Das Monument Valley erinnert, auch ohne John Wayne, an einen gigantischen Filmset. Gewaltige freistehende Felsen, oft surreal geformt und entsprechend benannt ("Linker Fäustling", "Elefantenkuppe", "Drei Schwestern"), ragen bis zu 300 Meter in die Höhe, das Ergebnis von Millionen von Jahren kunstvoller Erosion. Drum herum erstreckt sich die Wüste: viel rot-brauner Staub und ein bisschen Gestrüpp bis zum Horizont. Eine Landschaft wie auf dem Mars, lebensfeindlich, bedrohlich, wunderschön.
Am besten Aussichtspunkt im Tal, dem "John Ford's Point", posiert heute fast jeden Tag der Navajo Frank Jackson für Touristen. Jackson, 80 Jahre alt, sitzt auf seinem Hengst Pistol, er trägt Cowboyhut und Navajo-Schmuck und sieht sehr würdevoll aus. Die perfekte Indianer-Idylle, auf den ersten Blick. Auf Jacksons Schlüsselanhänger allerdings steht kein Navajo-Name, sondern "Red Bull". Und wenn er Feierabend macht, kommt sein Pferd in den nahen Stall; er selbst fährt mit einem Geländewagen nach Hause.
Doch das Monument Valley ist nicht nur ein versteinertes Klischee, beinahe zu Tode gefilmt von Western-Regisseuren und den Werbefuzzis von Marlboro. Es ist auch einer der Orte in den USA, an dem die Geschichte lange vor der Ankunft der Bleichgesichter dokumentiert ist.
An einigen Felswänden im Monument Valley kann man nämlich noch heute Spuren der Ureinwohner erkennen: ihre Bilder. Künstler vom Stamm der Anasazis ritzten vor mehr als tausend Jahren Darstellungen von Antilopen, Hirschen und Vögeln in den Stein. Ob es sich dabei um eine Art Speisekarte handelte oder eher um Heiligenverehrung, ist unbekannt. Im 13. Jahrhundert verließen die Anasazis das Tal.
Später - niemand weiß genau, wann - siedelten sich Indianer vom Stamm der Navajos im Monument Valley an - und blieben. Sie züchteten Schafe und Ziegen und trotzten dem furztrockenen Boden sogar etwas Getreide ab. Den großen Felsen im Tal sprachen die Navajos religiöse Bedeutung zu; Medizinmänner beteten an heiligen Orten für Regen. Doch selbst wenn die Gebete erhört wurden: Es blieb, so viel lässt sich sagen, über Jahrhunderte ein hartes, entbehrungsreiches Leben.
Die große Katastrophe stand den Navajos - und vielen anderen Indianerstämmen - allerdings noch bevor.
Das Elend begann am 12. Oktober 1492, als Christoph Kolumbus die Küste der Bahamas erreichte und damit seinen Fuß auf den amerikanischen Kontinent setzte. Kolumbus hatte auf seiner Fahrt nach Westen eigentlich Indien gesucht, doch nun glaubte er, das Paradies gefunden zu haben.
Dass in diesem Garten Eden schon jemand lebte, war aus Kolumbus' Sicht kein Hindernis, im Gegenteil. Und dass diese Indianer vom Stamm der Taínos ihn am Strand freundlich begrüßten und, wie Kolumbus glaubte, die Weißen sogar für Götter hielten, verstärkte seine Verachtung nur noch.
Die Bewohner könnten zu Sklaven gemacht werden, notierte Kolumbus. Sie besitzen "keine Waffen, sind unkriegerisch, harmlos, nackt. Dafür sind sie bereit zu gehorchen, zu arbeiten und alles Nötige zu vollführen. Mithin wäre es angezeigt, sie dazu zu verwenden, Städte und Ortschaften zu errichten, und ihnen unsere Kleidung und Gebräuche beizubringen".
