07.07.2008

„Diese Zahlen sind beschämend“

Interview mit Matthias Kleiner, 53, Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) in Bonn
UniSPIEGEL: Professor Kleiner, Frauen spielen im deutschen Wissenschaftsbetrieb nach wie vor kaum eine Rolle. Nur 15 Prozent der Professuren sind mit Frauen besetzt, nur 20 Prozent der Projekte, die die DFG fördert, wurden von Frauen beantragt. Trotzdem haben Sie sich gerade wieder gegen eine Frauenquote ausgesprochen. Warum?
Kleiner: Die Zahlen sind in der Tat beschämend. Deutschland steht diesbezüglich im internationalen Vergleich sehr schlecht da. Eine Quote hilft aber auch nicht weiter. Wir müssen dafür sorgen, dass Frauen auf allen Ebenen und in allen Bereichen des Wissenschaftssystems besser gefördert werden, aber das schaffen wir eher durch vielerlei Gleichstellungsmaßnahmen.
UniSPIEGEL: In Skandinavien hat die Quote einiges bewirkt. Was spricht dagegen, zu sagen, okay, wir haben eine gewisse Anzahl von Professuren zu besetzen, 50 Prozent davon mit Frauen?
Kleiner: Das Problem in Deutschland ist doch, dass viele Frauen gar nicht so weit kommen, dass sie sich auf eine Professur bewerben können. Sehr oft haben wir folgende Situation: Es gibt zwar sehr viele Absolventinnen eines bestimmten Studiengangs, Anwärterinnen auf eine Promotion sind es dann aber schon viel weniger, und der Anteil, der sich schließlich habilitieren will, ist verschwindend gering.
UniSPIEGEL: Aber das ist doch eher ein Argument dafür, den wenigen, die so weit kommen, den Weg via Quote freizumachen!
Kleiner: Nein, die Rahmenbedingungen müssen verbessert werden. Die Vereinbarkeit von Beruf und Karriere ist ein wichtiger Punkt, damit sich Frauen überhaupt für eine akademische Laufbahn entscheiden. Da sind die Universitäten und Forschungseinrichtungen auch selbst gefragt. Fest steht jedenfalls, dass es in dieser Beziehung noch sehr viel zu tun gibt.

UniSPIEGEL 4/2008
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