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Ausgabe 31/2016

Türkei nach dem Putsch Jagd auf Gülen-Anhänger

Der türkische Präsident Erdogan geht gnadenlos gegen mutmaßliche Anhänger des Predigers Gülen vor. Steckt dessen Gemeinde tatsächlich hinter dem gescheiterten Putsch? Von Onur Burçak Belli, Eren Çaylan und Maximilian Popp


Recep Tayyip Erdogan
AP

Recep Tayyip Erdogan

Zwei Jahrzehnte lang, sagt Oberstleutnant Levent Türkkan, habe er im türkischen Militär vor allem eine Aufgabe gehabt: nicht aufzufallen. Er diente in der Infanterie, stieg auf zum Offizier und später zum Adjutanten des Generalstabschefs. Seine Loyalität jedoch galt offenbar nicht seinem Dienstherrn oder dem türkischen Staat – sondern Fethullah Gülen, jenem Prediger, dem die Regierung Präsident Recep Tayyip Erdogans vorwirft, den gescheiterten Putsch vom 15. Juli orchestriert zu haben, bei dem mindestens 270 Menschen ums Leben kamen.

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Heft 31/2016
Wie Deutschland sich gegen den Terror wehren kann

Erdogan bezeichnete Gülen, der seit Ende der Neunzigerjahre in den USA im Exil lebt, einst als "Freund". Heute beschimpft er ihn als "Terrorführer" und "Faschisten". Er hat in den vergangenen Tagen Tausende Soldaten, Lehrer, Richter und Akademiker festnehmen lassen, die er der Komplizenschaft mit dem Prediger bezichtigt. Seine Regierung hat bislang jedoch keine eindeutigen Beweise erbracht, dass Gülen wirklich hinter dem blutigen Aufstand steckt.

Oberstleutnant Türkkan gilt den Gülen-Gegnern nun als Kronzeuge. Er sagte vergangene Woche als erster mutmaßlicher Verschwörer gegenüber der Staatsanwaltschaft aus, dass Gülen-Kader im Militär den Putschbefehl erteilt hätten.

Türkkan stammt aus einer armen Bauernfamilie. Er träumte schon als Kind davon, Soldat zu werden. Laut dem Vernehmungsprotokoll, das der SPIEGEL einsehen konnte, haben ihm Gülen-Anhänger bei der Aufnahme auf die Kadettenschule geholfen, indem sie ihm die Fragen für den Eignungstest vorab zukommen ließen. Türkkan meinte fortan offenbar, in der Schuld Gülens zu stehen.

Lange Zeit trug die Gemeinde keine Aufgabe an ihn heran. Erst als er zum Helfer des Generalstabschefs befördert wurde, seien Gülen-Kader auf ihn zugekommen, sagte Türkkan in dem Verhör. Sie hätten ihn aufgefordert, jeden Morgen Wanzen im Büro seines Chefs zu platzieren und abends wieder abzumontieren. Türkkan erledigte den Job über mehrere Jahre hinweg, ohne mit jemandem darüber zu reden. Er wusste bis zur Putschnacht nicht, wer außer ihm im Militär der Gülen-Bewegung angehörte. Er trank Alkohol und brach das Fastengebot im Ramadan, um nicht als Anhänger der islamistischen Gülen-Bewegung aufzufallen.

Türkkans Geständnis ist womöglich unter Folter erpresst worden. Fotos der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu Ajans zeigen ihn mit Schrammen im Gesicht und Bandagen um die Hände. Seine Aussagen aber sind derart detailliert, dass viele Experten sie dennoch für glaubwürdig halten.

Erdogan nutzt den Aufruhr nach dem Putschversuch, um Gülen-Unterstützer endgültig aus dem Weg zu räumen

Erdogan hat in den Tagen nach dem Putschversuch den Rest der Welt verstört durch den Furor, mit dem er gegen Kritiker vorgeht, und das Tempo, mit dem er sein Land in eine Diktatur verwandelt.

Anti-Gülen-Demonstranten in Istanbul
AFP

Anti-Gülen-Demonstranten in Istanbul

Doch die Vorwürfe gegen die Gülen-Gemeinde scheinen nicht gänzlich unbegründet. In der Türkei bezweifelt kaum jemand, dass Gülen oder seine Anhänger zumindest teilweise an dem Aufstand beteiligt waren.

