01.06.2002

Wie geht sFrage: „Wie geht's?“ Marion: „Etwas verstrickt“.

Dein Werk heißt "16 324 800 Maschen". Hast du mitgezählt?
Nein, ausgerechnet. Die Strickmaschine strickt 180 Maschen in der Breite und pro Strickvorgang höchstens 1500 Reihen. Das macht pro Stoffbahn 270 000 Maschen. Davon habe ich 37 gestrickt, plus die 35 Kleider. Macht zusammen 16 324 800 Maschen.
Hast du dich mal im Muster vertan?
Nein, aber der Faden ist oft gerissen. Dann musste ich jedes Mal wieder von vorn anfangen.
Das klingt nach Arbeit.
War es auch. Ich habe ja nicht nur Wände, die Decke und den Boden eingestrickt, sondern auch einen Tisch, einen Stuhl, einen Sessel, Schuhe, eine Vase, eine Blume, eine Tasse und einen Löffel.
Und warum?
Ich wollte wissen, wie es wirkt, wenn alles miteinander verschmilzt und die räumlichen Gesetze optisch in Frage gestellt werden. Ich habe immer schon gern experimentiert. Besonders mit dem Raum und der Farbe.
Wie viel Garn hast du verwendet?
Circa 263 Kilometer, hauptsächlich Baumwolle, aber auch Seide, Polyester und sogar Angelschnur.
Und wie fanden die Profs deine Strickerei?
Ich habe eine Eins bekommen. Darauf bin ich sehr stolz. Die Arbeiten werden immer von verschiedenen Gutachtern beurteilt. Auch aus der Architektur, Mode und Bildhauerei. Mein Professor war anfangs ziemlich skeptisch. Aber jetzt freut er sich mit mir, dass alles noch geklappt hat.
Es war sogar schon das Fernsehen hier. Und die Besucher sind auch ganz angetan.
Wollte schon einer dein Werk kaufen?
Das kam schon vor. Ein paar Designer aus London haben sich für den Sessel interessiert.
Und? Verkaufst du?
Nein, der Sessel gehört in das Gesamtwerk und das behalte ich. Aber es ist ein schönes Gefühl, dass einige Besucher sich so dafür interessieren, so dass man vielleicht sogar Geld damit verdienen könnte.
Was passiert denn dann mit dem Strickzimmer?
Ich plane noch eine andere Ausstellung. Und die Kleider werden demnächst auf einer Modenschau präsentiert.
Könntest du dir vorstellen, wie Christo mal ein Haus einzustricken?
Einzukleiden schon, aber nicht unbedingt einzustricken! Das ist doch ziemlich mühsam. Außerdem geht es hier nicht primär um das Einstricken der Dinge, sondern um den räumlichen und optischen Effekt. Vielleicht behandle ich das bei der nächsten Arbeit auf eine ganz andere Art und Weise.
Du bist also gar keine Strickliesl?
Von Hand kann ich so gut wie gar nicht stricken. Neulich hat eine Freundin mal versucht, mir das beizubringen, aber dafür bin ich nicht der Typ.
Hätte ich vorher schon immer Pullover gestrickt, wäre ich bestimmt nicht auf die Idee gekommen, plötzlich Möbel einzustricken. Meine Freunde haben mich ausgelacht, weil ich mich für viereinhalb Monate verkrochen und hinter der Strickmaschine gesessen habe. Aber das Stricken ist mir jetzt immer noch sehr fremd. Und wie gesagt, es geht hier auch nicht ums Stricken, sondern um die Wirkung des Ganzen.
Ich male zum Beispiel viel lieber, als dass ich stricke.
Aber warum studierst du dann Textil- und Flächendesign?
Eigentlich wollte ich Malerei studieren. Aber dann habe ich gesehen, dass sehr viel mit Computer und Video gearbeitet wird. Das lag mir zu dem Zeitpunkt, als ich angefangen habe, nicht so. Ich war der Meinung, dass das Handwerk dabei immer mehr verloren geht. Das fand ich schade.
Außerdem kann man alles sehr interdisziplinär gestalten, so dass mir in diesem Studiengang alle Möglichkeiten gegeben sind. Aufgezeichnet von:
Von Christoph Schult

UniSPIEGEL 4/2002
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