21.05.2001

lebenFrage: „Wie sieht's aus?“ Mirko: „Düster.“

Warum trägst du Schwarz?
Es ist einfach meine Lieblingsfarbe. Ich kann mir gar nicht mehr vorstellen, in anderen Farben rumzulaufen. Mir gefällt ein bisschen die Dunkelheit. Doch das hat nichts Mystisches. Ich bin auch kein Satanist oder so.
Wie heißt denn die Stilrichtung?
Ich bin irgendwo zwischen Heavy-Metal- und Gothic-Szene anzusiedeln.
Ziehst du dich schwarz an, weil es in der Musik der Gothic-Anhänger um die dunkle Seite des Lebens geht, um Liebeskummer oder Perspektivlosigkeit?
Also ich speziell nicht, aber das gibt es schon häufiger in der Szene. Ich ziehe mich schwarz an, um zu zeigen: Ich höre diese Musik. Und die ist nicht nur böse, traurig und düster. Da ist auch viel Spaßmusik dabei, zum Beispiel mit Folk-Einflüssen. Ich mag am liebsten orchestralen Sound, in den viele Streicher und Bläser eingebunden sind.
Was gefällt dir neben der Farbe Schwarz an Gothic-Klamotten?
Dass man auffällt. Außerdem die Eleganz, die Rüschenhemden und die geschnürten Hosen, dieser mittelalterliche Stil.
Warum ist es wichtig, aufzufallen?
Es ist mir nicht wichtig. Ich finde es nur interessant. Wenn ich über die Straße gehe, gerade auch mit drei, vier anderen schwarz gekleideten Leuten, dann mustern einen die Passanten von oben bis unten. Es kommt auch vor, dass ich an der Supermarktkasse gefragt werde, was das denn für eine Band auf meinem T-Shirt sei. Das macht einfach Spaß.
Wann hast du beschlossen, nur noch schwarze Sachen zu tragen?
Vor etwa vier Jahren. Ich hatte Leute kennen gelernt, die mich in die Gothic-Szene eingeführt haben, das gefiel mir einfach. Auch die Toleranz der Menschen. In den Discos, auf den Festivals herrscht keinerlei Aggression, es gibt keine Schlägereien. Es ist immer eine sehr freundliche Atmosphäre.
Ach, sogar deine Uhr ist schwarz.
Ich bin aber wirklich noch harmlos. Da gibt es wesentlich heftigere Schwarzträger.
Magst du denn überhaupt noch andere Farben, helles Grün zum Beispiel oder zartes Rosa?
Ja, natürlich. Die Wände meiner Wohnung sind nach wie vor wunderschön weiß. Und wenn ich später arbeite, werde ich wahrscheinlich auch in blauen Sakkos rumrennen. Ich bin da schon flexibel.
Aufgezeichnet von: Christine Koischwitz

UniSPIEGEL 3/2001
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