Der türkische Generalstabschef Hulusi Akar, der am 15. Juli vorübergehend von den Putschisten festgenommen worden war, gab am Montag vor Gericht an, die Geiselnehmer hätten ihn gedrängt, mit ihrem "Anführer", Fethullah Gülen, zu telefonieren. Der ehemalige Istanbuler Polizeidirektor Hanefi Avci sagt, die Gülen-Gemeinde sei die einzige Gruppierung in der Türkei, die über die Ressourcen, das Personal und die Skrupellosigkeit verfüge, eine derartige Operation durchzuführen. Er glaubt, Mitglieder anderer Fraktionen im Militär hätten sich dem Coup lediglich angeschlossen.

Selbst die Oppositionsparteien sind beim Thema Gülen ausnahmsweise einer Meinung mit der Regierung. "Wir warnen seit Jahren vor der antidemokratischen Gesinnung der Gülen-Bewegung", sagt der Vorsitzende der prokurdischen Partei HDP, Selahattin Demirta. Der Chef der türkischen Sozialdemokraten, Kemal Kiliçdaroglu, unterstützte am Dienstag die Forderung Erdogans, Gülen solle in der Türkei vor Gericht gestellt werden.

Gülen weist jede Schuld von sich. "Es ist absurd, unverantwortlich und falsch zu behaupten, ich hätte irgendetwas mit diesem schrecklichen Putschversuch zu tun", sagt er in seinem Exil im US-Bundesstaat Pennsylvania. Seine Anhänger geben sich modern und tolerant. Sie haben in mehr als 140 Ländern Schulen gegründet, Universitäten, Kliniken, Medienhäuser.

Die Gemeinde war in den vergangenen Jahren immer wieder in unlautere Machenschaften verstrickt. US-Diplomaten warnten bereits 2010 vor einer Unterwanderung des türkischen Staates durch Gülen-Anhänger. Der Istanbuler Journalist Ahmet Sik beschrieb 2011 in dem Buch "Armee des Imams", wie Gülen-Kader in Polizei, Justiz und Medien Gegner mit Verleumdungskampagnen unter Druck setzten. Er wurde unter fadenscheinigen Gründen für ein Jahr ins Gefängnis gesteckt.

Erdogan hat die Gülen-Kader in ihrem Treiben lange Zeit unterstützt. Schließlich richteten sich die Attacken der Gemeinde vor allem gegen seine Gegner: Angehörige des Militärs, Journalisten, Säkulare, Linke. Erst als sich Erdogan und Gülen 2011 überwarfen, begann der Premier, gegen die Anhänger des Predigers vorzugehen.

Mit dem Putschversuch vom 15. Juli hat der Konflikt zwischen Erdogan und der Gülen-Gemeinde den vorläufigen Höhepunkt erreicht: Erdogan nutzt den Aufruhr, um Gülen-Unterstützer endgültig aus dem Weg zu räumen – und mit ihnen auch viele weitere Oppositionelle, die er ohne Beweise zu ihnen rechnet. Seine Regierung hat in den vergangenen Tagen Zehntausende Staatsbeamte suspendiert oder verhaften lassen – Lehrer, Richter, Staatsanwälte, Journalisten, Akademiker. Der Präsident hat gegen vermeintliche Gülen-Anhänger eine Hexenjagd entfacht, die an die Kommunistenverfolgung in den USA der Fünfzigerjahre unter dem Senator Joseph McCarthy erinnert. Selbst die teilstaatliche Fluglinie Turkish Airlines hat diese Woche 211 Mitarbeitern gekündigt, die sie der Sympathie für Gülen verdächtigt.

Der Westen hat den Konflikt zwischen Erdogan und der Gülen-Bewegung bislang als innertürkischen Konflikt betrachtet. Diesen Luxus werden sich die Regierungen in Berlin, Brüssel und Washington nicht länger leisten können. Schon jetzt kam es in deutschen Städten zu Auseinandersetzungen zwischen Anhängern und Gegnern des Putschs, griffen AKP-Unterstützer Einrichtungen der Gülen-Bewegung an. US-Präsident Barack Obama wird bald entscheiden müssen, ob er dem Gesuch der Regierung in Ankara nachgibt und Gülen an die Türkei ausliefert. Auch von Deutschland fordert die türkische Regierung nun die Auslieferung von dessen Anhängern.

Gülen gab sich nicht mehr damit zufrieden, Gebete zu halten und Spenden zu sammeln. Er wollte die Gesellschaft umbauen.

