25.04.2017

UNSERE ZUKUNFT

"Schwer zu erkennen"

Thomas Ahlmann vom "Dachverband FairWertung" über Nutzen und Probleme von Altkleidersammlungen
SPIEGEL: Herr Ahlmann, ist es nachhaltig, wenn man Altkleider in den nächsten Container wirft?
Ahlmann: Sinnvoll ist das schon. Es ist aber oftmals schwer zu erkennen, ob es sich um eine kommunale, gewerbliche oder gemeinnützige Altkleidersammlung handelt. Sogar das Logo einer sozialen Organisation ist keine Garantie, denn gelegentlich "vermieten" diese ihr Logo an Gewerbetreibende. Wir haben unter anderem aufgrund dieser Intransparenz das Zeichen FairWertung entwickelt. Es ist eine Orientierungshilfe für alle, die mit ihren aussortierten Textilien gemeinnützige Zwecke unterstützen möchten. Eine weitere sichere Art der Kleiderspende sind Sozialkaufhäuser.
SPIEGEL: Aber auch gemeinnützige Organisationen verkaufen Textilien zum Teil weiter. Das hat ihnen Kritik eingebracht.
Ahlmann: Viele Menschen machen sich nicht klar, dass in Deutschland im Jahr etwa eine Million Tonnen Alttextilien abgegeben werden – ein Vielfaches von dem, was wir hier vor Ort für soziale Arbeit brauchen. Die Überschüsse werden verkauft. Höherwertige Kleidung wird weitervermarktet. Sachen, die nicht mehr tragbar sind, werden fürs Recycling verkauft und beispielsweise in Putzlappen verwandelt. Das erwirtschaftete Geld fließt zurück in die gemeinnützigen Projekte.
SPIEGEL: Sollten wir, statt Container zu füllen, lieber weniger Kleidung kaufen?
Ahlmann: Statistiken belegen, dass in Deutschland immer mehr Textilien gekauft und bald wieder entsorgt werden, Stichwort "Fast Fashion". Es wäre wünschenswert, wenn Konsumenten weniger und dafür qualitativ hochwertige Kleidung kaufen würden. Weil alles andere ökologisch katastrophal ist. Aber im Hinblick auf Altkleider macht die Forderung ebenfalls Sinn. Auch hier gilt: Gebraucht werden vor allem tragbare und gut verarbeitete Textilien. fairwertung.de
Die große Nullnummer

Vancouver will müllfreie Stadt werden.
"Zero Waste" heißt die Kampagne, mit der die kanadische Großstadt Vancouver es schaffen will, ihren Müll bis 2020 zu halbieren und bis 2040 ganz los zu sein. Das klingt ehrgeizig. Und das ist es auch. Denn seit Beginn der Aktion im Jahr 2008 ist bisher erst eine Müllreduktion von 23 Prozent gelungen. "Doch das ist beachtlich, wenn man bedenkt, dass es vor dieser Zeit so gut wie kein ökologisches Bewusstsein hier gab", sagt die deutsche Zero-Waste-Bloggerin Shia Su, die in Vancouver lebt. Wie die Metropole in British Columbia ihre Pläne umsetzen will? Zum einen gibt es ein gutes Kompost- und Verwertungssystem für Bioabfälle, das immer weiter ausgebaut wird. Die Idee, in Geschäften Unverpacktes in Spendern oder großen Glasgefäßen anzubieten – Stichwort "bulk" –, hat in Kanada ohnehin Tradition. Dazu kommen unzählige Aktionen für mehr Nachhaltigkeit in der Stadt, etwa der "Waste-free Wednesday", an dem alle versuchen sollen, einen Tag lang keinen Müll zu produzieren. "Die Aktionen sind sehr präsent. Hier weiß mittlerweile jedes Kind, was Zero Waste bedeutet", sagt Shia Su.
Sonnenanbeter

Solarzellen für den Balkon sind praktisch. Aber sind sie auch legal?
Im Handel gibt es sie längst: Solarzellen für den Balkon, die in jede Steckdose passen. Die Minimodule mit je 200 oder 250 Watt brauchen keine aufwendige Installation. Doch anders als etwa in den Niederlanden, wo bereits 200 000 Menschen auf Balkonen selbst Strom erzeugen, gibt es in Deutschland eine juristische Grauzone. Der Elektrotechnikverband VDE steht auf dem Standpunkt, die Geräte am Markt entsprächen nicht den geltenden Sicherheitsnormen. "Wir sind der Meinung, dass kein Risiko besteht, wenn Anlagen bis 600 Watt an den Haushaltsstromkreis angeschlossen werden", sagt dagegen der Ingenieur Udo Siegfriedt, ein Gutachter der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie (DGS). Deshalb gibt es in der DGS jetzt eine Expertengruppe, die eine technische Unbedenklichkeit der Geräte nachweisen will. Siegfriedt plädiert außerdem dafür, sich hierzulande auf EU-Gesetzgebung zu verlegen und eine "Bagatellgrenze" bei der privaten Stromerzeugung – bei 600 Watt pro Haushalt – zuzulassen.
Wohlstand killt Umwelt

Das Wachstum der Weltbevölkerung bedroht die Natur.
Kaum etwas hat die Umweltzerstörung so vorangetrieben wie das immense Bevölkerungswachstum. Lebte um 1800 rund eine Milliarde Menschen auf der Erde, so sind es heute bereits mehr als sieben Milliarden, Tendenz weiter steigend. Für Ende des Jahrhunderts rechnen Experten gar mit mehr als zehn Milliarden. Zu einer wahren Bevölkerungsexplosion kam es insbesondere in Folge der voranschreitenden Industrialisierung und des damit verbundenen medizinischen Fortschritts.
Und alle Menschen träumen verständlicherweise von einem hohen Lebensstandard, wie er in den westlichen Ländern üblich ist. Dabei verbrauchen die Bewohner Nordamerikas und der Europäischen Union bei Weitem die meisten natürlichen Ressourcen. Es gilt die Faustformel: je weniger Armut, umso höher die Umweltbelastung. Ob die Natur das auf Dauer aushält?

SPIEGEL WISSEN 2/2017
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