Ein Accessoire der Taínos interessierte Kolumbus ganz besonders: ihr Goldschmuck. "Das Beste in der Welt ist Gold", schrieb er in sein Tagebuch, "es kann sogar Seelen zum Himmel schicken." Tatsächlich war es anfangs vor allem die Aussicht auf sagenhafte Goldschätze, die europäische Monarchen dazu brachte, die teuren Expeditionen zum unbekannten Kontinent im Westen zu finanzieren.
Kolumbus' Einstellung war in ihrer Rücksichtslosigkeit und Arroganz typisch für die Haltung, mit der die Europäer den sogenannten Wilden Westen eroberten. Die Grenze Amerikas, behauptete der einflussreiche US-Historiker Frederick Jackson Turner noch Ende des 19. Jahrhunderts, sei "der Treffpunkt zwischen Zivilisation und Wildheit".
Wer damals tatsächlich die Wilden waren, darüber sind sich heute viele Forscher nicht mehr ganz so sicher. Doch "frontier", Grenze, ist in Amerika bis heute ein mythisch aufgeladenes Wort geblieben.
Kein Wunder: Entlang dieser Grenze wurden viele blutige Kämpfe ausgetragen, und je weiter die Einwanderer sie im Laufe der Jahrhunderte Richtung Westen verschoben, desto mehr verwandelte sich ein unbekannter Kontinent in einen Staat mit Weltmachtanspruch. Millionen Indianer kamen allerdings in Nord- und Südamerika beim Kampf der Kulturen ums Leben.
Das erste Buch, das die Niederlage der Ureinwohner auf dem amerikanischen Kontinent beschreibt, veröffentlichte ein spanischer Dominikanermönch namens Bartolomé de Las Casas bereits anno 1552. In seinem "Kurzgefassten Bericht über die Verwüstung der westindischen Länder" beschuldigte Las Casas seine Landsleute, den Tod von Millionen Menschen verursacht zu haben. Die Taínos etwa waren zu diesem Zeitpunkt, 60 Jahre nach Kolumbus' Landung, so gut wie ausgerottet. Den nötigen Nachschub an Zwangsarbeitern schafften die Eroberer nun aus Afrika heran.
Doch die Geschichte des Wilden Westens ist nicht nur eine Abfolge von Sklaverei, Kriegen und Kämpfen. "Es ist zuerst und vor allem die Geschichte des Wo und Wie Kulturen sich begegnen", schreiben die Historiker Robert V. Hine und John Mack Faragher in ihrer "Frontiers"-Chronik. "Die Kolonisierung des nordamerikanischen Kontinents schuf eine multidimensionale Welt, bewohnt von Völkern unterschiedlichster Herkunft und gemischter ethnischer Abstammung."
Multidimensional? In der Tat, denn schon die Bezeichnung "Wilder Westen" erscheint bei genauerer Betrachtung reichlich konfus. Wo genau liegt der Westen, wo verläuft die Grenze?
Die europäischen Siedler, keine Frage, machten sich auf den Weg nach Westen. Die Doktrin des irischen Bischofs George Berkeley ("Westwärts bahnt sich das Empire seinen Weg"), ausgegeben Mitte des 18. Jahrhunderts, wurde für viele Neuankömmlinge aus Europa zur Lebensaufgabe.
Für viele Latinos dagegen liegt ihr Traumziel bis heute im Norden. Weite Teile Dakotas und Montanas wurden von Kanada aus, also Richtung Süden besiedelt. Und die Vorfahren der Indianer wanderten, vor mehreren zehntausend Jahren, vermutlich aus Asien ein, zogen also nach Osten. So wie im 19. Jahrhundert viele Chinesen über den Pazifik in die USA reisten, wo sie beim Bau der amerikanischen Eisenbahnlinie lange unentbehrlich waren. Erst beim offiziellen Erinnerungsfoto zur Feier ihrer Fertigstellung im Jahr 1869 scheuchte man die chinesischen Arbeiter zur Seite.
Geschichte wird eben von den Siegern geschrieben, und die kamen über Jahrhunderte aus Europa. Schiffe aus England, Frankreich, Spanien und Portugal segelten über den Atlantik, um die sagenhafte Neue Welt zu erkunden.