Die Geschichte der Rivalität zwischen Erdogan und Gülen ist eine Geschichte über Glauben und Verrat, über zwei große muslimisch-nationalistische Verführer, die die Türkei zunächst umkrempelten – und nun in den Abgrund führen.

Gülen inszeniert sich als weltoffener Islamgelehrter, der auf einem Anwesen in den Wäldern Pennsylvanias lebt und für die Verständigung zwischen den Religionen eintritt. Menschen, die mit ihm gebrochen haben, beschreiben ihn hingegen als Guru, als Ideologen, der keinen Widerspruch duldet.

Die Gemeinde verfügt über kein Mitgliedsregister, keine Adresse. Sie gibt vor, eine lose Bewegung zu sein, ist jedoch in Wahrheit straff organisiert. Gülen bestimmt Kurs und Ausrichtung. Ihm folgen seine engsten Vertrauten, die sogenannten großen Brüder. Sie kontrollieren die wichtigsten Unternehmen der Gemeinde, leiten Befehle an Untergebene weiter.

Latif Erdogan
EMIN OZMEN/LEJOURNAL

Latif Erdogan

Der Publizist Latif Erdogan kennt Gülen seit Jahrzehnten. Er hat die Gemeinde mitaufgebaut, war selbst ein "großer Bruder", die Nummer zwei der Bewegung. Vor fünf Jahren hat er sich von der Gemeinde losgesagt: "Viele unserer Anhänger haben sich nicht mehr für Spiritualität interessiert, sondern nur noch für Politik und Geld."

Latif Erdogan, der nicht mit dem Präsidenten verwandt ist, sitzt in seinem Büro am Stadtrand von Istanbul. Im Regal stehen Bücher über den Islam aneinandergereiht. "Gülen hätte als Religionsgelehrter und Wohltäter in die Geschichte eingehen können", sagt er. "Nun wird sein Name auf ewig mit dem schändlichen Coup verbunden bleiben." Latif Erdogan ist überzeugt davon, dass Gülen-Anhänger den Aufstand angezettelt haben. Er glaubt auch zu wissen, warum: "Die Macht hat diese Gemeinde korrumpiert."

Gülen wurde 1941 in Ostanatolien geboren und begann seine Karriere in den Sechzigerjahren als Imam in Edirne. "Er war ein fantastischer Redner", erinnert sich Latif Erdogan. "Die Menschen brachen bei seinen Predigten in Tränen aus." Gülen sammelte Geld, um Schulen zu bauen und Wohnungen für fromme Schüler und Studenten zu mieten, die damals vom Staat benachteiligt wurden.

Innerhalb weniger Jahre wuchs die Gemeinde von einer Gruppe zu einer internationalen Bewegung an. Gülen gab sich nicht mehr damit zufrieden, Gebete zu halten und Spenden zu sammeln. Er wollte die Gesellschaft umbauen.

In einer geheimen Predigt rief Gülen in den Achtzigerjahren seine Schüler dazu auf, den türkischen Staat zu unterwandern und sich konspirativ zu verhalten, bis die Zeit zur Machtübernahme reif sei: "Ihr müsst in die Arterien des Systems eindringen, ohne dabei bemerkt zu werden. Ihr müsst warten, bis der richtige Moment gekommen ist, bis ihr die gesamte Staatsmacht an euch gerissen habt." Als ein Mitschnitt der Rede 1999 an die Öffentlichkeit geriet, floh Gülen in die USA. Er behauptet, das Tonband sei manipuliert worden, Jahre später sprach ihn ein Gericht vom Vorwurf des Landesverrats frei.

Der Aufstieg der islamisch-konservativen Partei für Gerechtigkeit und Aufschwung (AKP) bot Gülen schließlich die Chance, die türkische Politik mitzubestimmen. Der damalige Vorsitzende der AKP, Erdogan, sah in dem Prediger nach seinem Wahlsieg 2002 einen Verbündeten im Kampf gegen das säkulare Establishment. Erdogan besetzte als Premier Schlüsselpositionen in der Regierung und Verwaltung mit Kadern der Gülen-Gemeinde.

Vom Bündnis zwischen Erdogan und Gülen profitierten lange Zeit beide Lager: Erdogan verschaffte Unternehmern der Gemeinde Staatsaufträge, mit seiner Hilfe breiteten sich Gülen-Anhänger in Ministerien, Justiz und Polizei aus. Die Lobbygruppen Gülens im Ausland wiederum vermarkteten Erdogan als muslimischen Demokraten, die Medien der Gemeinde und die Tageszeitung "Zaman" betrieben damals noch unverhohlen Propaganda für den Regierungschef. Gemeinsam verdrängten Erdogan und Gülen das Militär aus der Politik.

