AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 21/2002

Porsche-Chef Wiedeking kritisiert Steuerbefreiung für Veräußerungsgewinne


Porsche-Chef Wendelin Wiedeking kritisiert die Steuerbefreiung für den Verkauf von Firmenbeteiligungen. Die Folge davon sei ein "Monopoly auf Steuerzahlerkosten". Banken und Versicherungen verkauften Industriebeteiligungen. Und mit dem Erlös kauften sie andere Banken oder Versicherungen. "Die Verkrustung der Wirtschaft, die dadurch ursprünglich einmal aufgelöst werden sollte, wird so bestimmt nicht geringer." Insgesamt aber sieht Wiedeking die Leistung der Regierung - und auch die Steuerreform - positiv. Die Regierung habe einiges getan, um den Reformstau aufzulösen. "Die Steuerreform war ein guter Anfang. Der Standort Deutschland ist international wieder wettbewerbsfähiger geworden", sagt er. Wer bestreite, dass sich in den vergangenen Jahren für die Wirtschaft etwas getan hat, "der ist ein Ideologe". Die Glaubwürdigkeit der Marktwirtschaft hat nach Ansicht des Porsche-Chefs in jüngster Zeit gelitten. "Welchem Banker oder Aktienhändler kann man denn noch glauben?", fragt Wiedeking. Die Banken hätten oft Firmen ohne ausreichende Prüfung an die Börse gebracht. "Es hat keiner gefragt, wann können die neuen Unternehmen Gehälter, Mieten und andere Fixkosten bezahlen, sind sie überhaupt existenzfähig. Selbst Banker haben die betriebswirtschaftliche Basiskalkulation vergessen." Viele Banken hätten mit Börsengängen "richtig viel Geld hereingeholt". Doch nach den Kursstürzen und Pleiten komme "der große Katzenjammer". Wenn die Sparer ihr Geld nun nicht mehr in bisherigem Umfang an der Börse anlegen könnten und wollten, dann fehle den Unternehmen diese Möglichkeit der Finanzierung. Für Porsche sieht Wiedeking trotz des Absatzeinbruchs in den USA gute Chancen. "Wir werden im laufenden Geschäftsjahr mindestens den Gewinn des vergangenen Jahres erreichen, und das war der höchste in unserer Geschichte." Auch ein sinkender Dollarkurs werfe die Kalkulationen des Sportwagenbauers nicht um. Porsche sichere seine Währungseinnahmen langfristig ab. "Wir wissen heute schon, mit welchem Kurs wir in den nächsten zwei- bis zweieinhalb Jahren rechnen können."



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