23.08.2016

Vorsicht, bitte!

Verkehrsschilder warnen vor Handynutzern. Eine Software für die Produktionskette Ob wir konzentriert arbeiten oder nicht, können Sensoren messen. Gute E-Learning-Kurse auf Universitätsniveau
Smart am Arbeitsplatz Gläserner AckerWas denkst du?Per Klick nach Stanford
Eines Morgens wäre Jacob Sempler in Stockholm auf dem Weg durch die Stadt fast vor ein Auto gelaufen, weil er so vertieft in sein Smartphone war. Nach dem ersten Schreck beschloss der Grafiker, seine Erfahrung in eine ironische Kunstaktion umzumünzen. Zusammen mit einem Freund fertigte er drei Verkehrsschilder an, die nicht vor Elchen oder Hirschen warnen, sondern vor kreuzenden Handy-Usern, und installierte sie an belebten Straßenecken in der Stockholmer Innenstadt. Eine Weile hat die schwedische Polizei die neuen Warnschilder toleriert – mittlerweile sind sie aber wieder abgebaut.
Bodenqualität, Bewässerung, Transport. Mit dem Programm "We Trace" machen Bauern in Vietnam und anderen Ländern mit wenigen Klicks sämtliche Produktionsschritte des Gemüseanbaus transparent. In den Filialen einer nationalen Biokette können Kunden sich später per Touchscreen ein Bild machen, unter welchen Bedingungen Salat und Tomaten gewachsen sind. "Die asiatischen Bauern profitieren davon, auf diese Art ihre Qualitätsstandards zu zeigen. Biosiegel sind oft zu teuer", erklärt Stephan Kunz von der Kölner Firma Ki-AG, die "We Trace" entwickelt hat. Die benutzerfreundliche Software könnte man auch hierzulande einsetzen, doch noch zögern Biobetriebe. "Das würde sich ändern, wenn Verbraucher solche Einblicke fordern", glaubt Kunz. www.wetrace.org
Ein Headset mit Infrarotsender, der an der Stirn abliest, wie aufmerksam der Nutzer ist? Das klingt nach Science-Fiction. Doch der Informatiker Evan Peck von der Bucknell Universität in den USA tüftelt an so einem Gerät: Ein Sensor misst anhand des zurückgeworfenen Lichts, wie groß der Anteil der sauerstoffreichen beziehungsweise sauerstoffarmen Hämoglobinmoleküle im Blut ist und kann so ermitteln, ob jemand "frisch" oder unkonzentriert ist. Man hofft, die Technik in der Flugsicherheit einsetzen zu können: Der Sensor könnte Fluglotsen rückmelden, ob sie noch aufnahmefähig sind, weitere Maschinen zu navigieren, oder ob sie eine Pause brauchen. Das Thema Datensicherheit sei dann aber von zentraler Bedeutung, sagt Ben Willems von der US-Flugsicherheitsbehörde FFA. Es müsse sichergestellt werden, dass Vorgesetzte ihren Mitarbeitern nicht unerlaubt in den Kopf schauen.
Online schnell seinen Doktor machen? Das ist vielleicht doch zu hoch gegriffen. Es gibt aber eine große Auswahl an Moocs (Massive Open Online Courses), die Kursprogramme auf universitärem Niveau anbieten. Oft sind die Kosten überschaubar. Hier drei gute Plattformen:
Open.hpi.de: Das Hasso-Plattner-Institut in Potsdam stellt IT-Lernmodule zur Verfügung. Von "Wie baue ich eine eigene Webseite?" bis "IT-Recht für Softwareentwickler". Iversity.org: Das deutsch- und englischsprachige Portal bietet Kurse aus unterschiedlichsten Bereichen, zum Beispiel Mathe, Geschichte und Wirtschaft. Einige davon kann man sich für ein Studium anrechnen lassen.
Coursera.org: Zwei Stanford-Professoren sammeln hier Moocs von Hochschulen aus aller Welt. Die Sprache ist Englisch. Unter den deutschen Unis beteiligen sich etwa die TU München und die LMU München.

"Bildung kommt von Bildschirm und nicht von Buch, sonst hieße es ja Buchung."

Dieter Hildebrandt, Kabarettist

SPIEGEL WISSEN 4/2016
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