Der erste Europäer, dessen Begegnung mit Indianern im Nordosten Amerikas aktenkundig ist, war Giovanni de Verrazano, ein Edelmann aus Florenz, unterwegs im Auftrag Frankreichs. 1524 wurde seine Expedition an der Küste von Maine mit Pfeilen beschossen. Doch tatsächlich wollten die Indianer Handel treiben; insbesondere die Messer der Fremdlinge hatten es ihnen angetan.
Elf Jahre später kommandierte der französische Seefahrer Jacques Cartier zwei Schiffe, die den Sankt-Lorenz-Strom hinauffuhren. Cartiers Ziel: die Nordwestpassage nach Indien zu finden - und Frankreichs Ansprüche auf neue Länder zu sichern, "in denen es große Goldvorkommen geben soll".
Cartier besuchte Hochelaga, ein Dorf der Irokesen-Indianer, bestehend aus rund 50 Langhäusern. Besonders erstaunte die Franzosen, dass im Ort die Frauen das Sagen hatten. "Sie werden sehr respektiert", schrieb ein Zeitgenosse, "keine Entscheidung wird ohne sie getroffen."
Cartier und seine Mannschaft verbrachten den Winter 1535/36 in Hochelaga, wo sich heute Montreal erstreckt, die zweitgrößte Stadt Kanadas. Dass sie dort überhaupt überlebten, verdankten sie den Indianern. So kredenzten die Gastgeber den Franzosen einen Trunk aus gekochter Baumrinde und kurierten damit deren Skorbut.
Ihre Aufgabe behielten die Franzosen dabei stets im Blick. Cartier gefielen vor allem die Pelzmäntel der Indianer - ein Luxusgut, das in Europa stark gefragt war. Das Klischee von tumben Rothäuten, die sich bei Verhandlungen über den Tisch ziehen ließen, traf zumindest auf die Irokesen nicht zu: Sie verlangten für die Felle angemessene Tauschgüter, zum Beispiel hochwertige Wollkleidung in ihren Lieblingsfarben Dunkelblau, Dunkelrot und Stahlgrau.
Im 17. Jahrhundert fertigte die Britische Hudson Bay Company, die mittlerweile einen Großteil des Handels mit den örtlichen Stämmen abwickelte, ihre Wolldecken sogar eigens mit Mustern, die dem indianischen Design-Geschmack entsprachen. Doch wie überall in Nordamerika wuchs allmählich auch hier die Abhängigkeit der Indianer von den Gütern der Europäer.
Hinzu kam, dass die meisten Europäer bei ihrer Eroberung des neuen Kontinents erheblich aggressiver vorgingen als die Franzosen. Neben den Spaniern, die in Mittel- und Südamerika wüteten, traten sich dabei besonders die Engländer hervor. Die erste englische Kolonie, gegründet 1585, nannten sie Virginia, zu Ehren der jungfräulichen Königin Elisabeth I.
Anfangs ließen sich die Engländer in ihrer Siedlung von den örtlichen Algonkin-Indianern versorgen. Doch als der Nachschub ausblieb, fielen die Engländer über die Indianer her, töteten einige ihrer Anführer und köpften den Häuptling. Kurz danach gaben die Engländer das Dorf auf.
Zwei Jahre später kehrten sie zurück; diesmal siedelten dort 117 Männer, Frauen und Kinder. Die englischen Bauern, so der Plan, sollten in guter Nachbarschaft mit den Ureinwohnern leben.
Doch die Algonkin hatten ihre Lektion gelernt: Sie attackierten die Siedler. Der englische Gouverneur John White segelte schließlich nach England, um Verstärkung zu holen. Der Angriff der spanischen Armada verzögerte die Rettungsaktion. Als White drei Jahre später zurückkehrte, lag der Ort in Trümmern. Die Bewohner waren spurlos verschwunden. Ihr Schicksal ist eines der großen ungelösten Rätsel der englischen Kolonialgeschichte.
