12.05.2018

BloggerNathan vs. AfD

Seit anderthalb Jahren sammelt der Programmierer und Internetaktivist Nathan Mattes Zitate von AfD-Politikern. Dann veröffentlicht er sie im Netz, auf seiner Website Wir-sind-afd.de. Dagegen hat die Partei im Februar geklagt – und recht bekommen.
Nathan, wieso hat dich die AfD verklagt? Wegen einer Namensrechtsverletzung, so nennt sich das. Sie wirft mir vor, meine Seite suggeriere, zur AfD zu gehören. Das würde den gemeinen Bürger verwirren. Musst du die Seite jetzt dichtmachen? Ich bin gegen das Urteil in Berufung gegangen und hoffe, dass ich vor dem Oberlandesgericht recht bekomme. Die Seite hilft, dass Wähler sich ihre politische Meinung bilden können. Außerdem herrscht in Deutschland Meinungsfreiheit. Das sollte eine demokratische Partei doch aushalten. Wie kamst du auf die Idee, die Domain Wir-sind-afd.de zu registrieren? Vor der Landtagswahl in Baden-Württemberg 2016 habe ich mich mit einem Kumpel in einen AfD-Kreisverbandsstammtisch in Heidelberg reingesetzt: Die Mitglieder diskutierten darüber, eine Plattform mit dem Namen "Wir sind AfD" aufzubauen. Dort wollten sich die Kandidaten als nette, bürgerliche Nachbarn präsentieren, nach dem Motto "Wählt mich, weil ich so bin wie ihr". Also haben wir am selben Abend sicherheitshalber die Domain Wir-sind-afd.de registriert. Was willst du mit der Seite erreichen? Die wahre Gesinnung der AfD zeigen, abseits vom Netter-Nachbar-Image. Die Partei ist rassistisch, nationalistisch und antisemitisch. Meine Idee: Zitate sammeln und die AfD-Politiker für sich selbst sprechen lassen, damit jemand, der mit dem Gedanken spielt, AfD zu wählen, realisiert, was für ein rechter Haufen das ist. Glaubst du nicht, dass viele Menschen gerade deshalb die AfD wählen? Wenn jemand Goebbels-Fan ist und gut findet, was in den Dreißigerjahren in Deutschland passiert ist, dann gehört der nicht zu meiner Zielgruppe. Gibst du der AfD mit deiner Seite nicht eine zusätzliche Plattform? Ich bin für einen nüchterneren Umgang mit der AfD: Die Partei lebt davon, dass immer wieder ein Zitat hochpoppt und sie sich dann davon distanziert. So ist sie permanent im Gespräch. Meine Seite ist eher eine Chronik, die dokumentiert, dass Menschenverachtung kein wiederkehrendes Versehen, sondern Strategie ist.

UniSPIEGEL 3/2018
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