08.04.2017

"Mini-Meteoroiden einfangen"

Ihsan Kaplan, 23, jagt Sternenstaub. Mit seinem Projekt hat der Student der TU Hamburg einen europäischen Raumfahrtwettbewerb gewonnen. Ein Ballon bringt seine Messgeräte ins All.
Ihsan, du willst mit einem Fesselballon im All Staub fangen. Wie das? Einfach ausgedrückt: Wir wollen Mini-Meteoroiden einsammeln. Davon gibt es sehr viele, überall um uns herum. Aber auf der Erde kann man sie kaum von anderen Partikeln unterscheiden. Oben in der Stratosphäre ist die Luft so rein, dass wir die Materie viel besser auffangen können. Manche Teilchen sind so klein und leicht, dass sie nur wenige Meter am Tag zurücklegen. Die Idee hat auch die Jury eines Raumfahrtwettbewerbs überzeugt. Auf der Website des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt bin ich darauf gestoßen. Und dachte mir: Kann ich ja mal probieren. Man kann sich in zwei Kategorien bewerben, für den Stratosphären-Ballon BEXUS für eine Höhe von bis zu 35 Kilometern und für das Raketenprogramm REXUS in 90 Kilometern Höhe. Beide haben Experimente aus dem Wettbewerb an Bord. Was versprichst du dir von der Mission? Mittlerweile sind wir ein Team von 22 Studierenden. Wir suchen nach Eisen- und Nickelteilchen, die wir mit einem Magneten einfangen wollen. Die Methode haben wir selbst entwickelt. Außerdem hoffen wir, dass steinhaltige Teilchen an unserer Klebefolie haften bleiben. Vielleicht erwischen wir auch Mars- oder Mondpartikel oder entdecken ganz neue Mineralien. Was fasziniert dich am All? Ich studiere Maschinenbau, aber ich war immer ein Weltraum-Enthusiast. Im All ist noch so vieles unerforscht. Als Nächstes möchte ich bei einem Wettbewerb ein Experiment einreichen, das der deutsche Astronaut Alexander Gerst an Bord der Raumstation ISS durchführen kann. Dein Projekt nennst du "High Altitude Meteoroids-dust-catching-Balloon constrUcted by a Revolutionary Generation" oder kurz HAMBURG. Ein bisschen pathetisch, oder? Ich bin in Hamburg geboren und aufgewachsen. Meine Eltern stammen aus der Türkei. Hamburg hat mir viel ermöglicht: Schule und Universität, aber auch Besuche im Planetarium oder der Sternwarte. Wäre ich woanders groß geworden, hätte ich diese Möglichkeiten nicht gehabt.

UniSPIEGEL 2/2017
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