21.02.2017

IM FRITTIERSALON

Die Burgerbewegung in deutschen Großstädten schien in den vergangenen Jahren kaum zu stoppen: Im Wochenrhythmus eröffneten neue Imbissbuden, die von Architekten für viel Geld auf Bauruine oder Kuhstall gestylt worden waren, damit dort Mädels in Holzfällerhemden und Jungs mit Haardutt ganz authentisch Avocadocreme auf Sauerteigbrötchen streichen konnten, bevor sie eine Biotomatenscheibe und einen Klops Wagyu-Rind darauf anrichteten; die Süßkartoffelpommes servierten sie mit Trüffelmayonnaise.
Doch nun, jede Wette, ist der Sättigungsgrad erreicht. Und das gar nicht mal, weil es inzwischen zu viele Edelburgerläden geben würde; die Nachfrage ist noch immer größer als das Angebot. Sondern einfach, weil kein Wortspiel mehr frei ist für neue. "Burgermeister", "Burgeramt", "Burgerbüro", "Burgerinitiative", "Staatsburger", "Bundesburger", "Mitburger" – gibt es alle schon. Ebenso wie "Burgerwehr", "Gutburgerlich", "Burgernah" und "Einburgerung".
Die begabtesten Werbetexter des Landes haben früher Kreativwerkstätten wie "Kamm in" und "Hairport" gegründet, "Hauptsache", "Haareszeit" und "GmbHaar". Sie sind Friseure geworden. Heute werden sie Burgerbrater. Was von einem Berliner Imbiss geradezu genial auf den Begriff gebracht worden ist: "Frittiersalon". Die Namen sollen den Läden einen hippen, individuellen Touch verpassen, sollen liebevoll klingen und gern ein bisschen ironisch, so wie "Belegschaft" oder "Hochstapler", sollen also radikal andere Assoziationen wecken als McDonald's und Burger King, die internationalen Fastfoodfabriken. Meist sind die Namen tatsächlich kreativ – so kreativ wie eine Friseuse, die eine "freche Frisur" zaubert. Die Grenze zwischen einfallsreich und einfältig ist fließend.
Im vergangenen Jahr hat ein geschasster Franchisenehmer der Burgerkette "Hans im Glück" seine Filialen auf den Namen "Peter Pane" umgeflaggt. Pane, wie das Brot. Was wirklich Panne klingt, aber nur halb so Panne wie "Meatropolis", "Stier Royal", "Grillin' me softly", wie "Beef Brothers" und "Grilly Idol". Namen, die es alle gibt und die sich eigentlich nur ein Hornochse ausgedacht haben kann. Ah, Moment, den Laden "Hornochse" gibt es auch, in Köln, ebenso wie "Die Fette Kuh".
Die neuen Burgerbrater veredeln eine einfache Idee, sie pimpen ein Gericht, das als proletarisch galt, servieren einen Gourmetburger statt einem Big Mac, sie bedienen kulinarische Snobs. Doch an ihren Namen bleibt erkennbar, wo sie herkommen. So wie Kinder Kevin oder Chantal heißen, heißen sie "Me(e)at" und "Fritte schön".
Dass die Systemgastrokraken McDonald's und Burger King, diese globalen Riesenketten, endlich Konkurrenz bekommen von lokalen Anbietern, die oft auf biologische, fair gehandelte Zutaten setzen, die die Zubereitung mit viel Muße und handwerklichem Können angehen und die sich vermehrt vegetarische Alternativen zum Fleischklops ausdenken, ist eine gute Nachricht. Aber ein Burgerladen namens "Kuhmuhne"? Hairgott noch mal! tobias.becker@spiegel.de
Thomas Hannich@PLATNUM

SPIEGEL WISSEN 1/2017
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