07.05.2013

ISLAMEIN GOTT, SEIN PROPHET, SEIN GESETZ

MIT RUND 1,3 MILLIARDEN Gläubigen ist der Islam heute nach dem Christentum die zweitgrößte und am stärksten expandierende Weltreligion. Auf dem Gebiet des heutigen Deutschland gibt es muslimische Spuren schon seit dem 17. Jahrhundert. Die ersten muslimischen Vereine wurden in den zwanziger Jahren in Berlin gegründet. In der Bundesrepublik stieg die Zahl der Muslime dann spürbar an - durch Arbeitsmigranten aus der Türkei, dem damaligen Jugoslawien und Nordafrika.
Heute leben hierzulande rund vier Millionen Muslime. Auch in Deutschland ist der Islam damit nach dem Christentum die Religion mit den meisten Anhängern. Die Mehrheit sind Sunniten, gefolgt von Aleviten und Schiiten. Rund 55 Prozent sind ausländische Staatsangehörige.
Allen muslimischen Konfessionen gemeinsam ist der Glaube an einen einzigen Gott und an den Propheten Mohammed als göttlichen Gesandten. Der Religionsstifter lebte im 6. und 7. Jahrhundert auf der Arabischen Halbinsel. Das Bekenntnis zu ihm und dem einen Gott ist die erste der fünf Grundpflichten des Islam. Dazu kommen das fünfmal täglich zu verrichtende Ritualgebet, das Fasten im Monat Ramadan, das Pflichtalmosen und die Wallfahrt nach Mekka. Der Genuss von Alkohol und Schweinefleisch ist ebenso verboten wie Glücksspiel und Unzucht.
Da das erste islamische Gemeinwesen, dem Mohammed vorstand, Glaubensgemeinschaft und Staat zugleich war, enthält die Heilige Schrift des Islam, der Koran, auch politische Anweisungen und Regelungen des Familien-, Erb- und Strafrechts. Diese enge Verbindung von Staat und Religion wirkt in Teilen der islamischen Welt bis heute fort; verschiedene fundamentalistische Bewegungen streben danach, die Einheit von Politik und Religion auf Grundlage des islamischen Rechts ("Scharia") durchzusetzen.
In Deutschland bejaht die Mehrheit der Muslime jedoch das Grundgesetz sowie das hier übliche partnerschaftliche Verhältnis von Staat und Religionsgemeinschaften. Auch beim Streitthema Kopftuch sind die Muslime hierzulande eher liberal eingestellt: 53 Prozent lehnen es ab. Dennoch begegnen viele Deutsche dem Islam mit Unbehagen, vor allem seit den Anschlägen vom 11. September 2001. 48 Prozent befürchten laut einer aktuellen Allensbach-Umfrage für die "Frankfurter Allgemeine", dass es in nächster Zeit auch in Deutschland zu Spannungen mit der muslimischen Bevölkerung kommen könnte. 70 Prozent assoziieren mit dem Islam Fanatismus und Radikalität. Nur 22 Prozent finden, der Islam gehöre inzwischen zu Deutschland wie das Christentum.
IMMERHIN HABEN SICH das Image des Islam und die Integration der Muslime in die deutsche Gesellschaft teilweise wieder verbessert. Nur 19 Prozent der Deutschen glauben noch, dass die islamische Religion als Ganzes eine Gefahr darstellt; 2001 meinten das noch 31 Prozent. Mehr als jeder Dritte ist zudem mit einem Muslim bekannt oder befreundet. Und auch beim Thema islamischer Religionsunterricht gibt es nach langem Hin und Her Fortschritte: Im vergangenen Herbst hat Nordrhein-Westfalen als erstes Bundesland islamischen Religionsunterricht als ordentliches Lehrfach eingeführt.

SPIEGEL WISSEN 2/2013
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