AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 25/2002

Springer und Bauer wollen gemeinsam KirchMedia übernehmen


Im Kampf um das Erbe des Medienpleitiers Leo Kirch steht ein zweites Konsortium vor dem Start: Der Axel Springer Verlag und der Heinrich Bauer Verlag wollen gemeinsam in den Bieterwettbewerb um Kirchs insolvente Kernfirma KirchMedia einsteigen. Darauf haben sich Springer-Chef Mathias Döpfner und Heinz Bauer in Spitzengesprächen verständigt. Es gehe darum, der Bietergruppe aus Commerzbank, der WAZ-Gruppe und dem Hollywood-Studio Columbia (DERSPIEGEL24/02) ein neues Bündnis entgegenzustellen, hieß es in Verhandlungskreisen. Beide Verlage haben gegenüber dem Bankhaus UBS Warburg bereits schriftlich bekundet, im Rahmen eines Konsortiums Interesse an einem Einstieg in die KirchMedia zu haben, in der neben dem Film- und Sportrechtehandel auch die Mehrheitsbeteiligung an den Sendern der ProSiebenSat.1 Media AG gebündelt ist. Dort war der Verlag bislang bereits mit 11,5 Prozent beteiligt. Im Januar hatte Springer-Chef Mathias Döpfner eine mit Kirch vereinbarte Ausstiegsoption ("Put") angewendet, die dem Verlag für seine ProSiebenSat.1-Anteile einen Fixpreis von 767 Millionen Euro garantierte - und damit den Anfang vom Ende des Kirch-Konzerns eingeläutet. Nun will Döpfner, dessen Verlag im Fernsehgeschäft mit seinen Senderbeteiligungen (Sat.1) und eigenen TV-Formaten ("Newsmaker") eher schlechte Erfahrungen machte, innerhalb des Konsortiums keine Minderheitsbeteiligungen mehr eingehen. Die beiden Großverlage wollen zu gleichen Teilen die Mehrheit bei Kirch-Media übernehmen und so das "Verlegerfernsehen" aus der Anfangsphase des Privatfernsehens wieder aufleben lassen. Die Bieter-Gemeinschaft aus Springer und Bauer, so ein Insider, sei unterdessen "noch offen für interessierte Dritte", Finanzinves- toren, aber möglicherweise auch andere Medienunternehmen. Bei dem Verlag selbst wollte man auf Anfrage "zu laufenden Gesprächen keine Stellung nehmen".



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