Dieser Rückschlag blieb jedoch eher die Ausnahme. Doch anders als das Klischee vom Wilden Westen es will, erlitten die Indianer ihre größten Verluste nicht im Kampf Mann gegen Mann, sondern durch biologische Kriegführung. Eine Infektionskrankheit, vermutlich von den Neuankömmlingen eingeschleppt, raffte Anfang des 17. Jahrhunderts Zehntausende Indianer in Neu-England dahin und ermöglichte so den Engländern große Geländegewinne ohne eigene Verluste. Später beschenkten Engländer die Indianer sogar gezielt mit Decken aus Krankenhausdepots, verseucht mit tödlichen Pocken-Erregern.
Die Wirkung war in jedem Fall verheerend: Als eine Gruppe englischer Siedler im Jahr 1620 das Algonkin-Dorf Patuxet betrat, fanden sie massenweise Gebeine nicht bestatteter Toter.
Die Engländer deuteten dies als Zeichen von ganz oben. Sie fielen auf die Knie und dankten Gott dafür, dass er "so viele Eingeborene ausradiert" habe und "Platz für uns geschaffen hat". Patuxet wurde in Plymouth umgetauft. "Das Land liegt offen", verkündete der Puritaner John Winthrop, "für jeden, der es verbessern kann."
Erst im späten 20. Jahrhundert kam für die Indianer die Gelegenheit zur Revanche: Sie gründeten Spielcasinos, in denen sie, ganz legal, bis heute die Nachfahren der Eroberer erfolgreich ausplündern.
Über Jahrhunderte lief es andersherum. Die Ureinwohner wurden vertrieben, um ihr Land betrogen, umgesiedelt oder umgebracht. Gleichzeitig drängten immer mehr Einwanderer in die Neue Welt: Allein die Zahl der englischen Kolonisten stieg von 1700 bis 1750 von 250 000 auf 1,3 Millionen. Verantwortlich für diese Bevölkerungsexplosion war allerdings auch die Fruchtbarkeit derer, die schon da waren. Der Pionier Daniel Boone etwa, Vorbild für James Fenimore Coopers Romanhelden "Lederstrumpf", und seine Frau Rebecca hatten 10 Kinder und am Ende 68 Enkel.
Zudem war die Sterblichkeitsrate auf dem neuen Kontinent rund 15 bis 20 Prozent niedriger als in Europa. Das Land erwies sich als so fruchtbar, dass es praktisch keine Hungersnöte gab.
Millionen Menschen rückten deshalb auf der Suche nach immer neuen Acker- und Weideflächen nach Westen vor. Die Eroberung des Wilden Westens wurde zur Staatsräson, zum Gründungsmythos der gerade entstehenden USA. Ohne neues Land, schrieb der spätere US-Präsident Thomas Jefferson im Jahr 1787, "stapeln sich auch die Amerikaner bald in großen Städten wie in Europa, und wie dort fressen sie einander auf".
Also immer weiter westwärts, ho! Um die Wildnis zu erforschen, schickte Jefferson eine Expedition los, geleitet von Meriwether Lewis und William Clark. Nach monatelanger Wanderung erreichten sie im November 1805 den Pazifik. Wieder ein Ziel geschafft! Die Expedition von Lewis und Clark, analysierte der Historiker Bernard DeVoto, "befriedigte ein Bedürfnis und schuf ein Verlangen: das Verlangen einer nach Westen gewandten Nation".
Millionen Siedler, Cowboys und Glücksritter sollten dieser Sehnsucht erliegen. Im Idealfall erwartete sie dort "ein grüneres, weiteres Italien, wie es in Anfängen der Geschichte den griechischen Kolonisten erschienen sein mag", notierte der deutsche Weltenbummler Harry Graf Kessler nach einer Kalifornien-Reise Ende des 19. Jahrhunderts. "Die Einwandererzüge, die auf ihren Planwagen langsam aus dem Osten über das Gebirge kamen, sahen von den Pässen in ein gelobtes Land. Die Bibel wurde ihnen erschütterndes persönliches Erlebnis. Man erkannte, wie nahe die Gegenwart hier dem Mythos war, dem Mythos der Wanderungen."