In den sogenannten Ergenekon- und Vorschlaghammer-Prozessen wurden Hunderte Generäle, Admiräle, Offiziere gemeinsam mit Oppositionellen, Journalisten, Akademikern ab 2008 als vermeintliche Putschisten teils zu lebenslangen Haftstrafen verurteilt. Ein Großteil der Beweise gegen sie war von Gülen-nahen Ermittlern und Staatsanwälten fingiert worden. Erst mehrere Jahre später wurden die Betroffenen rehabilitiert.

"Warum verwandelt die Regierung das ganze Land in ein Gefängnis?"

Die Prozesse rissen eine Lücke ins Militär. Sie ebneten dem Gülen-Kader zugleich den Weg an die Spitze der Streitkräfte. Die Gemeinde hatte sich seit den Achtzigerjahren darum bemüht, im Militär Fuß zu fassen. Nun erst war der Widerstand der laizistischen Generalität gebrochen.

Mit dem Sieg über die alten Eliten der Gesellschaft ging Erdogan und Gülen der gemeinsame Feind verloren. 2011 fühlte Erdogan sich nach seinem dritten Wahlsieg in Folge nicht länger auf die Unterstützung der Gemeinde angewiesen und begann, ihre Anhänger aus dem Staatsapparat zu entfernen. Gülen-Kader in der Polizei verhafteten daraufhin vorübergehend den Geheimdienstchef Hakan Fidan, einen engen Vertrauten des Premiers. Erdogan betrachtete das Manöver als Kriegserklärung. Er kündigte im Herbst 2013 an, die Gülen-Schulen in der Türkei schließen zu lassen, die wichtigste Rekrutierungsquelle der Bewegung.

Spätestens zu diesem Zeitpunkt war jedem in der Türkei klar, dass die Auseinandersetzung zwischen Erdogan und Gülen auf einen Vernichtungskampf hinausläuft. Die Gülen-Gemeinde setzte alles daran, den Premier loszuwerden. Sie eröffnete Korruptionsermittlungen gegen Erdogans Sohn Bilal und weitere Vertraute des Regierungschefs und veröffentlichte diskreditierende Telefonmitschnitte.

Erdogan überstand auch diese Krise und schlug nur noch härter zurück: Seine Regierung erklärte die Gülen-Gemeinde im Mai 2016 zur "Terrororganisation", stellte Gülen-nahe Medien wie die "Zaman" unter staatliche Aufsicht. Manche Beobachter interpretieren den Militärputsch als einen letzten verzweifelten Versuch der Gülen-Gemeinde, Boden zurückzugewinnen.

Erdogan hatte vor dem 15. Juli sein Verhältnis zum Militär gerade neu geordnet. Er hatte sich von den Ergenekon-Prozessen distanziert. Er war wieder auf Israel und Russland zugegangen, ein Schritt, den etliche Generäle begrüßten. "Die Gülen-Bewegung hatte als einzige Gruppe innerhalb der Streitkräfte ein Motiv für den Coup", sagt der frühere Militärrichter Ahmet Zeki Ücok.

Mehr als zwei Wochen nach dem gescheiterten Staatsstreich sind die Details des Manövers noch immer unklar. Nach wie vor lässt sich nicht mit Sicherheit sagen, wie die Putschisten die Tat vorbereiteten und woran das Vorhaben letztlich gescheitert ist. Doch immer deutlicher zeichnet sich ab, dass die Nacht vom 15. Juli das Land nachhaltig verändern wird.

Erdogans Säuberungsaktion richtet sich jedoch längst nicht mehr nur gegen Gülen-Anhänger. Am Mittwochabend ließ seine Regierung 45 Zeitungen und 16 Fernsehsender schließen, darunter der prokurdische Kanal IMC TV und die linksliberale Tageszeitung "Taraf". Gegen 47 Mitarbeiter der "Zaman" wurde Haftbefehl erlassen.

Der Menschenrechtsanwalt Orhan Kemal Cengiz war auf dem Weg nach London, als er am Flughafen in Istanbul von der Polizei festgenommen wurde. Cengiz gilt als einer der profiliertesten Juristen der Türkei. Er hat Kurden vor Gericht vertreten, Christen, zuletzt die Zeitung "Zaman". Nun sollte er sich für regierungskritische Tweets rechtfertigen, die er vor mehr als einem Jahr veröffentlicht hatte.

