AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 11/2002

Göttinger Hirnforscher warnt vor Parkinson-Symptomen als Folge von Ritalin


Der Göttinger Neurologe Gerald Hüther warnt vor möglichen Spätfolgen des Medikaments Ritalin, mit dem weltweit 10 Millionen Kinder mit ADHS (Aufmerksamkeits- Defizit- und Hyperaktivitäts-Störung) behandelt werden. "Ich muss befürchten, dass wir demnächst immer jüngere Parkinson-Kranke bekommen", sagte Hüther in einem Interview mit dem SPIEGEL. Tierversuche hätten gezeigt, dass der in Ritalin enthaltene Wirkstoff Methylphenidat die optimale Hirnentwicklung bei jungen Ratten stört. Vor allem behindert er offenbar das Wachstum der Nervenverbindungen in den bewegungssteuernden Regionen des Gehirns, die auch bei Parkinson-Kranken betroffen sind. Experten gehen von mindestens 160000 ADHS-kranken Kindern in Deutschland aus. Immer mehr von ihnen erhalten Ritalin, das offiziell zu den Betäubungsmitteln zählt. Allein im Zeitraum von 1995 bis 2000 steigerte die Pharmaindustrie ihren Ritalin-Absatz in Deutschland um das Zehnfache auf 13,5 Millionen Tagesdosen. Hüther sprach angesichts dieses drastischen Zuwachses von einer "verheerenden Verschreibungspraxis". "Kinder sollten so selten wie möglich die Erfahrung machen, dass sie nur mit einer Pille funktionieren können", erklärte Hüther.



© DER SPIEGEL 11/2002
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