Um 1860 - die Gewalt gegen die Indianer war in vielen Gegenden der USA zu staatlich geduldeten oder gar geförderten Massakern eskaliert - mussten auch die Navajos dem Druck weichen. Kit Carson hieß der Anführer einer Gruppe von Desperados, die im Auftrag der US-Regierung die Indianer im Südwesten der USA vertreiben sollte. "Die Männer sind umzubringen, wann und wo auch immer sie aufgespürt werden", lautete der Befehl, "Frauen und Kinder können gefangen genommen werden."
Carson erwies sich als besonders gründlicher Todesbote: Er zerstörte auch die Unterkünfte, verwüstete die Felder und metzelte das Vieh der Navajos nieder. Im Winter 1864 kapitulierten die überlebenden 8000 Stammesmitglieder. Wer nicht geflohen war, musste einen 400-Meilen-Marsch durch die Wüste ins Exil antreten. Erst Jahre später durften sie in ein - stark verkleinertes - Gebiet zurückkehren.
Im Monument Valley, später Teil des Navajo-Reservats, gab es trotzdem bald Tote, doch diesmal waren es Bleichgesichter: Ernest Mitchell und James Merrick, die im Tal nach Silber suchten, wurden von Indianern erschlagen. Anders als die unzähligen indianischen Opfer bekamen sie schöne Gedenksteine: Zwei der imposantesten Felsen im Valley, Mitchell Butte und Merrick Butte, sind bis heute nach den Schatzsuchern benannt.
Seit dem 20. Jahrhundert wird im Monument Valley nur noch vor der Kamera gemordet: für Hollywood. Die Anregung dazu stammte von Harry Goulding, einem Kaufmann, dessen Laden im Monument Valley kurz vor der Pleite stand. 1938 reiste Goulding deshalb, als PR-Mann in eigener Sache, mit ein paar Fotos vom Tal nach Los Angeles. Irgendwie schaffte er es auf das Studiogelände von United Artists und ins Büro von Regisseur John Ford. Ford war beeindruckt von den Bildern. "Können Sie eine Filmcrew über mehrere Wochen bekochen und unterbringen?", fragte der Regisseur. Ja, behauptete Goulding, und wenig später drehte Ford seinen nächsten Western, "Stagecoach", tatsächlich im Monument Valley und machte es schlagartig bekannt.
Der Film brachte bescheidenen Wohlstand ins bitterarme Tal, nicht nur für Goulding. Ford heuerte Navajos als Statisten an, "meine glückliche Pflicht". Sieben Western drehte Ford insgesamt im Monument Valley, und die Navajos - gezeichnet von Unterernährung, Krankheiten, Alkoholismus und Arbeitslosigkeit - hatten auf einmal eine vergleichsweise gut bezahlte Aufgabe: Sie spielten Apachen, Komantschen und Cheyenne. Ford selbst verpassten sie einen Indianernamen: Natani Nez, Großer Anführer.
"Ich war auf der ganzen Welt", sagte Ford über das Monument Valley, "aber ich halte diesen Ort für den vollkommensten, schönsten und friedlichsten der Erde."
Von Martin Wolf

SPIEGEL SPECIAL Geschichte 4/2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


SPIEGEL SPECIAL Geschichte 4/2008
Titelbild
Abo-Angebote

Sichern Sie sich weitere SPIEGEL-Titel im Abo zum Vorteilspreis!

Jetzt Abo sichern
Ältere SPIEGEL-Ausgaben

Kostenloses Archiv:
Stöbern Sie im kompletten SPIEGEL-Archiv seit
1947 – bis auf die vergangenen zwölf Monate kostenlos für Sie.

Wollen Sie ältere SPIEGEL-Ausgaben bestellen?
Hier erhalten Sie Ausgaben, die älter als drei Jahre sind.

  • Vergeltung gegen Israel: Rakete aus Gaza schlägt neben Autobahn ein
  • Buschfeuer in Australien: Das Schlimmste steht noch bevor
  • Hass gegen Politikerinnen: "Im tiefsten Inneren bedroht"
  • MIT-Video: Fußballspiel der Hunde-Roboter