23.05.2005

»Echter Mehrwert«

René Hinkfoth, 23, Student der Wirtschaftsinformatik in Magdeburg und Gründer der Initiative »Ja zu Studiengebühren«, über die Vorteile der Campus-Maut
UniSPIEGEL: Überall in Deutschland protestieren Studenten gegen Gebühren, Sie fordern mit Ihrer Initiative die Einführung des Bezahlstudiums. Warum fallen Sie den Kommilitonen in den Rücken?
Hinkfoth: Das tue ich nicht. Studiengebühren können eine sinnvolle Sache sein und den Studenten einen echten Mehrwert bringen. Im Moment sind wir doch gezwungen, unnötige Semester dranzuhängen, weil die Lehr- und Mittelkapazitäten an den Hochschulen nicht ausreichen, um uns einen Abschluss in der Regelstudienzeit zu ermöglichen. Dadurch können wir erst verspätet in den Beruf einsteigen und verlieren bares Geld.
UniSPIEGEL: Warum soll jemand beispielsweise 500 Euro pro Semester bezahlen - für etwas, was er zurzeit umsonst bekommt?
Hinkfoth: Weil ein Lehrbetrieb ohne Ausfälle und eine engere Betreuung mindestens 500 Euro pro Semester wert ist. Bei einer Weiterbildung in der freien Wirtschaft müsste ich mitunter 500 Euro für einen einzigen Tag hinlegen. Jeder sagt doch zunächst einmal »nein«, wenn er für etwas zusätzlich bezahlen soll. Doch wenn ich meinen Mitstudenten erkläre, welche Verbesserungen Gebühren mit sich bringen könnten, zeigen sich die allermeisten durchaus aufgeschlossen. Außerdem kann man doch nicht immer die Hand aufhalten und sagen: Vater Staat, du sollst zahlen, zahlen, zahlen!
UniSPIEGEL: Und es kommen keine Anfeindungen von Kommilitonen?
Hinkfoth: Nein. Ich habe zwar ein paar Mails bekommen, aber etwas Böses wollte mir noch niemand. Selbst mit den Vertretern der Gegeninitiative »Nein zu Studiengebühren« an unserer Uni gehen wir noch ein Bierchen trinken, auch wenn mit ihnen eine sachliche Diskussion über dieses Thema nur schwer möglich ist. Generell sind Geisteswissenschaftler skeptischer gegenüber Gebühren als beispielsweise Wirtschaftsstudenten.
UniSPIEGEL: Germanisten, Romanisten und Co. wären bei ihren schwierigen Berufschancen auch am meisten gestraft.
Hinkfoth: Wir befürworten Studiengebühren ja nur, wenn sie sozial verträglich gestaltet werden und die einzelnen Fakultäten sie festlegen dürfen. Dann könnten Germanisten billiger wegkommen als Wirtschaftsstudenten. Eigentlich hätten wir unsere Initiative »Ja zu Studiengebühren, aber unter den und den Bedingungen« taufen müssen, aber das wäre kein besonders prägnanter Name gewesen.
UniSPIEGEL: Dann können Sie ja gleich mitmachen bei den Demonstrationen.
Hinkfoth: Nur wird gerade im luftleeren Raum demonstriert, weil keiner weiß, wogegen er eigentlich sein soll. Die Politik muss konkrete Modelle vorlegen, die wir dann genau prüfen sollten. Unsere Initiative diskutiert bereits mit der Hochschulleitung und dem Kultusministerium. Es geht nicht darum, den Bildungspolitikern einfach freie Hand zu lassen.

UniSPIEGEL 3/2005
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