17.10.2017

TIERISCH gut

Stubenrein

Eine Fotoserie porträtiert häusliche Idyllen der etwas Anderen Art.
Ein FRISIERTES Kaninchen, ein Schwein im Bett, eine Spinne auf der Tischdecke. Die amerikanische Fotografin Areca Roe hat für ihre Serie "Housebroken" drei Jahre lang ungewöhnliche Hausgenossen in ihrem Lebensraum fotografiert. Schon zu Beginn fiel ihr auf, dass die Wildtiere oft erstaunlich gut mit der häuslichen Umgebung, mit Möbeln, Tapeten und Überwürfen harmonierten – gleichzeitig aber vollkommen deplatziert wirkten. Dieses Spannungsfeld habe sie fasziniert, erzählt Roe. Die Besitzer, die Roe meist über soziale Medien auswählte, durften übrigens mitbestimmen, an welchen Plätzen im Haus ihre tierischen Mitbewohner fotografiert wurden. Den Fotoband kann man auf Etsy bestellen: www.etsy.com/shop/ArecaRoeArt

Niesbrauch

Afrikanische Wildhunde stimmen ab, indem sie durch die Nase schnauben.
Der australische Zoologe Neil Jordan und sein Team haben bei der Erforschung afrikanischer Wildhunde im Okavangodelta gerade eine erstaunliche Entdeckung gemacht: Die Hunde niesen ziemlich häufig, wenn sie zusammenliegen. Grund dafür sind weder Erkältungen noch Allergien. Das Niesen ist ein Abstimmungssystem, mit dem die Gruppe sich einigt, wann sie zur Jagd aufbricht. Bei der Beobachtung fünf unterschiedlicher Rudel fanden die Wissenschaftler immer wieder das gleiche Verhaltensmuster: Sobald etwa zehn Tiere nacheinander geniest hatten, machte sich die Meute auf. Zählten die Forscher weniger Hatschis, blieb das Rudel liegen. Komplett demokratisch geht es unter Wildhunden allerdings nicht zu. Niesen die Anführer, sind weit weniger Stimmen nötig.

Schwein gehabt

Ein Unternehmer kämpft gegen Industriefleisch.
Sie grunzen in die Kamera, wühlen im Schlamm, wälzen sich im Stroh. Die Schweine, die der Berliner Unternehmer Dennis Buchmann auf seiner Website mit Fotos, Nummern und kleinen Beschreibungen vorstellt, sind dennoch zum Verkauf und Verzehr gedacht. Auch auf Fleisch- und Wurstwaren klebt später ein Foto des Schweins. "So bekommt der Verbraucher eine stärkere Bindung zum Tier, das er isst", sagt Buchmann. Und die ist nötig, um einen bewussten Umgang mit Fleisch zu fördern. Wenn man im Supermarkt abgepacktes Industriefleisch kauft, ist das so abstrakt, dass man sich nur selten fragt, wie das Schwein wohl gelebt hat. Die Biobauern, mit denen Buchmann zusammenarbeitet, gewähren ihren Schweinen ein gutes Leben – und machen das transparent. Schlachten tun sie trotzdem. "Ich glaube, dass wir Fleisch essen dürfen", sagt Buchmann. "Nur haben wir eine Verantwortung, wie wir Nutztiere halten." Also: Face it! www.meinekleinefarm.org

"Sie denken mit den Armen"

Die Naturforscherin und Journalistin Sy Montgomery über die Intelligenz von Kraken
SPIEGEL: Kann man wirklich ein ganzes Buch über Kraken schreiben?
Montgomery: Warum nicht? Schon bei meiner ersten Begegnung mit einem Oktopus im New England Aquarium in Boston wurde mir klar, wie schlau und kommunikationsfähig diese Tiere sind. Der Oktopus war neugierig, beobachtete mich. Irgendwann schwamm er auf mich zu, seine Hautfarbe wechselte von weiß nach hellrot, was auf Freude und Aufregung hindeutet. Beim nächsten Treffen kam das Tier sofort zu meiner Seite des Beckens geschwommen.
SPIEGEL: Kraken erkennen Menschen wieder?
Montgomery: Im Aquarium von Seattle wurde ein Experiment durchgeführt, bei dem Kraken von einer Gruppe Freiwilliger gefüttert, von einer anderen Gruppe mit einem borstigen Stock berührt wurden. Bereits beim zweiten Besuch erkannten die Kraken, wer Freund oder Feind war: Diejenigen, die sie mit dem Stock gepiesackt hatten, wurden gemieden – oder mit Wasser bespritzt.
SPIEGEL: Einige Wissenschaftler sprechen heute davon, dass Kraken ein Bewusstsein haben könnten.
Montgomery: Kraken zeigen jedenfalls unzählige Verhaltensweisen, die auf so etwas wie Bewusstsein hindeuten, wenigstens aber auf sehr viel Intelligenz. Sie sind Meister im Tricksen, können einen Eimer mit Fischen vor ihren Wärtern verstecken. Letztlich beobachten wir bei Kraken ähnliche Verhaltensweisen, wie wir sie sonst von Säugetieren wie Delfinen oder Affen kennen.
SPIEGEL: Wirbellose wie Kraken gelten als weniger "hoch entwickelt" ...
Montgomery: Zoologische Klassifikationen sind vor allem von der Erscheinung geprägt. Beispielsweise wurde danach systematisiert, wo das Gehirn eines Tiers sitzt, wie groß es ist. Von Kraken wissen wir aber, dass sie neuronal hoch entwickelt sind – nur ist ihr Gehirn quasi um den Hals geschlungen. Erste Studien weisen darauf hin, dass Kraken auch mit den Armen denken: Die Tentakel haben unterschiedliche Funktionen, sind etwa für Kontaktaufnahme oder Jagd zuständig.
Sy Montgomery Rendezvous mit einem Oktopus. Mare; 336 Seiten; 28 Euro.

Zitat

"Die Kenntnis der Tiere ist eine Voraussetzung für die Selbsterkenntnis des Menschen."
Bernhard Grzimek, Tierarzt und Verhaltensforscher (1909 bis 1987)

SPIEGEL WISSEN 5/2017
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