Cengiz blieb vier Tage in Haft. Er darf die Türkei nicht verlassen. "Ich verstehe, dass die Regierung gegen Putschisten vorgeht", sagt er, "aber warum verwandelt sie das ganze Land in ein Gefängnis?"

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Heft 31/2016
Wie Deutschland sich gegen den Terror wehren kann


insgesamt 19 Beiträge
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Seite 1
sojetztja 31.07.2016
1.
Ich sag mal so: Die Gülen-Bewegung ist nicht ohne. Ob sie für den "tiefen Staat" verantwortlich ist, sei mal dahingestellt, aber nationalistisch und - zumindest partiell - fundamentalistisch ist sie auf jeden Fall (deswegen waren Gülen und ERdogan ja auch bis vor gar nicht allzu langer Zeit "best friends"). Für den Putsch wird sie wohl nicht veantwortlich sein. Stünde Gülen mit seiner Infrastruktur dahinter, hätte der Putsch mehr zivile Unterstützung erfahren und wäre wohl nicht so sang- und klanglos gescheitert!
claudio_im_osten 31.07.2016
2. Erschreckend...
...was da über die Zustände in der angeblich demokratischen Türkei nach und nach herauskommt. Wir müssen uns aus solchen Verhältnissen heraushalten. Solch eine Clique gehört nicht zu Europa - und unsere Soldaten nach Hause. Sofort.
Atheist_Crusader 31.07.2016
3.
Zitat von sojetztjaIch sag mal so: Die Gülen-Bewegung ist nicht ohne. Ob sie für den "tiefen Staat" verantwortlich ist, sei mal dahingestellt, aber nationalistisch und - zumindest partiell - fundamentalistisch ist sie auf jeden Fall (deswegen waren Gülen und ERdogan ja auch bis vor gar nicht allzu langer Zeit "best friends"). Für den Putsch wird sie wohl nicht veantwortlich sein. Stünde Gülen mit seiner Infrastruktur dahinter, hätte der Putsch mehr zivile Unterstützung erfahren und wäre wohl nicht so sang- und klanglos gescheitert!
Eben. Wenn man so einen bekannte Figur auf seiner Seite hat, würde man dessen Popularität auch nutzen. Alle sozialen Netzwerke und Nachrichtendienste wären voll von Aufforderungen an Gülen-Anhänger gewesen, den Putsch zu unterstützen.
Havel Pavel 31.07.2016
4. Anfeindungen gegen Menschen haben in Deutschland nichts zu suchen
Das geht gar nicht, dass andersdenkende Menschen hier in Deutschland angefeindet und diskriminiert werden, hier soll jeder in Frieden und Sicherheit leben können, der Staat trägt hierfür die Verantwortung und hat gefährdete Menschen zu schutzen, das ist die Verpflichtung des Rechtsstaates! Dabei darf es keine Rolle spielen ob es der Schutz von Juden ist oder in diesem Fall halt die Gülle Bewegung.
Yabanci Unsur 31.07.2016
5. Falsche Helden
Mit dem Korruptionsskandal vom Dezember 2013 endete die fruchtbare Allianz zwischen Erdoğan und Gülen zur Zerstörung der Demokratie. Bis zu dem Zeitpunkt hat die Gülen-Presse illegale Lauschangriffe und gefälschte Dokumente verbreitet, um Armee, Bürokratie und oppositionelle Medien und Parteien zu diskreditieren. Dann wurden sie selbst Opfer und alles, was vorher war, sollte vergeben und vergessen sein. Eine Aufarbeitung im Sinne einer Offenlegung ihrer Machenschaften fand nie statt. Der Westen war zu glücklich über die neue Opposition, dass er auf die Forderung nach Ent-Gülen-ifizierung verzichtete. Heute wendet die AKP die gleiche Taktik an: wir sind das Opfer eines Putschversuches, lasst uns alles vergeben und vergessen, was früher war. Die neuen Helden des Westens, die ach so unschuldigen Gülenisten, könnten den Lügen der AKP Einhalt gebieten, indem sie die Wahrheit der jahrzehntelangen Zusammenarbeit offenlegen. Stattdessen wird da etwas aus einem armen Kerl herausgeprügelt. Damit können beide Demokratiefeinde leben: die AKP, weil sie einen Kronzeugen hat, die Gülenisten, weil sie weiter Opfer spielen dürfen.
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