23.05.2011

Mediziner / Online-InitiativeDolmetscher für Ärztesprech

Wer in einem Brief vom Arzt erfährt, dass er aufgrund von Clostridium difficile an Gastroenteritis erkrankt ist und sich nun dringend einer Rehydratationstherapie unterziehen soll, dem wäre es nicht zu verdenken, rechnete er als medizinisch ungebildeter und etwas hypochondrischer Mensch mit seinem baldigen Ableben. Dabei bedeutet die bedrohlich anmutende Botschaft eigentlich nicht viel anderes als: "Sie haben sich ein bisschen den Magen verdorben, trinken Sie bitte viel Wasser." Was sich sonst noch so alles hinter ärztlichem Fachchinesisch verbirgt, wollen nun die beiden Medizinstudenten Johannes Bittner und Anja Kersten verraten. Sie haben Anfang Januar die Internetseite washabich.de gegründet, die sich an Patienten und deren Angehörige richtet. Wer Krankenbefunde, Laborberichte oder Entlassungsbriefe aus dem Krankenhaus nicht versteht, kann sie sich von den beiden Nachwuchs-Ärzten und ihren rund hundert Helfern kostenlos übersetzen lassen. Mittlerweile bekommen die medizinischen Dolmetscher etwa 150 Anfragen pro Woche - eine Resonanz, die ihre Erwartungen weit übersteigt. "Das zeigt, dass Ärzte und Krankenhäuser noch mehr auf Patienten eingehen müssen", sagt Bittner. Wegen der großen Resonanz wünscht sich der Dresdner Hochschüler weitere ehrenamtliche Unterstützung für sein Portal. Wer mitarbeiten will, muss mindestens im achten Semester seines Medizinstudiums sein. Bittner glaubt, dass nicht nur die Kunden, sondern auch die angehenden Ärzte profitieren: Sie lernten, sich verständlich auszudrücken, und wappneten sich so für zukünftige Patientengespräche.

UniSPIEGEL 3/2011
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