08.12.2014

ErklärvideosSchrödingers Katze

Im WG-Zimmer des Kölner Lehramtsstudenten Simon Wessel-Therhorn (Foto unten) hängt eine grüne Schultafel, er hat sie selbst gebaut und zwischen zwei Ikea-Regalen an die Wand montiert. Ursprünglich wollte er darauf nur ein paar Notizen machen, doch dann hatte er die Idee, sie wie ein Lehrer zu benutzen und sich dabei zu filmen. Die Videos sollten ihm und seinem Kommilitonen Eduard Flemmer als Lehrmaterial dienen, als eine Art filmische Karteikarte für ihr Physikstudium. Die Technik bewährte sich, und die beiden Hochschüler beschlossen, ihren Privatunterricht zu professionalisieren und auf einem YouTube-Kanal zu veröffentlichen. Er heißt wtcologne und ist mittlerweile ein Geheimtipp für Physikstudenten und Gymnasiasten geworden, die endlich verstehen wollen, was ihr Lehrer da vorn im Klassenzimmer so vor sich hin schwadroniert.
In ihren Filmen, die sie "Lekkerwissen" genannt haben, beschäftigen sich Wessel-Therhorn, 28, und Flemmer, 32, auf sehr anschauliche und unterhaltsame Weise mit zum Teil komplexen physikalischen Themen - und lassen dabei erahnen, dass sie beide wahrscheinlich sehr gute Lehrer werden. Unter anderem erklärt das Duo den Unterschied zwischen "Kalorie" und "Joule", den "Magnus-Effekt" oder ein unter Physikern weltbekanntes Gedankenexperiment namens "Schrödingers Katze": Dabei geht es laut Lexikon um "die direkte Übertragung quantenmechanischer Begriffe auf die makroskopische Welt in Form eines Paradoxons". Nicht verstanden? Dann einfach wtcologne einschalten!
"Wir wollen den Leuten zeigen, wie toll Physik ist", sagt Flemmer. "Gleichzeitig möchten wir jedoch einen gewissen Bildungsanspruch erfüllen." Dass das Konzept funktioniert, ahnen die beiden Regisseure immer dann, wenn sie die Kommentare unter ihren mittlerweile aufwendiger produzierten Filmen lesen: "Das ist tatsächlich das erste Video über dieses Thema, das ich verstehe", schreibt jemand. Oder: "Du erklärst das 1000 Mal besser als meine Lehrerin."

UniSPIEGEL 6/2014
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