13.12.2010

Bibliotheken / PlatzproblemeBlockierer blockieren

Bis vor kurzem ging es an der Bibliothek der Uni Münster zu wie am Pool auf Mallorca. Was den Hotelgästen das Handtuch auf der Liege, war den Studierenden der Bücherstapel auf dem Tisch: Früh am Morgen kamen die Ersten, suchten sich einen netten Arbeitsplatz, meldeten mittels der Ablage einiger Bände Fachliteratur Besitzansprüche für den Nachmittag an und machten sich dann mit unbekanntem Ziel (Seminar? Cafeteria? Bett?) vom Acker. Das stundenlange Fernbleiben erboste viele Kommilitonen, blockierte die ohnehin begrenzten Kapazitäten und brachte die Bibliotheksleitung auf die Idee, eine Art Parkscheibe einzuführen. Wer jetzt den Tisch verlässt, muss die Uhrzeit einstellen und nach einer halben Stunde wieder zurück sein - sonst läuft er Gefahr, dass seine Bücher entfernt und der Platz von anderen Studenten in Beschlag genommen wird. "Das Konzept funktioniert, ist aber natürlich nur die zweitbeste Lösung", sagt Dezernatsleiter Burkard Rosenberger. Am liebsten würde er die Bibliothek ausbauen und mehr Lernorte zur Verfügung stellen. Insgesamt gibt es 550 Plätze, zu Klausurenzeiten kommen aber 4000 Studenten am Tag. Das Anti-Blockier-System wird auch an der Hochschule Mannheim und der Berliner Humboldt-Uni umgesetzt; andere Städte wollen nachziehen.

UniSPIEGEL 6/2010
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