13.07.2019

Alles ist vergänglich

Wir sind gerade dabei, unseren Lebensraum zu zerstören. Was am Ende übrig bleibt? Die Natur, glaubt die Fotografin Lydia Trappenberg. Text: Laura Backes Idee + Fotos: Lydia Trappenberg
Alles fing mit einer Plastiktüte an, die sich ins Bild geschmuggelt hatte. Eigentlich wollte Lydia Trappenberg nur eine Hecke fotografieren, auf der sich eine Gruppe Vögel niedergelassen hatte. Erst später merkte sie, dass sich eine grüne Tüte in den Büschen verfangen hatte, die nun mitten auf dem Bild prangte – und doch überhaupt nicht störte. Weil sie auf den ersten Blick wie eine grüne Pflanze aussah. Und weil Müll in der Natur ja bekanntlich etwas ganz Alltägliches ist.
Trappenberg ist 24 Jahre alt und studiert Fotografie an der Fachhochschule Dortmund. Seit Anfang dieses Jahres lebt sie für zwei Semester in Melbourne, Australien. In ihren Bildern, die in Deutschland, Großbritannien und Australien entstanden sind, beschäftigt sie sich mit der Frage, was bleibt, wenn die Menschen ihren Lebensraum erst einmal zerstört haben.
Plastikmüll, Erderwärmung – man kann sich diesem Thema nähern, indem man möglichst drastische Bilder zeigt: abgemagerte Eisbären, die auf einer kleinen Eisscholle auf dem Wasser treiben beispielsweise, rauchende Müllhalden in Indien oder tote Fische und Vögel, aus deren aufgeschlitztem Magen Plastikteile quellen. Diese Bilder sind um die Welt gegangen, sie haben viele Menschen aufgewühlt. Trappenberg glaubt, dass manche Betrachter von so drastischen Motiven überwältigt sind und sich in der Folge lieber gar nicht mit dem Thema Klimakrise auseinandersetzen.
Auch Trappenberg will zeigen, wie sich unsere Welt verändert, wählt dafür aber einen subtileren Ansatz. Eine Mülltüte scheint in der Natur zu schweben, eine Plastikblume, verpackt in noch mehr Plastik, liegt wie vergessen in einer dreckigen Badewanne. Es sind alltägliche Motive in Schwarz-Weiß oder verblassten Farben – so ästhetisch inszeniert, dass es ein Vergnügen ist, sie zu betrachten. Die Bilder sollen nicht aufrütteln, lediglich einen schalen Nachgeschmack erzeugen.
Trappenberg sieht sich nicht als Aktivistin. Sollte die Erde irgendwann nicht mehr bewohnbar sein, dann habe sich der Mensch das durch seinen Lebenswandel »selbst eingebrockt«, findet sie. »Und die Natur schlägt eben zurück.« Wenn es stetig heißer werde und die Meeresspiegel stiegen, dann sterbe der Mensch vielleicht irgendwann aus – und mit ihm ganze Tierarten, sagt die Künstlerin. Die Natur aber, oder zumindest weite Teile davon, werde sich anpassen und weiter existieren.

UniSPIEGEL 4/2019
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