23.05.2011

Island-Roman / „Jenseits des Meeres liegt die ganze Welt“Verlorene Freundin

Sunnas Kumpanin aus Studienzeiten ist spurlos verschwunden. Zugleich braucht ihre Familie sie, dringend. Doch Sunna geht los: auf Spurensuche.
Als Sunna Nönnudottir an einem kalten und finsteren Dezembermorgen auf eine Suchmeldung der Reykjavíker Polizei stößt, ist sie wie gelähmt vor Schreck. Die Vermisste, Arndis Theodorsdottir, war einmal ihre beste Freundin. Nach der gemeinsamen Studienzeit in Barcelona hatten sie sich aus den Augen verloren. Ist Arndis einem Verbrechen zum Opfer gefallen? Ist sie tot? Sunna kann nicht anders, sie muss sich selbst auf die Suche machen. Doch ihr Mann Axel sitzt wegen eines anhaltenden Unwetters auf der Insel Isafjördur fest; dort hatte er einen Geschäftstermin absolviert. Dass sich Sunna deshalb allein um Axels zehnjährigen Sohn Helgi, zu Besuch aus Dänemark, kümmern muss, ist nicht gerade hilfreich. Ebenso wenig wie die überraschende Aufgabe, ein Krimi-Seminar des Verlags zu betreuen, für den sie arbeitet.
Sunnas Suche nach der verlorenen Freundin gerät zu einer Reise in die Vergangenheit und zu einer Suche nach sich selbst - wodurch ihr Leben eine neue Wendung nimmt. Als sie feststellt, dass sie von drei unbekannten Männern verfolgt wird, gerät sie plötzlich selbst in Gefahr. Doch Sunna wird klar, dass nur sie dazu in der Lage ist, das Rätsel um das Verschwinden der Freundin zu lösen.
Unter dem Titel "Sagenhaftes Island" ist das Land der Fjorde und der heißen Quellen Ehrengast der diesjährigen Frankfurter Buchmesse. Der Inselstaat hat eine vielfältige, lebendige und noch zu entdeckende Literaturszene.
Audur Jonsdottir, Jahrgang 1973, ist eine der bekanntesten jüngeren Schriftstellerinnen Islands. Neben ihrer Arbeit als Journalistin verfasst sie Kurzgeschichten und Romane, darunter auch Kinder- und Jugendbücher.
So schrieb sie im Jahr 2002 ein Porträt ihres Großvaters, des Literatur-Nobelpreisträgers Halldor Laxness, als Kinderbuch. Nun liegt erstmals die deutsche Übersetzung eines Jonsdottir-Werks vor.
In ihrem Roman "Jenseits des Meeres liegt die ganze Welt" findet Audur Jonsdottir authentische Orte, geschickt konstruiert sie Situationen im Wechsel zwischen Gegenwart und Rückblende. Es gelingt ihr: eine ungewöhnliche Mischung aus psychologischer Reflexion und Kriminalroman. Ein von der ersten Seite an ebenso sinnliches wie spannendes Buch, das einen unverwechselbaren Eindruck hinterlässt - man will nach der Lektüre sehr gern mal nach Island reisen.
Audur Jonsdottir: "Jenseits des Meeres liegt die ganze Welt". Aus dem Isländischen von Kristof Magnusson. btb; 288 Seiten; 19,99 Euro.
Von Gabriela Seidel-Hollaender

UniSPIEGEL 3/2011
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